Rebecca Martin ist eigentlich eine ganz normale, junge Frau mit 22 Jahren. Eigentlich! Das Besondere aber: Sie veröffentlicht ihren zweiten, autobiografisch angehauchten Roman namens “Und alle so yeah” (DuMont): Die Protagonistin Elina schließt ihr Abitur ab und weiss nicht, was sie mit ihrem Leben anfangen soll. Elina hat einen Bestseller geschrieben und daher zu viel Geld in der Tasche, zu viel Freiheiten und zu viel Optionen. Sie kann sich nicht entscheiden und lässt sich tag täglich gehen. Was wird aus ihrem Leben?
Man erkennt in Elina die Rebecca Martin, die bereits mit ihrem Debüt “Frühling und so” im Jahr 2008 genau einen solchen (ebenso leicht autobiografischen) Skandal-Besteller schrieb, in dem ihre Protagonistin Raquel nach der großen Liebe sucht und sehr sehr viel Sex hat. Für die Medien ist ein zweites “Feuchtgebiete” geboren – und die Abiturientin ist plötzlich in etlichen TV-Shows, veranstaltet Lesungen und im Radio.
In diesem Interview gibt uns die Autorin ein Rückblick auf das verrückte Mediengemetzel. Außerdem: Einblicke in ihr ganz normales Leben. Wir sprechen über ihre Zukunft, über Freiheit, Herausforderungen und über “verschwafelte” Literatur. Das Interview führte Fabian Krott. Autorenfoto © Nadja Klier.
Literatur-Community: Hi Rebecca! Am Dienstag (21.08.12) erscheint dein Roman „Und alle so yeah“, da fällt doch eine große Last weg, nach dem du so lange geschrieben hast?
Rebecca Martin: Ja, ich freue mich riesig! Aber natürlich gehört auch eine gewisse Anspannung dazu. Der eigentliche Schreibprozess liegt ja schon wahnsinnig lange zurück. Deshalb ist es schon ein bisschen unheimlich, dass mein Buch jetzt tatsächlich in einer Woche erscheint.
Unheimlich…?
Na ja, es ist so eine Mischung aus Freude, Aufregung und der Angst davor, wie es bei Leuten außerhalb des engeren Familien- und Freundeskreises ankommt.
Dann lass uns am besten direkt über deinen neuen Roman sprechen, der das typische „Generation-Unorientiert“ widerspiegelt, kurz vor bzw. nach dem Schulabschluss. Man erkennt in der Protagonistin Elina die Autorin Rebecca: Eine Bestsellerautorin, die mit einer ungewissen Zukunft leben muss und daran schier verrückt wird. Nun wirst du Werbetexterin, stehst sozusagen „fest im Leben“. Wie passt das zusammen?
Quatsch, ich stehe überhaupt nicht fest im Leben! Nein, ich mache eine Ausbildung zur Werbetexterin bis Ende September. Und dann ist auch wieder alles relativ offen. Ich würde gerne nächstes Jahr ein Studium aufnehmen. Mal sehen, ob das klappt.
Dann bist du ja bald wieder „frei“. Was ist für dich eigentlich Freiheit?
Freiheit ist natürlich ein großes Wort. Bezogen auf das Buch ist es vielleicht die Freiheit, in einer Wohlstandsgesellschaft aufgewachsen zu sein, sich allgemein um viele Dinge keine allzu großen Sorgen machen zu brauchen. Und aus diesem Privileg heraus entsteht auch die Freiheit der Entscheidungen, die bei „Und alle so yeah“ für Elina ja zu einem krassen Problem wird.
Hattest du schon mal Bedenken, dass du zu einer gläsernen Person wirst? Dachtest du manchmal, dass es ein Fehler war, „Frühling und so“ zu veröffentlichen und nie mehr „frei“ bist?
Nein, nicht wirklich. Auch wenn ein Teil von mir in meinen Büchern vorhanden ist, entscheide ja immer noch ich, was und in welcher Form ich etwas von mir preisgebe. Bei „Frühling und so“ war mir vielleicht noch nicht ganz so bewusst, was es für Konsequenzen haben kann, derart nah an seiner eigenen Lebenswirklichkeit zu schreiben; im positiven wie im negativen Sinne. Ich war teilweise fassungslos, wie viele Nachrichten von jungen Mädchen mich erreichten, die sich total mit der Geschichte identifizieren konnten. Glücklicherweise hatte ich gleichzeitig die nötige Distanz zu den Dingen, um die schwierigeren Apsekte, die die Veröffentlichung nach sich zog, nicht allzu sehr an mich heran zu lassen. Aber nein, um Gottes Willen! Ohne „Frühling und so“ wäre ich jetzt nicht da, wo ich bin!
Das stimmt, vielleicht hätte es kein zweites Buch gegeben. Nun erscheint aber dein zweites Buch „Und alle so yeah“. Ist das „so“ im Titel ein Gefühl der Jugend? Oder was hat es damit auf sich?
