Torrent – Ein Magazin über das serielle Erzählen bringt Abwechslung in den deutschen Zeitungsmarkt

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Serienfans aufgepasst! Eine neue Zeitschrift ist auf dem Markt, die sich Eurem vielleicht liebsten Medium widmet: Der Serie oder besser noch dem seriellen Erzählen. Wir von der Literatur-Community hoffen natürlich heimlich, dass das sagenumwobene Buch von dem Ihr hier schon einiges gelesen haben müsstet, bei Euch auf Platz eins steht. Da es aber das eine oder andere Buch zur Literaturverfilmung als Serie geschafft hat und wir uns nicht gänzlich diesem populären Medium entziehen können, stellen wir Euch gerne „Torrent“ vor. Das erste Magazin in Deutschland, welches sich ganz den komplexeren Serien verschrieben hat.

Dabei versprechen die unterschiedlichen Rubriken Abwechslung und Liebe zum Detail. Keine pompöse Aufmachung oder beigepackte DVDs sollen unsere Aufmerksamkeit an sich ziehen, sondern allein wirklich interessante Informationen. Da wechseln sich Porträts über Autoren und Regisseure mit sachkundigen Rezensionen über bekannte und hierzulande noch völlig unbekannte Serien ab. Augenscheinlich wird dabei, dass leider deutsche Serien wenig im Mittelpunkt stehen, da sie ganz einfach mit dem Ideenreichtum und der Vielfalt von Formaten aus dem angelsächsischen Raum nicht mithalten können. Da kann man als Freund des seriellen Erzählens manchmal einfach nur hoffen, dass ein Magazin wie dieses auch den Mut der deutschen Serienmacher anspricht und uns in Deutschland mehr Abwechslung beschert.

Ein einziger Mann hat nahezu alle Artikel des ersten Heftes geschrieben, das ist nicht nur Bewundernswert sondern ebenso ambitioniert. Da wollten wir gleich mehr von ihm und seinem Magazin erfahren und haben ihn ein paar Fragen gestellt, die uns da in den Sinn kommen, wenn wir mehr wissen wollen über Serien und ihre Zukunft.

Auf ein paar Fragen mit Autor und Herausgeber Markus Kirzynowski von der Zeitschrift „Torrent“:

Woher kommt sie, die Liebe zum seriellen Erzählen?

Ich war eigentlich schon als Kind großer Serienfan, damals natürlich vor allem von Action- oder Science-Fiction-Serien. In den frühen 90ern gab es dann mal eine längere Durststrecke, wo es kaum noch aktuelle TV-Serien gab, die für mich als Erwachsenen interessant gewesen wären. Das änderte sich ein paar Jahre später langsam mit Formaten wie “ER – Emergency Room”. Das Tolle an gut gemachten Serien ist einfach, dass man ihre Figuren viel länger begleitet als bei Kinofilmen. Im Idealfall entwickelt man auf diesem Weg eine viel tiefere emotionale Verbundenheit zu ihnen. Ähnlich dem richtigen Leben entwickeln sich die Figuren weiter und man begleitet sie dabei, fast schon wie Freunde.

Weshalb ist das Magazin jetzt in Papierform erhältlich und nicht nur als Online-Magazin?

Eigentlich stand der Plan schon immer, das als Printmagazin zu machen, weil ich fand, dass das eine Lücke auf dem Zeitschriftenmarkt war: Es gibt zu praktisch jedem Hobby oder kulturellen Interessensgebiet mindestens eine Zeitschrift, wieso also ausgerechnet zu anspruchsvollen TV-Serien nicht? Außerdem gibt es Internetportale und -foren über Serien in ausreichender Anzahl.

Liegt es allein am Budget, dass die komplexen und gut gemachten Serien aus England und den USA uns so begeistern, oder steckt eine bestimmte Kultur dahinter?

Generell haben die Autoren im angelsächsischen TV-System einfach mehr kreative Freiheiten. Die Studios und oft auch die Sender wie HBO oder AMC sagen ihnen, wenn ihnen das Grundkonzept einer Serie gefällt: Macht, was ihr für richtig haltet. In Deutschland ist Fernsehen eher eine Produzenten- und Redakteursangelegenheit, denke ich. Da können Autoren ihre Visionen oft nicht so umsetzen, wie sie sich es selbst vorstellen.

