Interview mit Géraldine Al-Nemri vom kladde|buchverlag

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Der kladde|buchverlag und seine Ideen rund um Buch, Autor und Verlegen sind noch ganz frisch im Geschäft. Der Verlag versucht traditionelles Verlagshandwerk mit dem Konzept “crowdfunding” zu verbinden. Wie genau das funktioniert und was die Gründer sich dabei dachten, könnt ihr im nachfolgenden Interview mit Mitbegründerin Géraldine Al-Nemri nachlesen. Am Ende der Seite findet ihr außerdem eine Leseprobe zum ersten Projekt von kladde, dem Kinderbuch “Flämmchen – Eine nostalgische Wintergeschichte”.

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literatur-community: Könnt ihr das Konzept des Kladde-Verlags einmal kurz und prägnant erklären?

kladde|buchverlag: Das Konzept ist recht einfach, denn es baut auf drei Kerne. Erstens: Die Leserschaft entscheidet, welche Bücher publiziert werden. Damit können sie aktiv die Literaturlandschaft gestalten (wir nennen das Crowdpublishing)

Interview mit Géraldine Al Nemri vom kladde|buchverlag

Mitbegründerin Géraldine Al-Nemri

Zweitens: unsere Bücher sollen insgesamt fair produziert sein. Das heißt für uns: die Autorinnen und Autoren erhalten ein angemessen hohes Honorar, die Produktion der Papiere und der Bücher ist umweltorientiert und auf Nachhaltigkeit ausgelegt und der inhabergeführte unabhängige Buchhandel wird gefördert (das nennen wir fairpublishing).

Der dritte Kern heißt lifestylepublishing. Wir wollen Literatur, insbesondere das Buch als Lebensstil, etablieren. Daher sind unsere Bücher nicht nur Medium ihrer Texte, sondern verkörpern auch eine Marke. Unsere Bücher sind alle einheitlich gestaltet in einem angenehmen Format, tollen Papieren und einer besonderen Haptik.

Wie seid ihr auf die Idee für euer Konzept gekommen? Was war der Auslöser?

Der wohl wichtigste Auslöse für uns war und ist der Zustand der Branche. Es häufen sich die Pseudoverlage, also DKZ, BOD & Co. Du glaubst gar nicht, wie oft wir von den Autoren gefragt werden: „Und was muss ich bezahlen?“ Das geht für uns einfach nicht. Wir schätzen den Autorenbegriff als wirklichen Beruf, als Talent und Handwerk. Ein Autor sollte nie für seine Kunst bezahlen, sondern ordentlich bezahlt werden. Dazu schwindet die Qualität der Literatur merklich, da Großverlage den Markt mit immer mehr Büchern fluten, die an lebensfernen Märkten orientiert sind. Die Leserschaft bekommt also eigentlich nicht die Literatur, die sie will.

Wie verteilen sich bei euch Gewinne und Verluste auf die Crowd, den Verlag und den Autor? Was haben die Sponsoren davon, wenn sie ein Projekt finanziell unterstützen?

Das Tolle an unserem Konzept ist: Es gibt keine Verluste. Selbst wenn das Projekt nicht das Fundingziel erreicht haben sollte, ist der Prozess des Fundings für alle ein Gewinn. Da wir auch mit dem Prinzip „Alles oder Nichts“ arbeiten, geht der Funder kein Risiko ein, denn wenn das unterstützte Projekt nicht erfolgreich ist, erhält er seinen vollen Betrag zurück. Der Autor selbst gewinnt auch in jedem Fall: denn selbst wenn sein Projekt scheitert, ist das Funding ein kraftvoller Marketingschub, der aufgrund seiner hohen Reichweite in jedem Fall Resonanz und andere Möglichkeiten hervorbringt.

Aus finanzieller Sicht fließt bei Erfolg der Fundingbetrag zu 100% in die Buchproduktion (Druck, Satz, Layout, Lektorat, Korrektorat, ISBN, Vertrieb etc). Kommt es zu einer Überfinanzierung, erhält die Autorin oder der Autor 50% des überfinanzierten Betrages als Vorschuss. 25 % fließen erneut ins Buchprojekt selbst und 25 % kommt uns als Verlag zu Gute, um beispielsweise unsere Präsenz auf den Buchmessen zu sichern. Zusätzlich erhalten Autorinnen und Autoren natürlich ein traditionelles Honorar prozentual vom Nettoladenpreis. Wir liegen auch hier (dank fairpublishing) weit über dem Branchenschnitt. Sind etwa 6-8% bei Softcover und 10% bei Hardcover üblichen, fangen wir bei 20% an.

