In einer Unterrichtsstunde im Jahr 2005 wurde ich Schriftsteller. Ungewollt gewissermaßen, denn eigentlich wollte ich nur eine Geschichte, wie meine Freunde und ich sie auch erlebt haben könnten, aufschreiben. Zuerst auf einem Collegeblock, dann am PC.
Ein gutes Jahr später war das Ergebnis eine etwa 150-Seiten starke Word-Datei, die meine engsten Freunde lesen durften. Die fanden „Real Me – Die Suche nach dem wahren Ich“ gut. Und ich eigentlich auch. Warum das Ganze also nicht veröffentlichen? Naiv wie ich mit meinen 16 Jahren war, schaute ich auf den Internetseiten der Verlage nach Möglichkeiten der Manuskripteinsendung. Bei irgendeinem würde es irgendwie klappen. Denn warum sollte es nicht genau mein Buch sein, das in den Buchhandlungen angepriesen wird? Ein Buch, das authentisch ist, von jemand geschrieben, der selbst noch jung ist und weiß, was die Jugend denkt? Doch leider sah die Realität anders aus.
Zwei bis drei Monate später kamen dann die ersten Absagen der Verlage: Standardbriefe, in denen höchstens der Nachname individuell eingetippt worden war. „Passt nicht ins Verlagsprogramm“. „Detaillierte Begründungen sind aus Zeitmangel nicht möglich.“
Aber so leicht wollte ich nicht aufgeben: Ich überarbeitete „Real Me – Die Suche nach dem wahren Ich“ über die Jahre, verfasste noch drei Folgebände. Wenn ich nicht gerade mein Abitur schrieb, kontaktierte ich zwischenzeitlich immer wieder Verlage, ging auf die Frankfurter Buchmesse um mich persönlich vorzustellen – erfolglos.
Rückblickend war meine erste Version von „Real Me – Die Suche nach dem wahren Ich“ nicht druckreif. Aber mit jedem Buch, das ich schrieb, wurde ich stilsicherer. Und ich glaubte an meine Ideen: Ich lies die Charaktere immer wieder aus der Ich-Perspektive erzählen, um ihr Innenleben zu zeigen. Außerdem gab ich jedem Kapitel einen Songtitel als Überschrift – als zusätzliches Medium quasi, mit dem man die Stimmung des Kapitels verstärken kann. Und als Soundtrack zum Buch.
Aber ein Problem blieb: Ich war ein junger, unbekannter deutscher Autor. Keine Promi-Eltern, kein Vitamin-B in die Literaturszene, keine Schicksalsgeschichte, die ich autobiografisch erzählte. Denn Verlage sind in erster Linie Unternehmen und oft erst an zweiter Stelle Idealisten. Bücher von Promis wie Charlotte Roche oder Sarah Kuttner lassen sich nun einmal einfacher vermarkten. Und Bücher von Stephenie Meyer oder Suzanne Collins haben sich auf dem angloamerikanischen Markt schon erprobt, lassen sich gut als „Bestseller“ bewerben und landen so wahrscheinlich auch hierzulande auf der Bestsellerliste.
Das wissen viele Autoren. Doch deshalb aufgeben? Das ist keine Option. Dann also vielleicht nicht gleich die Bestsellerlisten stürmen, sondern kleine Brötchen backen. Und so führt der Weg für viele deutsche Autoren über Book-on-Demand, E-Books oder kleinere Verlage auf den Buchmarkt. Damit steigen die Chancen, vom Schreiben leben zu können, natürlich nicht. Wie der Bestseller-Autor Peter Prange gegenüber dem Blog media-bubble.de erklärte, können fünf Prozent der publizierenden Autoren von ihrer Arbeit leben – ganz zu schweigen von all jenen Autoren, die nicht veröffentlichen. Aber die Hoffnung, mit einer wie auch immer gearteten Publikation einen Fuß in die kleine Katzenklappe des Buchmarkts zu bekommen, treibt an. Die Hoffnung, dass Menschen das gefällt, was man schreibt. Dass sie sich in die Welten entführen lassen, die man sich ausgedacht hat. Dass sie mit den Figuren, die man sorgfältig skizziert hat, lieben und leiden.
Für mich erfüllt sich dieser Traum nun. „Real Me – Die Suche nach dem wahren Ich“ erschien am 06.06.2012 und ich hoffe, dass viele Jugendliche sich durch mein Buch angesprochen fühlen. Nicht nur, weil wie in jedem Buch unendlich viel Herzblut drinnen steckt, sondern auch, weil „Real Me“ authentisch ist. Noch immer steckt der Geist des Collegeblocks darin – und wer weiß: Vielleicht ist Authentizität mehr wert als ein großer Name.
Über den Autor: Alexander Karl, Jahrgang 1989, studiert in Tübingen Medienwissenschaft und Geschichte. Sein Jugendroman „Real Me – Die Suche nach dem wahren Ich“ (ISBN: 978-3861961307) erschien am 06.06.2012 im Papierfresserchens MTM-Verlag und ist ab sofort überall im Handel erhältlich.








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