Mo Yan – Umstrittener Preisträger: Literaturnobelpreisverleihung in Stockholm

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Mo Yan © Foto: J. Kolfhaus

Der Literaturnobelpreis 2012 geht an den Chinesen Mo Yan. Das ist schon länger bekannt und sorgt seit der Verkündung durch die Schwedische Akademie in Stockholm am 11. Oktober für heftige internationale Kritik.

Der 57-Jährige ist als erster Chinese von Schwedens König Carl XVI. Gustaf zusammen mit acht durchweg männlichen Trägern der wissenschaftlichen Nobelpreise für Medizin, Physik, Chemie und Wirtschaftswissenschaft ausgezeichnet worden. Wenige Stunden vorher hat das norwegische Komitee die Europäische Union mit dem diesjährigen Friedensnobelpreis geehrt.

Mo Yan, der beliebte Romancier aus China

Mo Yan (ein Pseudonym für Guan Moye) ist 1955 zur Welt gekommen. Er ist in der Gaomi in der Provinz Shandong im nordöstlichen China aufgewachsen. Seine Eltern sind Bauern gewesen. 1976 hat er sich der Befreiungsarmee angeschlossen. Währen dieser Zeit hat er ein Studium der Literatur absolviert. Seinen Durchbruch ist ihm mit dem Kurzroman „Touming de hong loubo“ (1986, französisch „Le radis de cristal“ 1993) gelungen.

Seine frühen Werke sind vor allem Spiegelbild seiner Erfahrungen, die er in seiner Jugend in den Milieus jener Provinz machte, in der aufwuchs. Dies wird deutlich in seinem Roman „Hong gaoliang jiazu“ (1987, deutsch „Das rote Kornfeld“ 1993). Das Buch besteht aus fünf miteinander verwobenen Erzählungen, die in Gaomi während einiger turbulenter Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts spielen und Schilderungen der Banditenkultur, der japanischen Okkupation und der schweren Bedingungen für das verarmte Landproletariat enthalten. 1987 ist es von Zhang Yimou erfolgreich verfilmt worden. Der Roman „Tiantang suantai zhi ge“ (1988, deutsch „Die Knoblauchrevolte“ 1997) und die Satire „Jiuguo“ (1992, deutsch „Die Schnapsstadt“ 2002) werden aufgrund ihrer scharfen Kritik an der zeitgenössischen chinesischen Gesellschaft als subversiv angesehen. Sein jüngstes Werk „Wa“ (2009, französisch „Grenouilles“ 2011) beleuchtet die Folgen der in China praktizierten Ein-Kind-Politik

In seinen Romanen “vereint er mit halluzinatorischem Realismus Märchen, Geschichte und Gegenwart miteinander”, so heißt es in der Begründung der Schwedischen Akademie. Mit einer Mischung aus Fantasie und Wirklichkeit, aus historischen und sozialen Perspektiven hat Mo Yan eine Welt erschaffen, die in ihrer Komplexität an William Faulkner und Gabriel García Márquez erinnert. Zugleich fußt sie auf der älteren chinesischen Literatur und mündlichen Erzähltraditionen des Volkes. In seiner Heimat ist Mo Yan ein vielgelesener Romancier, trotz seiner anklingenden Gesellschaftskritik.

Von allen Seiten scharfe Kritik

Das offizielle China hat den Preis aus Stockholm gelobt und gefeiert. Währenddessen zeigen sich Oppositionelle in Peking und aus dem Ausland kritisch und stufen Mo Yan als unkritischen Parteigänger der Führung in Peking ein. Von Herta Müller über Liao Yiwu bis Ai Weiwei geht die Kritik an der poltischen Haltung des Preisträgers, Nicht sein literarisches Werk ist Mittelpunkt der Debatte, sonder seine Einstellung gegenüber dem politischen Regime in China. Zur Zensur in China meinte er, es gebe Ähnliches in jedem Land der Welt mit nur graduellen Unterschieden. Er verglich Zensur mit lästigen, aber unausweichlichen Sicherheitskontrollen auf Flughäfen.

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