Die Sponsoren – also die Crowd – erhalten für jeden Einsatz natürlich einen Gegenwert. Beispielsweise bieten wir als Fundingstufen pre-order (Subskription) für Ebook und Print an. So kann man 7€ oder 15€ beisteuern (was den späteren Ladenpreisen entspricht) und erhält bei Erfolg das gedruckt Buch oder Ebook. Interessant wird es jedoch erst in den höheren Stufen, weil hier die ideellen Werte hinzukommen. Sei es durch Namensnennung im Buch, Klappentextentwurf oder eben die Zueignung des Buches, wodurch der Mäzen wirklich Teil der Literaturgeschichte wird (ähnlich wie z.B. Gräfin Marie von Thurn und Taxis-Hohenlohe bei Rilkes Duineser Elegien).

Was unterscheidet kladde von einem DKZ-Verlag – außer dass die Kosten nicht vom Autor, sondern von der “Crowd” getragen werden?

DKZ sind keine Verlage, sondern reine Dienstleister, die mit dem Traum der Autoren vom schnellen eigenen Buch Profit machen. Wir betreuen die Autoren, bieten ein ordentliches Lektorat und einen fundierten Vertrieb. Bei uns steckt in jedem Buchkauf ein Mehrwert für alle. Deshalb auch unser Motto „es reicht nicht mehr einfach nur Bücher zu machen“. Sich am Funding zu beteiligen, bedeutet die Welt ein kleines bisschen zu verändern: Man fördert Literatur und Kultur, nachhaltige Produktion, unbekannte und bekannte Talente, faire Honorare und die kleine Buchhandlung von Nebenan.

Es gibt bereits verschiedene crowdfunding Projekte. Was ist neu oder anders an eurer Umsetzung? Und warum sollte ein Autor nicht direkt Self Publishing betreiben?

Wir finanzieren eben konsequent alle Bücher durch crowdfunding. Das ist in der Branche ohnehin einzigartig. Bisher wird eben, wie Du sagst, Crowdfunding vorwiegend von Selfpublishern genutzt, Verlage tauchen wenn nur vereinzelt auf oder mit völlig abstrusen Konzepten, die den Sinn des Crowdfunding verfehlen (ich nenne jetzt einfach mal keine Namen). Das Neue: wir verbinden traditionelles Verlagshandwerk mit dem innovativen Verlagskonzept.

Selfpublishing… Neulich haben wir gemeinsam festgestellt: wäre die Verlagswelt wirklich attraktiv für den Autor/die Autorin, bräuchte es kein Selfpublishing. Es ist eine ganz tolle Möglichkeit für Autorinnen und Autoren verlagsunabhängig zu schreiben, jedoch wird der Autor dann immer zu einem kompletten Selbstvermarkter. Das mag einigen gefallen, für uns aber sollen Schriftsteller vor allem Zeit zum Schreiben haben. Wir setzen auch auf ein gutes Verhältnis zu unseren Autoren, denn wir verlegen nicht nur deren Text, sondern gestalten gemeinsam das Projekt. Jede Autorin und jeder Autor bekommt dabei so viel Raum für seine Kreativität, wie er braucht.

Wir haben den Punkt Selfpublishing im Team lange diskutiert und uns gefragt, ob wir uns nicht eher als Dienstleister für Selfpublisher im Crowdbereich positionieren sollen. Uns wurde aber klar: nein. Es hilft Autorinnen und Autoren tatsächlich viel mehr, einen starken Partner an der Seite zu wissen, der sie verlegt und sich um alle Belange kümmert. Natürlich hat auch jeder die Möglichkeit sich bei uns einzubringen. So können wir also auch Selfpublishern tolle Möglichkeiten bieten.

Euer erstes Projekt, das Kinderbuch „Flämmchen“, ist im Dezember angelaufen. Wie setzen sich die dort anfallenden Kosten in Höhe von 5000€ zusammen?

Interview mit Géraldine Al Nemri vom kladde|buchverlag

Werbeplakat zum Projekt Flämmchen

Wir kalkulieren momentan jedes Buch auf etwa 4000 – 5000 €. Da es sich bei Flämmchen um ein Kinderbuch handelt, haben wir uns für einen renommierten Illustrator entschieden, der eben auch sein Geld wert ist. Daher ist hier ein höheres Ziel zu finanzieren. Da wir ganz transparent mit der Finanzierung umgehen. 3080 € kosten Druck und Bindung. Etwa 1200 € erhält der Illustrator. Der Rest wird für Marketing, ISBN, Versand, Lesungen genutzt.