Mein Lektor und ich haben nach etwas gesucht, das sich ein bisschen an „Frühling und so“ anlehnt. „Und alle so yeah“ hat uns schlussendlich dann am besten gefallen. Aber klar, ich finde den Titel sehr passend. Er hat eine Lässigkeit an sich, fängt dieses Unbestimmte gut ein. Und er funktioniert einfach. Findest du nicht?
Doch, mir gefällt der Titel sehr. Zumal er eine Jugendlichkeit in sich trägt.
Und ich bin ja auch noch relativ jugendlich …
Ja, du bist erst 22 Jahre jung! Hast du denn manchmal dennoch Angst, wenn du an deine Zukunft denkst? Oder ist das eher eine unerwartete Freude?
Nein. Ich hatte wirklich lange genug Angst vor der Zukunft. Das war auch eine sehr wichtige Erfahrung und eine gute Basis für alles, was noch kommen mag. Und ja, ich freue mich sehr darauf. Klar, eine Unsicherheit spielt immer mit – aber das hört wahrscheinlich niemals auf.
Wie hast du dir denn als Mädchen deine Zukunft vorgestellt?
Ich wusste das tatsächlich lange nicht, habe mir da nie so Gedanken gemacht. Mit 14 habe ich dann zum ersten Mal Theater gespielt. Der Lehrer, der das Projekt betreut hat, hat irgendwann zu mir gesagt, dass ich doch bestimmt Schauspielerin werden möchte. Das war ausschlaggebend, um die nächsten Jahre diesen Berufswunsch zu haben. Ich habe mich dann sehr reingehängt, bin bis ich 20 war zu unzähligen Castings gegangen und habe auch bei einigen Projekten und Produktionen mitgewirkt. Aber irgendwann musste ich mir Gedanken darüber machen, ob Schauspielerin werden wirklich noch meinen Wünschen und Zielen entsprach – oder ob es nicht einfach schon zur Gewohnheit geworden war, darin Erfolg haben zu wollen. Damit gänzlich zu brechen, war eine der ersten klaren Entscheidungen auf der beruflichen Zukunftssuche. Und eine, die mich definitiv sehr viel weiter vorangebracht hat.
Hattest du „Und alle so yeah“ einfach just for fun geschrieben oder verfolgst du damit ein spezielles Ziel bzw. eine Botschaft?
Nein, ich verfolge kein bestimmtes Ziel und habe beim Schreiben nie irgendwelche Botschaften, die ich rüberbringen möchte. „Just for fun“ ist die ganze Sache aber auch nicht. „Und alle so yeah“ zu schreiben war durchaus harte Arbeit, ein langer Prozess und ich habe oft mit mir gerungen. Schreiben an sich war vor „Frühling und so“ ja nie Teil des Plans – das hat sich eben ergeben, und erst danach habe ich überhaupt angefangen, mich mit Schreiben als einer Möglichkeit auseinanderzusetzen. Irgendwann hat sich kristallisiert: Früher oder später fange ich automatisch wieder damit an, also mit dem Schreiben, das ist einfach so. Und „Frühling und so“ wurde ja auf eine bestimmte Art und Weise von den Medien aufgenommen. Dem musste und wollte ich etwas entgegensetzen. Vielleicht auch um mir selbst etwas zu beweisen. Ganz abgesehen davon war es natürlich eine Chance, von der man nicht weiß, ob sie jemals wiederkommt. Das wäre ja dann schön blöd, sie nicht zu nutzen.
Insofern drängt sich die Frage auf, welche Aufgabe Bücher für dich erfüllen sollten? In NDR Info gab es einen Beitrag von dir, in dem du erzähltest, dass du sozusagen „intellektuelles/verschwafeltes“ Literatur nicht ausstehen kannst. Was ist denn dann Literatur für dich? Nur Unterhaltung? Lebenshilfe?
(lacht) Nein – ich habe kein Problem mit so einer Form von Literatur. Ich lese Bücher eben nicht so unglaublich gerne, wenn dieses Selbstdarstellerische im Vordergrund steht. Das eben nicht die Geschichte erzählt wird, sondern darauf geachtet wird, wie man selber rüberkommt im Schreiben. Aber klar, es hat sicher seine Daseinsberechtigung. Ich mag es eben lieber, wenn die Geschichte gut erzählt wird, getragen von einer klaren Sprache, auch einer gewissen Leichtigkeit. Intellektuell muss ja nicht zwangsläufig mit verschwurbelten Sätzen einhergehen.
Dann musst du mir zum Abschluss sagen, welches Buch du aktuell liest?
Ich habe gerade „Die Kunst des Feldspiels“ fertig gelesen. Hat mir sehr gut gefallen! Ist auch ein gutes Beispiel: es liest sich wahnsinnig klug, aber überhaupt nicht anstrengend.
Rebecca, vielen Dank für das Interview. Wir wünschen dir außerdem viel Erfolg mit “Und alle so yeah” und natürlich drücken wir dir die Daumen, damit du schnell den richtigen Studienplatz findest!
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4 Comments on "Ein Interview und so mit Rebecca Martin"
Super Interview!!! Und ich dachte einfach nur so “Yeah”. ;)