Manuela Fuelle im Interview

Die Autorin Manuela Fuelle; Foto: Chris Stock-Müller

Ende August 2011 veröffentlichte Manuela Fuelle ihren ersten Roman “Fenster auf, Fenster zu”. Darin beschreibt sie eine ganz besondere Vater-Tochter-Beziehung, die auch autobiografische Züge enthält. Literatur-Community stand sie im Interview Rede und Antwort und verriet beispielsweise, was es mit der eigenwilligen Sprache ihres Buches auf sich hat,  welchen Schreibritualen sie nachgeht und was Eichhörnchen damit zu tun haben. Aber lest selbst!

Literatur-Community:  Frau Fuelle, wie fühlt man sich den ersten Roman gedruckt in den Händen zu halten?
Manuela Fuelle:  Es ist ein gutes Gefühl, wenn sich ein lang ersehnter Traum erfüllt, wenn man erfährt, dass man nicht umsonst gearbeitet hat, sondern sich anderen mitteilen darf.

Wie ist Ihr Verlag auf Sie aufmerksam geworden? Haben Sie das Manuskript eingereicht oder kam der Verlag auf Sie zu?
Ich habe Exposé und Leseprobe an den Verlag geschickt und hatte Glück.

Bei „Fenster auf, Fenster zu“ drängt sich ja der Verdacht auf, dass es sich um einen autobiografischen Roman handelt. Wie viel von Manuela Fuelle und ihrer Familie steckt da zwischen den Zeilen?
Da steckt sehr viel autobiographisches Material drin, nicht nur zwischen den Zeilen, sondern in jeder Zeile steckt ein Stück von mir.

Lässt sich bei so einem Roman die eigene Familie ausblenden?
Der Versuch ein Buch über seinen Vater schreiben zu wollen und gleichzeitig die Familie auszublenden wäre, denke ich, absurd.

Woher kam die Idee zu „Fenster auf, Fenster zu“?
Die Idee ist langsam gewachsen, und irgendwann war sie einfach dran, wie ich immer gern sage. Man hat ja viele Möglichkeiten, man kann über so viele Dinge schreiben, aber aus dieser Vielzahl der Möglichkeiten ergreift einen eine Idee dann so mächtig, dass man die nötige existentielle Spannung aufbringt, um das Projekt zu verwirklichen.

Sie entwickeln in ihrem Roman ihre ganze eigene Sprache, die den Leser auch herausfordert, beispielsweise gibt es kurze Sätze, die auf dem Blatt nicht beendet werden, sondern im Kopf der Leser. Ist das Absicht? Wenn ja, warum haben Sie diese Sprache gewählt?
Ja, das ist Absicht. Manche haben mir unterstellt, dass sich hier die Verwirrung der Protagonistin zeigen würde. Es verbirgt sich jedoch eine ganz andere Absicht dahinter, nämlich die der Wirklichkeit auf den Leib zu rücken. Denn in unseren Gedankengängen oder auch Dialogen beenden wir die Sätze nicht immer. Viele Schriftsteller gefallen sich darin z. B Dialoge zu schreiben, wo jeder klar sagen würde, dass kein Mensch so redet. Diese Sprachformen gibt es tatsächlich nur in dieser gehobenen Literatur. Das interessiert mich nicht.

Was verbinden Sie mit ihrer Kindheit? Gibt es bestimmte Ereignisse, die Sie geprägt haben oder an die Sie sich noch ganz genau erinnern?
Der zweite Teil meines Buches beschreibt einige Ereignisse aus meiner Kindheit. Leider habe ich ein schlechtes Gedächtnis, aber das gleicht dann die Phantasie wieder aus.

Was inspiriert Sie? Wo finden Sie ihre Ideen für ihre Bücher?
Alles, was man bewusst erlebt ist inspirierend. Deshalb sind die Ideen etwas, was ich im Überfluss habe. Ideen aus Büchern, Filmen, Geschichten anderer Menschen, der eigenen Geschichte, Landschaften, Häusern, dem Moment.

Welche Autoren haben Sie beeinflusst und warum?
Mich haben die Denker unter den Schriftstellern am meisten beeinflusst: Dostojewski, James Joyce, Samuel Beckett, Arno Schmidt, Thomas Bernhardt oder auch Max Frisch.

Wann schreiben Sie? Gibt es bestimmte Tageszeiten, wo Sie besonders kreativ sind?
Ich schreibe gern den ganzen Vormittag, der dann so gegen 14-15 Uhr endet.

Was steht auf Ihrem Schreibtisch?
Mein Notebook, eine Tasse Kaffee und dann liegen da noch ganz viele Zettel, die ich mal wieder sortieren müsste.

Haben Sie beim Schreiben bestimmte Rituale, die Sie einhalten, z.B. Musik hören?
Ab und zu aus dem Fenster sehen, wo Eichhörnchen auf der Tanne hoch und runterklettern.

Wollten Sie schon immer Schriftstellerin werden?
Ich hatte mit Anfang Zwanzig die Idee Bücher schreiben zu wollen. Aber ich habe diese Idee nicht konsequent verfolgt. Man kann auch sagen, ich habe mir eben erst die nötige Lebenserfahrung und das nötige Wissen angeeignet bevor ich wirklich ernsthaft anfing zu schreiben.

Welche Bücher dürften Ihrer Meinung nach in keinem Bücherregal fehlen?
Das ist eine schwere Frage, weil ich allein die ganzen Klassiker hier nicht aufzählen kann, die ich aber in meinen Bücherregalen stehen habe. Ich wähle jetzt nur drei Bücher um die Richtung anzugeben:
Die Bibel, Ulysses von James Joyce und Fragmente einer Sprache der Liebe von
Roland Barthes

Was können wir künftig von Ihnen erwarten? Arbeiten Sie an einem neuen Projekt?
Da ich vom Land Baden-Württemberg ein Literaturstipendium erhalten habe, werde ich mich einem neuen Projekt zuwenden. Ideen gibt es viele.

Eine Rezension zu Manuela Fuelles Roman “Fenster auf, Fenster zu” findet ihr hier.

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