Diesmal sprach die Literatur-Community im Interview mit dem Metro 2033-Schöpfer namens Dmitry Glukhovsky itself. Dabei haben wir natürlich das Thema der Metro nicht außen vor lassen können: Denn hier konnten wir interessante Informationen über Glukhovsky herausfinden. Wie z.B. seine Meinung zum Metro 2033-Videospiel ist, inwiefern der Erfolg seine Person verändert und welche Ziele er sich in Zukunft gesetzt hat. Nur so viel sei gesagt: Er erwähnt große – also wirklich groooße – Ziele – aber lest selbst!
Literatur-Community: Hallo Herr Glukhovsky! Wie geht es Ihnen? Sind Sie heute schon mit der Metro gefahren?
Dmitry Glukhovsky: Ich bezweifle, dass es möglich ist aus Metro herauszukommen. Seitdem ich die erste Idee für diesen Roman hatte, sind 14 Jahre vergangen und ungefähr neun Jahre, seit ich Metro 2033 veröffentlicht habe. Nach wie vor vergeht kaum eine Woche, in der ich nicht über die Metro-Romane befragt werde, ihre Vergangenheit und ihre Zukunft. Ich denke, dass ist ärgerlich. Ich werde so würdevoll wie möglich damit weitermachen.Außerdem, Metro verschont mich nicht vor anderen Ideen. Neue Ideen, meine ich. Und ja, mir geht es gut. Danke.
Welche Autoren haben Sie beeinflusst und warum?
Borges, Marquez, Cortazar, Kafka, Remark, Vian, die Brüder Strugatzki, Pelevin, Lem. Bradbury, Meirink. Wisst Ihr, man liest ihre Bücher und sagt sich: Wenn ich groß bin, will ich so sein wie sie. Später versteht man, dass es mehr braucht als nur eine Entscheidung.
Wie sind Sie auf die Idee zu den Romanen gekommen? Gab es da eine Initialzündung oder einen bestimmten Auslöser?
Ich bin regelmäßig zweimal am Tag mit der U-Bahn gefahren, seitdem ich 9 Jahre alt war. Zwei Stunden in der Moskauer Metro jeden Tag – von zu Hause zur Schule, von der Schule nach Hause. Das macht 3.500 Stunden während meiner Schuljahre. Genug Zeit sich Gedanken über alles Mögliche zu machen. Einschließlich – wenn man lernt, dass die Metro zum größten Atombunker der Welt geworden ist – darüber wie man einen Nuklearkrieg hier in der U-Bahn überleben wird.
Wie kritisch liest ein Dmitry Glukhovsky seine eigenen Bücher?
Ich lese selten meine eigenen Bücher. Ich versuche Werke von Meistern zu lesen, nicht solche von Lehrlingen.
Was ist so faszinierend an der Moskauer Metro?
Die Moskauer Metro die Arche Noah des Atomzeitalters und das ist an sich faszinierend. Außerdem ist sie ein einziges riesiges Museum der Sowjetzeit, Kitsch und Erhabenheit, die naive Vision einer glänzenden Zukunft und verzerrte Darstellung der kommunistischen Vergangenheit. Und sie ist ein lebendiger Organismus, der Seelen liest und die Gefühle von Millionen von Besuchern in sich aufnimmt. Kommt und besucht sie. Ihr werdet sehen.
“Metro 2033″ und “Metro 2034″ werden dem Genre der Science Fiction zugeordnet. Sehen Sie die Romane auch in diesem Genre?
Zugeordnet, ja. Aber nicht mehr als „zugeordnet“. Erzählt das nicht den Sci-Fi-Puristen – sie werden euch bei lebendigem Leib verbrennen und außerdem würden sie mich nur zu gerne schlagen. Metro 2033/2034 sind sehr untechnisch. Sie sind viel näher an Urban Myth, an Modern Fantasy. Ich hab niemals versucht in technischer Hinsicht genau zu sein: psychologische Glaubwürdigkeit meiner Charakteren ist viel interessanter für mich als die technische Wahrscheinlichkeit meiner Prognosen.
Die Romane haben sozialkritische Untertöne, und enthalten auch sehr philosophische Betrachtungen. Inwieweit fließt da die persönliche Meinung des Autors mit ein?
Beide Romane sind sehr persönlich. Die Stimme des Hauptcharakters ist meine Stimme. Ich bin das, der die Welt mit den Augen des Charakters betrachtet, ich bin es, der ihre Leben lebt im Labyrinth der Moskauer Metro. Ihre Gedanken sind meine, sie sprechen mit meinen Worten. Und ja, ich war es, der aus dem brennenden Busch sprach.
Die “Metro”- Bücher waren ja weltweit sehr erfolgreich, ebenso die Umsetzung als Videospiel. Inwieweit hat sich dieser Erfolg auf Sie persönlich ausgewirkt? Ist Ihr Leben komplizierter geworden?
Ich bin größenwahnsinnig geworden und ich vermeide es mit Lesern und Journalisten zusammenzutreffen. Mit meinem astronomisch hohen Autorenhonorar habe ich den Bau eines Elfenbeinturmes finanziert, wo ich nun als Einsiedler lebe und nur elektronisch mit Sterblichen kommuniziere. Hat man mir eine Interview-Anfrage geschickt, befindet man sich normalerweise drei Monate in der Warteschlange.
Spielen Sie denn gerne mit Videokonsolen? Haben Sie das Videospiel „Metro 2033“ schon selbst gespielt?