Wie ist die Resonanz auf „Flämmchen“ bisher?

Es ist das erste Projekt und hat es demnach schon ganz schön schwer, weil auch wir erst mal die Menschen erreichen müssen. Die Resonanz von denen, die wir erreicht haben, ist jedoch überaus positiv. Vor allem in der Presse. Immerhin steckt dahinter ja auch eine etablierte Kinderbuchautorin. Es ist einfach ein ganz tolles Geschenk: stell Dir vor Du schenkst Deinem Patenkind zur Taufe eine Buchzeichnung, die das Kind für immer mit dem Werk verknüpft. Das ist so schön!

Flämmchen verhilft uns vor allem zu mehr Aufmerksamkeit. Deshalb gilt auch hier: sollte das erste Projekt scheitern, ist es dennoch ein Gewinn und wir wissen ohnehin, dass dieses Buch beizeiten verwirklicht werden wird! Toll wäre aber natürlich wenn es gleich beim ersten Versuch klappt. Also Mia, wenn Du noch jemanden kennst – erzähl von uns.

Das werde ich tun und vielen Dank für das ausführliche Interview!

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Erzählt habe ich nun also vom kladde|buchverlag. Was haltet ihr von dem Konzept? Gibt es Unklarheiten? Habt ihr noch Fragen? Teilt eure Meinung in den Kommentaren mit!

Leseprobe zu “Flämmchen”

Download (PDF, 124KB)


Interview mit Géraldine Al Nemri vom kladde|buchverlag
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14 Comments on "Interview mit Géraldine Al-Nemri vom kladde|buchverlag"

  1. Aartis 04/02/2014 at 19:04 ·
    Die Leserschaft entscheidet, welche Bücher publiziert werden…

    Ich hätte gerne den Begriff ‘Crowdfunding’ in Bezug auf die vorgestellte Verlags-/Druckmanufaktur präziser erklärt bekommen. Wie werden ‘Geldspender’ gesucht und gefunden, ohne dass marktwirtschaftliche Interessen das ganze System gleich zu Anfang kollabieren lassen. Ansonsten klingt das Konzept schlüssig, leider fehlt aber auch die Erklärung, wie die unveröffentlichten Bücher zu den Erstlesern gelangen, um für spätere Auflagen rezensiert zu werden und wer diese Erstleser sind bzw. wo sie gefunden werden. Also vom Textaufbau ist der Artikel stellenweise unklar. Vielleicht könnt Ihr da etwas nachbessern. Danke. :thumbup:

  2. Alexandra 04/02/2014 at 23:16 ·

    hmmm… also Mathe war ja noch nie meine Stärke… kann halt besser mit Wörtern als mit Zahlen… aber ich versuchs mal *federsmilie*

    Also Geld gibt es für den Autor erst, wenn ein Buch verkauft wird, bedeutet: wenn kein einziges Buch verkauft wird, geht der leer aus… hmmm… der Illustrator hat aber seine 1200€ schon im Sack… der heißt nicht zufällig Christian Saum?
    Das Buchprojekt kostet satte 5000€… leider vermisse ich eine Angabe, wie hoch die Erstauflage ist, aber ich erfahre, dass der Ladenpreis zwischen 7€ und 15€ liegt (iss ja ein Schnäppchen, wenn ich höre, wie so ein Band ausgestattet ist),

    was einmal bedeutet, dass der Autor pro Buch 1,40€ bis 3€ bekommt – bleiben übrig 5,60€ bzw. 12€ – wäre dann kalkulatorisch (bei 5000 – 1200 = 3800) eine Auflage von 678 bzw. 316 Stück (korrigiert mich, wenn ich falsch liege)… natürlich abzüglich der Exemplare, die Sponsoren bekommen… und was jetzt für Druck, Satz, Layout, Lektorat, Korrektorat, ISBN, Vertrieb etc. übrigbleibt kann ich echt nicht ausrechnen.