Was meinen Sie, wo geht die Entwicklung hin bei den Serien? Thematisch, aber auch formal?

Thematisch gibt es, zumindest bei den US-Kabelsendern, praktisch keine Einschränkungen mehr: von einer polygamen mormonischen Familie in “Big Love” bis zu einer transsexuellen Auftragskillerin demnächst in der neuen britischen Serie “Hit and Miss” mit Chloe Sevigny. Formal haben sich in den vergangenen paar Jahren schon verschiedene Stile ausdifferenziert, die meistens an die Sender gebunden sind: HBO-Serien sind meist sehr langsam erzählt, AMC-Serien auch, aber mit weniger Sex, während Showtime-Produktionen oft überdrehter sind. Die Serien bei den großen amerikanischen Networks werden dagegen immer konventioneller und formelhafter, die trauen sich aus Angst, Zuschauer zu verschrecken, nicht mehr, etwas Neues zu wagen.  Dabei fand ich in den 90ern und Nullern gerade tiefgründige Network-Serien wie “ER”, “West Wing” oder “Northern Exposure” oft am interessantesten.

Woran liegt es, dass so gerne Kriminalgeschichten als Literaturstoff in Serienform umgesetzt werden?

Zumindest in Deutschland scheint der Krimi das Konsensgenre schlechthin zu sein. Keine Ahnung, woran das liegt. Und einen erfolgreichen Kriminalroman für das Fernsehen zu verfilmen, ist dann natürlich gleich in doppelter Hinsicht eine sichere Bank.

Haben Sie Empfehlungen für unsere Leser? Welche Literaturverfilmung in Serienformat sollte man unbedingt gesehen haben?

Dass Romane häufiger als TV-Serien adaptiert werden, ist ja ein recht neues Phänomen, das sicher auch mit der Entwicklung hin zu epischem Erzählen einhergeht, das HBO und andere Sender im Fernsehen etabliert haben. “Game of Thrones” ist schon sehr spannend und vom Produktionsniveau sehr gut gemacht. Wenn die Reportagebücher von David Simon als Literatur durchgehen, würde ich die HBO-Miniserie “The Corner” nennen, eine sehr bewegende Schilderung des drogenbedingten Niedergangs einer Nachbarschaft in Baltimore. Meine Lieblingsserien sind allerdings keine Literaturadaptionen.

Vielen Dank für das aufschlussreiche Interview. Wir wünschen viel Erfolg mit den weiteren Ausgaben. Das nächste Heft wird voraussichtlich am 31. August erscheinen und einen Fokus auf die Frage legen, weshalb es so wenige herausragende deutsche Serien gibt.

Auch wir haben uns eine Serie gleich besorgt und in einem Ritt durchgeschaut, welche verraten wir jetzt mal nicht, weil wo bleibt dann die Neugier auf das Magazin. Viermal im Jahr soll das Magazin „Torrent“ erscheinen und wär auch zwischen den Ausgaben immer auf den neusten Stand gehalten werden möchte, sollte die Internetseite besuchen oder „Torrent“ auf Facebook folgen. Mit Spannung werden wir die Entwicklung im Bereich der Literaturadaptionen weiterhin uns anschauen.

2 Comments on "Torrent – Ein Magazin über das serielle Erzählen bringt Abwechslung in den deutschen Zeitungsmarkt"

  1. Jutta 22/05/2012 at 18:35 ·

    Cooler Bericht, Anja. Danke dafür. Ich glaube, das ist ein Magazin nach meinem Geschmack.

  2. Fabian 22/05/2012 at 20:31 ·

    Du sagst es! Cooler Bericht, wie immer. Sehr spannende Antworten von Markus Kirzynowski, gut gestellte Fragen.
    Das Magazin muss ich mir auch mal anschauen… wenn ich das nächste Mal im Köln Hbf bin, dann stelle ich meine Augen auf Radar. ;)

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