Ich habe Metro 2033 gespielt und finde es absolut fantastisch. Ich hatte keine Lust, es bis zum Ende durchzuspielen, weil das Spiel furchterregend und schwierig ist. Leider bin ich zu ehrlich und vornehm, um den „Gott-Modus“ in dem Video-Spiel zu gebrauchen. Ich ziehe nun in Erwägung einen speziellen „Metro 2033-bis-zum-Ende-durchspiel-Sklaven“ anzuheuern, der für mich spielt, während ich mich in Sicherheit zurücklehnen und das Spiel beobachten kann. Irgendwelche Freiwilligen?
Ist eine Verfilmung der Romane vorgesehen? Oder gibt es da vielleicht sogar schon konkrete Pläne?
Vorgesehen immer. Mein Mail-Postfach (ihr erinnert euch… ich kommuniziere mit der Welt der Sterblichen nur elektronisch) wartet in Geduld und Würde auf Nachrichten von Steven Spielberg, James Cameron und/oder (ja, meine Seele ist zu verkaufen) Michael Bay. Leider und überraschenderweise hat Hollywood nach wie vor kein direktes Interesse an Metro 2033 bekundet. Vielleicht kennen sie einfach nur meine Mail-Adresse nicht. Also, Steven und James, wenn Ihr beiden dieses Interview lest, zögert nicht mit den Betreibern dieser Website in Kontakt zu treten und sie werden euch meine Mail-Adresse geben.
Verfilmungen von literarischen Vorlagen gelingen nicht immer. Falls eine Verfilmung anstehen würde- inwieweit würden Sie Einfluss auf die Umsetzung nehmen? Gäbe es bestimmte Schauspieler, welche Sie favorisieren würden?
Ein schlechter Film ist schlimmer als überhaupt kein Film. Das ist mein Grundsatz. Darum habe ich diverse Angebote von B-, C- und Z-Produktionsfirmen abgelehnt. Nur erstklassige Firmen! Oder keine. Vaterland oder Tod, keine Kompromisse. Und dann, nun… Ihr wisst schon… Die Wahrscheinlichkeit Außerirdische zu treffen ist unwesentlich höher als die Wahrscheinlichkeit einen Hollywood Produzenten zu beeinflussen. Sie sind lebende Götter und sie schauen der absoluten Wahrheit direkt in die Augen. Man kann sie nicht von irgendetwas überzeugen. Sogar ich kann das nicht – und hey, denkt an meinen Elfenbeinturm…
Wenn von russischer SF-Literatur die Rede ist, fallen meist Namen wie Asimov oder Strugatzki. Welche Autoren würden Sie empfehlen?
Ich liebe Bradbury viel mehr als Asimov. Für mich ist Sci-Fi eine Wiedergeburt der Märchen. Märchen haben verstanden, dass sie im Aussterben begriffen sind und haben sich deshalb entschieden sich zu prostituierenSo wurden sie sehr viel glaubwürdiger für die im 20. Jhdt. Geborenen. Aber nach wie vor ist ein Märchen keine technisch glaubwürdige Geschichte. Ein gutes Märchen ist ein Mythos, der zu einer wichtigen sozialen oder philosophischen Frage wird, es erörtert diese und bietet eine Lösung für unser Leben an. So wie Lem und Bradbury und ja, die Brüder Strugatzky. Gegrüßt seien die Poeten, scheiß auf die Techniker. (Ich spreche von literarischen Technikern, alle IT-Leute bitte entspannen.)
Könnten Sie sich vorstellen, etwas komplett Anderes zu schreiben? Wenn ja- in welchem Genre?
Ich habe ein Buch mit politischen Pamphleten, eine Hooligan-artige Anti-Putin-Sozialsatire und ich plane einen mystischen Roman, eine historische Saga, ein Theaterspiel über den Tod Stalins und einen Roman über eine Welt, in der die Menschen unsterblich sind. Einen Cyber-Punk-Roman und eine Liebesgeschichte. Zwei Plots für 3D-Animationen. Ein Drehbuch für eine Thriller TV-Show. Und da war noch was anderes…
Arbeiten Sie z. Zt. an einem neuen Projekt? (Falls Sie nicht verraten möchten, um was es geht – können Sie ihr Buch mit nur 3 Adjektiven umschreiben?)
Diesen Herbst setze ich mich hin, um meinen nächsten großen Roman zu schreiben. Er wird futuristisch, spannend und seltsam.
Haben Sie beim Schreiben bestimmte Rituale, die Sie einhalten, z.B. Musik hören?
Kaffee, Schokolade und Musik, ja. Ich schreibe normalerweise auf dem Laptop. Gott erschuf Laptops, um ein Schriftstellerleben besser zu machen, da bin ich sicher. Gott, solltest du dieses Interview lesen – vielen Dank für Laptops. Endlich mal was Nützliches.
Wo sahen Sie sich als zehnjähriger Junge?
Ich wollte Schriftsteller und Journalist werden. Ich habe es geschafft. Jetzt will ich Regisseur werden und den Nobelpreis für Literatur gewinnen. Lasst uns noch ein Interview in 22 Jahren machen und sehen, ob ich das auch geschafft haben werde. Das fasziniert mich wirklich.Wenn nicht, allein 20 weitere Jahre am Leben zu bleiben, wäre auch ein gutes Ergebnis.






One Comment on "Dmitry Glukhovsky im Interview"
“Fragt mich 22 Jahren nochmal”, lustig :D Dann ist es 2033 xD