    Bedeutet aber vor allem, dass ich im ungünstigsten Fall (5000/7) 715 Sponsoren brauche… von denen dann jeder ein Buch bekommt… da bleibt ja nichts mehr für den Verkauf (ich bin sogar im Minus)… okay, jetzt gibt es ja bestimmt den einen oder anderen, der etwas mehr gibt – vorzugsweise wahrscheinlich das gängige Opferpublikum – und auf der Verlags-Homepage erfahre ich, dass natürlich der Autor selbst sich auch zur crowd gesellen darf :whistling:
    ob es allerdings DEN großen Sponsor gibt (Rilkes Duinsener Elegien heranzuführen finde ich dann doch etwas gewagt)?… ich weiß es nicht… gibt es viele Menschen, die glauben mit einem Kinderbuch die Literaturlandschaft verändern zu können?… naja, vielleicht einen oder zwei…

    *sternchensmilie* … also, ich komme da jetzt nicht mehr mit…

    Aber gut, das sind nur Gedankengebilde… mal konkret… vom aktuellen Projekt sind bisher 41% finanziert von 34 Unterstützern… scheint aber nicht wirklich voranzugehen, denn auf dem startnext-blog erfahre ich, dass das “funding” um einen Monat verlängert wurde… ich glaube, wenn ich Frau Talleur wäre, würde ich mich schon jetzt nach einer Alternative umsehen… warum nicht beim Esslinger Verlag?
    Und aufgrund einer 6-seitigen unlektorierten Rohfassung als Leseprobe würde ich mich auch nicht um einen Sponsorenstuhl reißen.
    Da bekommt Aartis Frage, wie man denn Geldspender findet, nochmal eine ganz andere Dimension.

    Aber schön in einem anderen Interview zu erfahren, dass Frau Al-Nemri morgens beim Kaffee gerne Papier befühlt… was machen derweil die anderen 13 Teammitglieder?

  3. Géraldine 06/02/2014 at 15:34 ·

    hallo,
    mia hat mich eingeladen auf Eure Fragen und Unklarheiten zu antworten. Ich hoffe mir gelingt es noch etwas Lichts ins Dunkel zu bringen.

    @Aartis: Du sprichst einen interessanten Punkt an. Crowdfunding ist ein relativ frisches Phänomen. In Deutschland arbeiten bisher nur andere Branchen damit, sowohl aus der Kreativwirtschaft als auch im Bereich Entwicklung, IT & Co. Es gibt hier bereits verschiedene Crowdfundingplattformen, die sich in ihren Ausrichtungen unterscheiden. Unser Partner Startnext beispielsweise ist vor allem für Kreativbranche wichtig. Marktwirtschaftliches Interesse steht hier nicht mehr im Vordergrund (aktuelles Beispiel Fairnopoly). So gestalten auch wir unser Unternehmen. Wir müssen uns natürlich wirtschaftlich ausrichten und dafür sorgen, dass der Verlag gesund wächst – immerhin haben wir auch hier Verantwortungen unseren Autorinnen und Autoren gegenüber. Dennoch ist unser Ziel nicht die Gewinnmaximierung, sondern die Etablierung einer neuen Publikationskultur.
    Unsere Bücher geraten genauso zu den Erstlesern wie Bücher aus Publikumsverlagen: Blogs, Rezensionen, Werbung etc.
    Aber auch hier bietet Crowdfunding einen erheblichen Vorteil, denn wir erreichen bereits vor Veröffentlichung eine enorme Reichweite. Jeder Unterstützer fungiert hier automatisch als Multiplikator.

    @ChapaChupo
    wo fange ich bei Dir an…
    Deine Kalkulation ist ja schon mal gar nicht schlecht. Ich mache es noch ein wenig transparenter:
    Druck und Bindung belaufen sich bei unseren nachhaltigen und hochwertigen Materialien auf 3080 €.
    Der Illustrator – leider nicht Christian Saum sondern der renommierte Kinderbuchillustrator Marc Robitzky – erhält bei Erfolg 1200 €. Auch er geht in diesem Fall in Vorleistung. Wir sind nun bei 4280 €. Die restlichen 620 € sind für Listung im VLB, Versand der Bücher, Lektorat etc etc.
    Der Buchpreis beträgt 15 €. Der Nettoladenpreis demnach 13,95 €. Bei 20% Honorar erhält die Autorenschaft also 2,79 € pro Buch (Print). Was Du vergessen hast in der Buchhandelsrabatt. Dieser liegt zwischen 30-50% vom Nettoladenpreis (da wir auf buylocal setzen, wird hierbei der kleine Buchhandel gefördert und erhält die bestmöglichen Konditionen).

    Das Mäzenatentum (Rilke Beispiel) ist genau das Prinzip, was sich dahinter verbirgt. Unterstützt Du beispielsweise eines unserer Bücher und erhältst die Zueignung, so ist Dein Name mit diesem Buch verknüpft. Du bist damit ebenso Mäzenin wie die Gräfin Marie von Thurn und Taxis Hohenlohe. Ob das unterstützte Buch später ein Weltwerk wird, den Nobelpreis gewinnt oder einfach nur eine Auflage füllt, steht hierbei nicht im Vordergrund.

