Wie eine sich steigernde Bildkombination wirkt WUTHERING HEIGHTS vom Anfang bis zum Ende. Andrea Arnolds Adaption von Emily Brontës Klassiker “Sturmhöhe” legt ihren Schwerpunkt auf die Bilder. Wer sich jetzt zum DVD-Start am 14. Februar 2013 den Film besorgt, wird sich bald nach den ersten Minuten wünschen, ihm im Kino gesehen zu haben. Regisseurin und Kammermann Robbie Ryan schaffen es, die bekannte Liebesgeschichte mit neuem Leben zu erfüllen. Schon sechzehn Mal ist der Roman fürs Fernsehen und Kino umgesetzt worden. Doch vor WUTHERING HEIGHTS hat es niemand geschafft, oder danach gesucht, die Schönheit der Landschaft Yorkshire in so beeindruckenden Bildern einzufangen. Nicht umsonst ist der Film 2011 in Venedig für die Beste Kamera ausgezeichnet worden. Ob, die Weite der Hügellandschaft oder Kleinigkeiten der Flora und Fauna, alles scheint eigentlich so unscheinbar, und dann doch in seiner gezeigten Feinheit so eindrucksvoll.
Ein Film, wie WUTHERING HEIGHTS lebt aber nicht allein von seiner Bildkomposition. Vielmehr verstärkt sich noch die Geschichte. Die Intensität der Eindrücke lässt den Zuschauer noch mehr spüren, wie es zu der Liebe zwischen der kleinbürgerlichen Catherine (als Jugendliche: Shannon Beer, als Frau: Kaya Scodelario) und dem Straßenkind Heathcliff (als Jugendlicher: Solomon Glave, als Mann: James Howson) gekommen ist, die in einem so fatalen Ende gemündet hat. Die raue Landschaft und die starken Böen des Windes scheinen gar keine andere Wahl zu bieten, als sich näher zu kommen.
In WUTHERING HEIGHTS bekommt der Außenseiter ein neues Gesicht
Das Besondere an der Neuverfilmung: Arnold wagt es zum ersten Mal, Heathcliff mit einem Schwarzen zu besetzen. Während Brontës in ihrem Roman seine Ethnizität nicht deutlich bestimmt, sondern im Vagen lässt. Allein die Vermutung kann angestellt werden, dass er entweder indisch- oder afrikanischstämmig sein muss. Dass er nun in WUTHERING HIGHTS von einem Schwarzen gespielt wird, scheint dramaturgisch aber völlig treffend.
Auf diesem Weg lässt sich die Antipathie gegen Heathcliff viel besser erklären. Vor allem hinter den brutalen Übergriffen seines Ziehbruders Hindley (Lee Shaw) scheint vielmehr als nur bloße Boshaftigkeit zu stecken. Das Dasein als Schwarzer in einem 12-Seelen-Ort bekommt so eine gesellschaftspolitische Dimension. Hier gab es noch nie gleichgestellt Schwarze – nur als unterwürfige Sklaven kennt man sie hier. Die Liebe mit Heathcliff durch eine Heirat zu bestätigen, wäre für Catherine ein Skandal – der Bruch eines ungeschriebenen Gesetzes. So wird dem Zuschauer viel mehr bewusst, weshalb sie sich trotz Liebe für Heathcliff für den Nachbarssohn Edgar (James Northcote) entscheidet.
Die Verfilmung WUTHERING HEIGHTS bleibt nicht in allen Punkten dem Buch treu und das ist auch gut zu. Arnold findet ihre ganz eigene Möglichkeit durch Bildsprache, Dramaturgie und einem exzellenten Sound eine der berühmtesten Liebesgeschichte der Weltliteratur neu zu erzählen. Dabei braucht sie nicht einmal die ganze Geschichte der Vorlage – jedem, der sich für das Buch interessiert oder es schon kennt, sei gesagt: Bei dieser Verfilmung wird Wert darauf gelegt eine besondere Seite der literarischen Vorlage einzufangen, aber nicht das Buch eins zu eins zu kopieren.
WUTHERING HEIGHTS in Kürze
Für jeden, der den Klassiker der englischen Literatur nicht kennt, dem soll an dieser Stelle der Inhalt des Films kurz zusammengefasst werden.
Regen peitscht über das karge Hochland um Wuthering Heights, als der alte Earnshaw einen Jungen
aufliest, den er auf den Namen Heathcliff tauft. In der rauen Schönheit des Hochmoores wächst Heathcliff zusammen mit den Geschwistern Hindley und Cathy auf. Während ihm Hindley mit Hass begegnet, verbindet ihn mit Cathy bald eine enge Freundschaft. Über die Jahre wird aus dieser starken Verbundenheit eine folgenschwere Leidenschaft. Als der alte Earnshaw stirbt, übernimmt Hindley den Hof und vertreibt den ungeliebten Stiefbruder. Cathy wird unterdessen von Edgar, Sohn einer wohlhabenden Nachbarsfamilie, der Hof gemacht. Hin- und hergerissen zwischen Liebe und Vernunft trifft sie eine folgenschwere Entscheidung…
Für Literaturfans ist WUTHERINGS HIGHTS von der britischen Oscar-Preisträgerin Andrea Arnolds ein ganz neues Sinngefühl. Es ist möglich Literatur modern und anders zu verfilmen, ohne dass es unpassend wirkt. Dieser Film zeigt, was Film zu bieten hat und was für schöne Vorlagen an Geschichten voller obsessiver Liebe, verletzter Ehre und grausamer Rache die Literatur zu bieten hat. Vielleicht macht WUTHERING HEIGHTS auch wieder Lust sich mehr mit den großen Liebesgeschichten der internationalen Literatur auseinanderzusetzen.
WUTHERING HEIGHTS wird seit dem 14. Februar 2013 von PROKINO auf DVD und als Video on Demand veröffentlicht. Das exklusive Bonusmaterial bietet neben dem Kinotrailer interessante Impressionen vom Filmfest Venedig inklusive eines Interviews mit der Regisseurin Andrea Arnold.
Google+







