Interview mit der Schriftstellerin Laurie Notaro

laurie notaro

Laurie Notaro wurde in New York geboren, ist in Arizona aufgewachsen und lebt heute Oregon.  Sie studierte Journalismus und machte das Schreiben dann auch zu ihrem Beruf. Laurie Notaro veröffentlichte verschiedene Kolumnenbücher (darunter Guten Morgen, Doppelkinn, Anleitung zum Zickigsein ). Darüber hinaus erschien im Juli ihr Roman Spooky Little Girl – ein Geist zum Verlieben.  Dieses Buch hat mich so begeistert, dass ich unbedingt mehr über die Autorin wissen wollte. Daher bin ich sehr froh, dass Laurie Notaro sich die Zeit genommen hat uns einige Fragen zu beantworten.

Wollten Sie schon immer Schriftstellerin werden?

Als ich jung war, habe ich viel gelesen. Ich war immer eine sehr begeisterte Leserin. Ich habe Bücher  damals genauso geliebt, wie ich sie heute liebe. Ich habe damals schon kleine Geschichten geschrieben und später während meiner Collegezeit schien es mir logisch diese Richtung weiter zu verfolgen. Ich studierte Journalismus und plante investigative Reporterin zu werden. Aber es stellte sich heraus, dass es mir viel mehr Spaß machte zu Unterhaltungszwecken zu schreiben.

Was hat Sie beeinflusst Schriftstellerin zu werden?

Ich denke das war das Lesen ganz generell. Außerdem hatte ich schon immer eine sehr rege und überbordende Fantasie, die mich manchmal auch in Schwierigkeiten brachte. Diese zwei Dinge haben dazu geführt, dass ich selbst schreiben wollte und es war auch das einzige, in dem ich ganz in Ordnung war. Ich bin schrecklich in Sport und eine Katastrophe in Mathe.

Welchen Rat würden Sie jemandem geben, der selbst auch Schriftsteller werden möchte?

Das ist eine schwierige Frage. Ich weiß die Antwort nicht, um ehrlich zu sein. Es ändert sich alles so schnell, so dass ich wirklich nicht weiß, welchen konkreten Tipp ich geben sollte, außer: Sei mit Liebe dabei, ob es sich finanziell lohnt oder nicht. Tu es für dich. Sei geduldig. Sei unverwüstlich. Sei hartnäckig. Es ist ein hartes Business, aber letztlich sind das alle. Man ist, wie in allen öffentlichen Berufen mit viel Kritik, Zurückweisung und weiterer Zurückweisung konfrontiert. Früher habe ich immer gesagt, man solle zuerst eine gute Grundlage haben, also zum Beispiel mit Journalismus beginnen, aber auch dieser Rat ist nicht mehr zutreffend. Es gibt kaum noch Arbeitsstellen im Journalismus- Bereich. Ich schreibe Features für mehrere Zeitungen, aber das tue ich nicht wegen des Geldes, denn die Bezahlung ist mies. Im College habe ich mehr verdient (ehrlich!). Ich mache das, weil ich es liebe diese Geschichten zu schreiben und ich es vermisse für eine Zeitung zu arbeiten. Aber davon könnte ich nie leben, dazu sind die Zeitungshonorare einfach zu niedrig.

Die Idee zu Spooky little girl kam zu Ihnen, als in beim Zahnarzt waren. Wie lang hat es von der Idee zum Buch gedauert?

Das waren fast zwei Jahre. Es war eine tolle Geschichte, sehr traurig, sehr fesselnd, aber ich musste mir überlegen, wie ich die Geschichte in einen Roman verwandeln konnte.  Es dauerte ein Jahr einen groben Entwurf zu erstellen und die verschiedenen  Aspekte der Geschichte herauszuarbeiten. Ich wollte aus dem Stoff sowohl eine Mystery-, Liebes -und Gespenstergeschichte machen, außerdem sollte es eine Komödie sein. Es war ein bisschen wie einen Teppich zu weben, oder ein Puzzle zusammenzusetzen. Alle Teile müssen am richtigen Platz sein, sonst fällt die Geschichte auseinander. Und dann brauchte es etwa ein Jahr die Geschichte niederzuschreiben. Ich hatte viel Spaß beim Schreiben, ich habe es geliebt.

Die Beziehung zwischen der Protagonistin Lucy und ihrem Hund Tulip ist sehr süß und bewegend beschrieben. Diente Ihr Hund als Vorbild für Tulip?

Ich denke, dass meine Liebe für meinen Hund so ziemlich die gleiche ist, die Lucy für Tulip empfindet. Aber mein Hund ist nicht Tulip. Meiner ist sehr lebhafz und hat einen etwas durchgeknallten Charakter. Sie kann in einem Moment völlig ausrasten und im nächsten ist sie wieder wahnsinnig brav. Sie ist sehr eigen. Tulip dagegen ist einfach süß, liebend und vertauensvoll. Darin ist sie Lucy ziemlich ähnlich. Somit ist sie fast so etwas wie die Hundeversion von Lucy. Lucy ist unsicher, wie ihr Leben weitergehen wird, daher lässt sie Tulip bei ihrem Ex-Verlobten. Da bin ich viel unbesonnener- ich hätte auf jeden Fall meinen Hund mitgenommen!