    Natürlich führt jede Unterstützung zu einer Gestaltung der Literaturlandschaft, sei es durch ein Kinderbuch, Roman, Reiseführer oder Gedichtband. Das besondere liegt hier genau darin: in der Teilhabe. In dem “Ich entscheide mit, ob dieses Buch auf den Markt kommt”. Das ist ein demokratisches Prinzip.
    Die Crowd als ein Opferpublikum zu bezeichnen finde ich falsch. Aber interessant, dass Du hier schon eine fundierte Zielgruppenanalyse vorgenommen hast ^^
    Es geht im Crowdfunding um große Werte (so sehen wir es jedenfalls), wenn Du diese Werte noch nicht erkannt hast schlage ich vor, Du durchstöberst einfach mal die Crowdfundingplattformen, vielleicht entdeckst Du dabei ja etwas.


    Frau Talleur braucht keinen Verlag. Sie schreibt für große Publikumsverlage und hat Crowdfunding als Experiment nicht wirklich nötig. Aber sie war begeistert von unserem Konzept und hat uns eines ihrer persönlichsten Werke anvertraut.
    Als unser erstes Projekt hat es das Kinderbuch in keinem Fall leicht: wir sind der erste Verlag der konsequent über Crowdfundig publiziert (crowdpublishing) und müssen auch erst mal die Mechanismen der Crowd analysieren. Gerade das Genre Kinderbuch ist hierbei schwer zu kalkulieren. Für einen Kaltstart eines Start-Ups sind 41 % schon wirklich toll. Die Verlängerung war nötig, da wir zu Beginn nur 4 Wochen Fundingzeit anberaumt hatten, dies war gerade über die Feiertage zu wenig und wir wollten “Flämmchen” nicht Chance nehmen eine Dynamik zu entwickeln.
    Es folgen nun weitere schöne Projekte, die aus unseren Erfahrungen profitieren und ich bin mir fast sicher, für Dich ist dann schon ein Projekt dabei, an dem Du teilhaben möchtest.

    Während ich morgens Papier befühle, arbeiten meine Kolleginnen und Kollegen an eingegangenen Manuskripten, entwickeln unsere Seite weiter, kommunizieren mit Sponsoren, Autoren, Partner und der Presse, arbeiten Vorträge aus, korrigieren, bereiten Projekte vor usw.

    Übrigens schicke ich Dir gerne ein Papiermuster unseres Covers zu, es fühlt sich wirklich toll an.





    Wenn Ihr weitere Fragen habt, könnt Ihr Euch auch gerne direkt an uns werden (Ihr wisst ja, wo wir zu finden sind!)




  4. Aartis 06/02/2014 at 19:38 ·

    Danke für Deine ausführlichen Infos. Ich kann nur allen Verlagen für die Zukunft weniger Autoren und bessere Qualität wünschen, nur so lässt sich noch die Spreu vom Weizen trennen. Leider wurde niemals so viel…und auch so viel Mist geschrieben, wie seit der Erfindung des PC’s, Tendenz steigend. Verlage vernichten mittlerweile ‘Blindeisendungen’ ungelesen, sie werden der Flut von Texten nicht mehr Herr. Das ist die Realität. Vielleicht ist euer Weg ein Neuanfang und ich wünsche allen Beteiligten gute Nerven für das Bevorstehende. Ob es jedoch am Ende noch Autoren geben wird, die vom Schreiben wirklich leben können, ist mehr als fraglich. Und die Verlagsmitarbeiter wollen doch auch alle ein Monatsgehalt für Miete, Essen, Auto, etc…. ?( Hmmm…

  5. Aartis 07/02/2014 at 11:05 ·

    Nachtrag

    Ich habe Kontakt zu Schriftstellern, die tatsächlich von ihren Büchern leben können. Allerdings haben alle mehr oder weniger große Verlage als Partner. Gute Bücher schreiben sich nicht in 4 Wochen. Manche Autoren arbeiten jahrelang an einem Werk. Auflagen unter 10.000 Bücher sind dann schon Kleinauflagen und ermöglichen nur ein Nebeneinkommen. Qualität in der Literatur ist aber auch eine Frage von Zeit und finanzieller Sicherheit. Nur größere Verlage haben z.b. die Möglichkeit des ‘Vorschusses’. Sie ermöglichen vielen Autoren somit, ihre Werke ‘stressfrei’ fertigzustellen. Hier ist Vertrauen die wichtigste Grundvoraussetzung. Spenderfinanzierte Veröffentlichungen scheinen ein sehr theoretisches Denkmodell zu sein. Vielleicht bin ich zu pragmatisch, vielleicht aber auch einfach nur Realist. Mein Vorstellungsvermögen reicht jedenfalls im Augenblick für das vorgestellte Konzept nicht aus. :thumbdown:

