„Manchmal ist man glücklich, ohne zu denken“ lautet ein bewegendes Zitat des Autors Yasunari Kawabata. Er ist der erste Japaner, der 1968 für sein schriftstellerischen Werkes den Nobelpreis für Literatur bekommen hat. Am 11. Juni hätte er seinen 113. Geburtstag begehen können. Unwahrscheinlich, aber doch nicht auszuschließen, wenn man bedenkt, dass er durch seine eigene Hand aus dem Leben geschieden ist.
In Osaka wird Kawabata 1899 in eine wohlhabende Familie geboren. Schon in jungen Jahren muss er mit zahlreichen Schicksalsschlägen in der Familie umgehen lernen. Sein Vater Eikichi Kawabata ist Arzt, der sich selber aber ebenso mit Literatur und Malerei beschäftigt. Als der Sohn zwei Jahre alt ist, stirbt er an Tuberkulose. Ein Jahr später ebenso die Mutter. Ab diesem Zeitpunkt wächst er bei seinen Großeltern auf. Die Großmutter stirbt dann als er sieben ist und seine einzige Schwester als er neun ist. Einer normale Kindheit wir ihm so genommen und später wird er oft sagen, dass er damals kennengelernt hat, einsam und wurzellos zu sein – ein Kind „ohne zu Hause oder Familie“. In diesen frühen Traumatas wird oft der Hintergrund für die seine Werk beherrschenden Themen gesehen: Verlorenheit und Bedauern.
Als er 1915 auch noch seinen Großvater verliert, geht er auf ein Internat, bis er 1917 ein Studium beginnt. Sein Großvater wünschte sich, dass er Kunstmaler wird, weshalb er früh Techniken der Bildenden Kunst erlernt. Später führte es dazu, dass seinen Kalligraphie-Künsten viel Beachtung geschenkt wird, entscheiden tut er sich letztendlich doch für die Literatur. Ab 1920 bis 1924 studiert er in Tokio Anglistik und japanische Literatur. In dieser Zeit wird er seine ersten literarischen Versuche unternehmen, von denen einige in der von ihm mitbegründeten Zeitschrift „Shinshiso“ veröffentlicht werden. Seine Arbeiten sind beeinflusst von der europäischen Literaturavantgarde dieser Zeit, die ihn sehr interessiert. Ausschlagebend für sein weiteres Werk wird der Anschluss an die Autorengruppe um die Zeitschrift „Bungai Jadei“ im Jahr 1924, die japanische Traditionen und Formen mit Elementen westlichen Expressionismus zu verbinden sucht.
Aufmerksamkeit erhält erstmals 1925 mit „Die Tänzerin von Izu“. Eine lyrische Erzählung über die Liebe eines Schülers zu einer Tänzerin in der Welt der Tanzmädchen und Geishas. Viele seiner Erzählungen und Romane erscheinen zunächst in Zeitschriften als Fortsetzungsgeschichten. Im Gegensatz zu klassischen Fortsetzungsromanen, wo nachträglich ein Handlungsverlauf in die Zäsuren eingeführt wird, verzichtet er darauf. Dadurch entstehen Kompostionen aus locker aneinander gereihte Szenen und Impressionen.
Im Jahr 1931 heiratet Kawabata und zieht in die Samurai Hauptstadt Kamakura, während er seine Winter in Zushi verbringt. Den Zweiten Weltkrieg übersteht er unbeschadet. Danach wird er zu einer der Hoffnungen der erstarkten japanischen Literaturszene.
Kurz nach dem Krieg veröffentlicht Kawabata seine wohl erfolgreichste Novelle „Schneeland“. Eine tragische Geschichte über die Liebe eines Geschäftsmanns aus Tokyo zu einer Geisha aus dem verschneiten Nordjapan. Ein Spiegelbild für die typische Schilderung von Gefühlen und Naturerscheinungen in seinem Werk gegenüber der klassischen Darstellung der Handlung.
In den 1950er und 1960er Jahren entstehen einiger seiner interessantestes Werke. Da wäre der Kurzroman „Tausend Kraniche“ (1951), die Erzählung „Der Mond auf dem Wasser“ (1953) und der Roman „Ein Kirschbaum im Winter“ (1954). Im darauffolgenden Jahrzehnt eichnen ihn vor allem folgende Romane aus: „Die schlafenden Schönen“ (1960/61), „Schönheit und Trauer“ (1961) und „Kyoto oder die jungen Liebenden in der Kaiserstadt“ (1962), um einen kurzen Einblick in sein umfangreiches Werk zu geben.
In den späten 1950er Jahren erhält Kawabata auch internationale Anerkennung. So kann er in den frühen 1960er Jahren eine ausgedehnte Reise durch die USA unternehmen und hält dort Vorträge an Universitäten. Außerdem ist er jahrelang der Präsident des japanischen PEN-Zentrums.
Die Nobelpreisjury entscheidet sich unter anderem wegen „seiner Erzählkunst, die mit feinem Gefühl japanisches Wesen und dessen Eigenart ausdrückt“ ihm den Preis 1968 zu verleihen. Zu diesem Zeitpunkt gilt Kawabata schon als einer der wichtigsten modernen Autoren der Welt. Bei seiner Annahme des Preises erklärte Kawabata, dass er in seinem Werk versucht den Tod zu verschönern und nach der Harmonie zwischen Mensch, Natur und Leere sucht. Seit 1974 verleiht die Yasunari-Kawabata-Gedenkstiftung den Yasunari Kawabata-Literaturpreis auf Grundlage seines Preisgeldes. Vornehmlich Kurzgeschichten und Erzählungen werden ausgezeichnet.
Am 16. April 1972 entscheidet sich Yasunari Kawabata aus dem Leben zu scheiden. Er hinterlässt keinen Abschiedsbrief. Auf dfem Tisch in der Wohnung befindet sich ein Gedicht der japanischen Dichterin Kanoko Okamoto: „Wuchs auch tiefer Jahr um Jahr die Taruer noch, war er doch um so herrlicher ein Leben.“
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