Die Geschichte von Lucy, dem Geist, ist sehr emotional, lustig und dabei sehr tiefgründig. Was meinen Sie ist Lucys Botschaft an den Leser?

Obwohl Lucy so viele Menschen hatte, die sie liebten, konnte sie dennoch einfach so verschwinden und diese Menschen fanden erst etwa ein Jahr später heraus, dass sie gestorben ist. Gerade weil Lucys Geschichte zu großen Teilen auf wahren Begebenheiten beruht, hat mich das sehr verwundert, wenn nicht gar geschockt. Das hat mir gezeigt, wie zerbrechlich Beziehungen und Freundschaften wirklich sind, und dass unter den „richtigen“ Umständen, auch uns Ähnliches wiederfahren könnte. Daher denke ich, dass die offensichtlichste Botschaft wäre, keine losen Enden zu haben. Wenn es etwas gibt, das geregelt werden muss, regle es. Die Menschen nehmen ihre Zeit auf Erden als selbstverständlich hin, dabei ist sie sehr vergänglich. Obwohl es schwierig ist mit dem Wissen zu leben, dass unsere Existenz ziemlich zerbrechlich ist, denke ich, es ist eine gute Sache, sich ab und zu daran zu erinnern und die Dinge wieder ins Lot zu bringen, die gerade etwas schief laufen.

Der Deutsche Untertitel von Spooky little girl ist „Ein Geist zum Verlieben“. Ich denke nicht, dass das Lucys Situation richtig beschreibt und den Leser ziemlich in die Irre führen kann. Wie sehen Sie das?

Na ja, das ist nicht der Titel, den ich gewählt hätte. Aber ich muss dem Verlag vertrauen, dass wenn er den Titel ändert, das zu Gunsten des Buches ist. „Spooky little girl“ war der Name eines Ende der 60er Jahre sehr beliebten Liedes und meinem Freund Dave fiel der Name ein. Das war lange bevor das Buch geschrieben wurde.   Und obwohl ich sagen würde, dass der Untertitel nicht die richtige Sicht auf das Buch vermittelt, so hoffe ich auf eden Fall, dass sich der Leser etwas in Lucy verliebt oder sie wenigstens sehr sympathisch findet.

Ihr neues Buch  Weg da, das ist mein Fettnäpfchen wurde in Deutschland im September veröffentlicht. Es ist eine Sammlung lustiger Geschichten, die Ihnen passiert sind, als Sie in eine Kleinstadt zogen. Können Sie ein bisschen mehr dazu sagen?

Weg da, das ist mein Fettnäpfchen versammelt meine Lieblingsessays. Ich hatte wirklich Glück, denn zwischen dem letzten Buch und diesem sind wirklich schreckliche Dinge passiert. Ich mag es sehr, wenn ich gutes Material habe, mit dem ich arbeiten kann. In diesem Buch werde ich bei Partys rausgeworfen, Bäume werden aus meinem Garten gestohlen und ich nehme meinen Neffen mit in den Urlaub. Es stellt sich heraus, dass ich eine schreckliche „Ferienvertretungs-Mutter“ bin und in fast in ein furchtbares Verbrechen mit hineinziehe. Aber das ist grandioses Material für mich. Wenn genug Zeit vergangen ist, ist das alles auch lustig. Das hoffe ich jedenfalls! Meine Mutter fand das Buch sehr erschütternd und hat beschlossen nach der Hälfte des Buches abzubrechen. Das ist ein bisschen schade, denn gegen Ende habe ich auch einige sehr nette Dinge über sie geschrieben, aber ich konnte sie nicht überzeugen weiterzulesen.

Wird es auch einen weiteren Roman von Ihnen geben? Vielleicht wieder mit übernatürlichen Elementen?

Ich hoffe das sehr. Ich habe eine tolle Idee, sie ist ein wenig übernatürlich, aber nicht zu verrückt-vielleicht ein bisschen Zeitreise. Und Schwindlereien.  Es wäre toll, über den Stoff zu schreiben. Ich habe gerade meinen Verleger überzeugt, dass wir das Buch machen müssen. In der Zwischenzeit habe ich gerade ein Buch fertig gestellt. Es heißt  The Potty Mouth at the Table und enthält wieder eine Sammlung von Essays. In den USA wird es im May erscheinen.

Vielen Dank für das Interview!

Wer genaueres zu „Spooky little girl“ erfahren möchte, kann sich hier die Rezension ansehen.

 

 

 

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