  6. Géraldine 07/02/2014 at 18:24 ·

    Lieber Aartis,

    das Konzept selbst ist eben auch beides: super einfach und unglaublich komplex.
    Ich kann es Dir noch einmal in kurzen Sätzen je nach Perspektive aufzeigen:

    für Dich als Leser: Du kannst endlich mitentscheiden, was gedruckt wird. Du bist ein Teil des Lektorats und hilfst mit die Qualität auf dem Buchmarkt zu verbessern.
    für Dich als Autor: Du kannst sicher sein, dass nicht mehr nur 1 Lektor (oder dessen Praktikant) Deinen Text ungelesen wegwirft und unzureichend liest – es ist die Leserschaft, die Dir ein direktes Feedback gibt. Außerdem wirst Du endlich angemessen bezahlt und erzählt eine persönliche und autororientierte betreuung.

    Wir sind gerade dabei diese “gute Idee” aus der Theorie in die Praxis zu bringen. Hilf uns doch dabei ;)

  7. Aartis 07/02/2014 at 18:57 ·

    Danke Géraldine, vielleicht ist es wirklich ein guter, neuer Weg. Und wenn es auch den Autoren mehr um gute Leserschaft und weniger um Einnahmen geht, kann es ein Sprungbrett sein. Kleine Buchläden sind etwas Wundervolles und vielleicht entsteht so eine neue Subkultur für wirklich gute Literatur. Ich werde euch sicherlich auch durch Buchkäufe unterstützen. Neben [lexicon]eBooks[/lexicon] gibt es bei mir nur ‘Besondere Bücher’ in Papierform. :) Alles Gute für Dich und Dein Team. :thumbup:

  8. Alexandra 07/02/2014 at 19:56 ·

    Nur noch mal kurz zur Erklärung: nicht die Spender sind das Opferpublikum… Opferpublikum sind Menschen aus dem persönlichen Umfeld eines Künstlers, die im Grunde schon qua ihrer Verbindung zu demselben auch sein Werk positiv beurteilen (müssen)… und somit wahrscheinlich auch die ersten Kandidaten, die sich bei den Sponsoren wiederfinden. Ob sie deswegen zwangsläufig die Zielgruppe sind, wage ich zu bezweifeln… habe ich auch nie so formuliert. Im Gegenteil würde ich die Käuferschaft als Zielgruppe bezeichnen, wie es allgemein üblich ist. Und natürlich habe ich keine Zielgruppenanalyse durchgeführt… warum auch? Das ist nicht meine Aufgabe, das müsst Ihr schon machen, um die Verkaufschancen eines Buches beurteilen zu können und daraufhin zu entscheiden, ob Ihr ein Projekt daraus macht. Also bitte keine Spitzfindigkeiten.

    Was die Veröffentlichungen von Patrice Talleur betrifft… so sehr ich auch suche, ich finde nur eine aus dem Jahr 2010, die auf amazon jetzt stark verbilligt angeboten wird. Betrachte ich die Qualität der von euch veröffentlichten Leseprobe, glaube ich nicht, dass ein Verlag sich auch nur mehr als die ersten sechs Seiten anschauen würde. Man verschickt keine Rohfassung und erwartet, dass andere es richten werden.

    Apropos Leseprobe… habe ich deinen letzten Beitrag dahingehend richtig verstanden, dass die “Crowd” nicht nur der Geldgeber ist, sondern jeder einzelne auch Lektor ist/sein kann? Wie muss ich mir das in der Praxis vorstellen? Darf da jeder mal herumkorrigieren? Und wieso führst du dann bei deiner Kalkulation auf, dass ein Teil des Startbetrages für Lektorat ist? Bekommt die “crowd” das dann wieder gutgeschrieben?

    Bei der Kalkulation wird die Verlagsarbeit an sich nicht erwähnt (Ihr seid immerhin 14 Leute, die ja eigentlich auch aus der Masse bezahlt werden müssen, Aartis hat es auch bereits erwähnt)… fehlt da nicht was in der betriebswirtschaftlichen Rechnung? Wie bleibt das Unternehmen da handlungsfähig, um weitere Projekte durchzuführen?

    Wieso bin ich als Autor gut bezahlt, wenn ich erst Honorar nach erfolgten Verkäufen erhalte? Und wenn dem Handel, bei dem relativ günstig gehaltenen Verkaufspreis auch noch von vorneherein ein Rabatt eingeräumt wird?

    Insgesamt sehr schön vollmundig, wie du formulierst… hört sich auch super toll idealistisch an… all das kann ich mehr oder weniger aber auch genauso unsubstantiiert auf eurer Homepage nachlesen. Um die Literaturlandschaft zu verändern, brauchts meines Erachtens mehr.

  9. Aartis 07/02/2014 at 20:13 ·

    Ich konnte und wollte mich Gèraldine gegenüber nicht so drastisch äußern, schließe mich aber Deinen Argumenten an. :thumbup: Manchmal ist es wichtig, Dinge auf den Punkt zu bringen.

  10. Alexandra 07/02/2014 at 21:10 ·

    Ich hab mich mal bei startnext umgesehen… und z.B. das hier gefunden
    das nenn ich ein erfolgreiches Projekt

  11. geraldine 07/02/2014 at 21:22 ·
    ‘ChapaChupo’,'index.php?page=Thread&postID=52926#post52926′ wrote:
    Ich hab mich mal bei startnext umgesehen… und z.B. das hier gefunden
    das nenn ich ein erfolgreiches Projekt

    schau mal hier: das hier ist ein wirklich erfolgreiches Projekt ^^

  12. geraldine 07/02/2014 at 21:49 ·

    Liebe ChapaChupo, lieber Aartis

    1. Patrice Talleur ist ein Pseudonym der Autorin Petra Steckelmann. Google doch einfach mal nach dem Namen. Ich würde mich freuen, wenn Du Dir unser Projekt einmal genau anschaust, dann wird eventuell vieles klarer.

    2. die Unterstützer sind auch die Menschen aus dem Umfeld des Künstlers. Sie sind ebenso Teil der Crowd, wie der Künstler selbst. Sie sind die Basis, die Schneeflocken, die eine Lawine ins Rollen bringen sollen. Opferpublikum ist nach wie vor ein unschön gewählter Begriff.

    3. Natürlich ist die Crowd nicht am Korrektorat beteiligt. Am Lektorat in soweit, da die Crowd letztlich entscheidet, was gedruckt wird und nicht wir diese Entscheidung alleine treffen.

    4. Du bist als Autorin fair bezahlt, weil Du um mehr als 200% am Gewinn beteiligt wirst. Garantievorschüsse treten außerdem auf, wenn eine Überfinanzierung zustande kommt. Garantievorschüsse sind im übrigen nur bei etablierten Autorinnen und Autoren üblich. Bei einem Debüt werden in Groß- und Indieverlagen keine Vorschüsse gezahlt. Recherchiere bitte auch hier einmal genauer um einen besseren Einblick in die Branche zu erhalten. Jedes Funding – ob Erfolg oder nicht – ist ein Gewinn. Denn die Autorinnen und Autoren erreichen schon allein dadurch Reichweite und Bekanntheit, andere Verlage werden aufmerksam, eine Leserschaft bildet sich. Scheitern ist im Bereich Crowdfunding niemals etwas negatives.

    5. Der Verkaufspreis ist nicht günstig. Er ist angemessen. Günstig sind Bücher im Preissegment 7,99 € – 9,99 €.

    6. Ich freue mich, dass Du Dir um das Wohl unseres Teams Gedanken machst. Wir sind ein Start-up. Ein Start-up finanziert sich selbst zu Beginn vor allem durch die Leidenschaft und den Einsatz seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wir versuchen hier etwas aufzubauen und dies durch bootstrapping, das heißt, wir bauen ein Konzept auf, ohne großes Eigenkapital und ohne eine ordentliche Gewinnausschüttung. Das Team stammt aus den verschiedensten Bereichen und beteiligt sich an dieser Idee ohne Eigennutz. Wir verfolgen unser Ziel mit einer großen Portion Idealismus. Ziel ist, das der Verlag sich trägt und – wie ich bereits erwähnte – stabil wachsen kann. Deshalb ist auch hier ein Crowdinvesting geplant das Einbeziehen von Fördergeldern. Auch hier kannst Du Dich gerne mit dem Feld Social Entrepreneuship auseinandersetzen.

    7. Wie verändert man die Literaturlandschaft denn Deiner Meinung nach am besten? Wir sehen in unserem Weg sehr großes Potenzial und erhalten durchweg viel Zuspruch und Begeisterung. Sowohl auf der Autoren- als auch auf der Leserseite.

    8. Übrigens vergleiche ich unsere Projekte nicht mit anderen Literatur- oder branchenfremden Projekten. Diese sind Einzelprojekte mit einem ganz anderen Ziel. Wir wollen nicht nur ein Buch herausbringen, sondern Crowdpublishing für die Buchbranche nutzbar machen und dabei gleich die für uns wichtigen Werte vermitteln.

    Ich lade Euch 2 wirklich ein unseren Weg kritisch zu verfolgen, aber auch offen dafür zu sein. Fundet doch einfach mal mit, gebt uns konstruktives Feedback, wann immer ihr meint, etwas verbessern zu können.

  13. Aartis 08/02/2014 at 11:27 ·

    Liebe Gèraldine, die Finanzierung eines Projektes durch eine Community, auch Crowdfunding genannt, erfährt durch das Internet neue Möglichkeiten. Ich kann verstehen, dass immer mehr Menschen versuchen, über das Internet neue Einkommensmöglichkeiten zu schaffen. Und tatsächlich verdienen die Erfinder solcher Projekte ganz gut. Wie ist es denn bei euch? Wie viel Geld wurde bewegt, bis der erste Euro für den Autor übrig war?

    Ja ich werde euer Projekt im Auge behalten. Leider fällt mir dazu jetzt im Augenblick nichts positiv-förderliches ein. Ja ich bin sehr kritisch aber auch offen. Bitte belassen wir es dabei.

    Alles Gute.

  14. Alexandra 08/02/2014 at 13:20 ·

    Verstehe mich bitte nicht falsch, Géraldine, ich finde Idealismus und die Bereitschaft neue Wege zu gehen durchaus begrüßenswert… ohne derartige Innovationsbemühungen würde die Welt sich nicht weiterentwickeln können. Ich bin auch durchaus offen mich gedanklich darauf einzulassen, ansonsten hätte ich mir gar nicht die Mühe gemacht, mich hier auseinanderzusetzen.

    Ich bin auch absolut dafür, verkrustete Strukturen aufzubrechen (es gibt da z.B. den Spruch: Alle haben gesagt, das funktioniert nicht. Dann kam einer, der hat das nicht gewusst und es einfach gemacht :)) und wenn zudem neue technische Entwicklungen neue Möglichkeiten eröffnen… warum sie nicht ergreifen.

    Dennoch bin ich kritisch… denn nur der Erfolg eines neuen Konzepts bereitet letztlich auch neue Wege, denn diese müssen auch beschreitbar sein. Und nur Idealismus und der Glaube, alles muss nur schön gedacht sein, dann funktioniert es auch, führt nach meiner Erfahrung irgendwann in eine Sackgasse. Ihr habt ein Unternehmen gegründet und da muss man von vorneherein gewinnorientiert denken. Die Theorie: Es soll sich erstmal alles selbst tragen und dann sehen wir weiter, führt nach meiner Erfahrung dazu, dass man Dinge ausblendet, die aber dennoch unweigerlich rechnerisch zum Tragen kommen. Und es ist nicht verwerflich, gewinnorientiert zu denken, es ist für ein Unternehmen lebensnotwendig… nur so ist das stabile Wachstum, das du selbst ansprichst, auch möglich. Irgendwann macht die ehrenamtliche Arbeit nämlich keinen Spaß mehr und man stellt sich unweigerlich die Frage, was bekomme ich für meinen Aufwand heraus – spätestens wenn man aus eigener Tasche drauflegen muss.
    Ganz abgesehen davon, spielt es auch steuertechnisch eine große Rolle, ob Ihr mit Gewinnerzielungsabsichten unterwegs seid und diese Gewinne dann nach einer Anlaufzeit auch erzielt. Wenn nicht, könnt Ihr eure Umsatzsteuerbefreiung und/oder EÜR von drei Jahren in die Tonne treten und die Nachzahlung haut euch weg, denn Privatvermögen reichen in der Regel nicht dafür aus.
    Wenn ich dann lese, dass noch nicht einmal ein Eigenkapitalstock vorhanden ist, bekomme ich graue Haare.
    Viele Dinge scheinen mir hier nicht konsequent zu Ende gedacht und da befürchte ich, dass es noch weitere Dinge gibt, die nicht auf ihre Funktionalität hin überprüft wurden. Und deshalb beschränkt sich mein durchaus konstruktives Feedback auch auf diesen Rahmen und ich werde mich nicht am “funding” beteiligen. Für das Geld gehe ich lieber lecker essen… oder kaufe mir ein Buch dafür ;)

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