Oskar Roehler hat für seinen Film DIE UNBERÜHRBARE 2000 große Anerkennung bekommen. In Schwarz-Weiß beschreibt er die letzten Lebensjahre seiner Mutter Gisela Elsner, dargestellt durch Hannelore Elsner. 2011 veröffentlicht er seinen ersten Roman HERKUNFT, die Geschichte einer Familie über drei Generationen in der Bundesrepublik. Am 14. Februar 2013 startet nun die Verfilmung mit dem Titel QUELLEN DES LEBENS in den deutschen Kinos – Regisseur ist Oskar Roehler.
QUELLEN DES LEBENS ist nicht die Geschichte irgendeiner Familie, die besonders heraussticht aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, die Roehler hier erzählt. Es ist vor allem eins: Es ist nahezu deckend die Geschichte seiner Familie und damit seine Eigene. Schonungslos, ehrlich und auch zornig zeichnet er damit aber auch die Geschichte der Bundesrepublik nach. Buch und Film berühren, erstaunen und zeigen uns unsere Wurzeln in der Nachkriegsgeneration. Das Buch reißt einen mit beim Lesen – nicht nur wegen seines beeindruckenden Inhalts, sondern vor allem wegen seiner wunderbaren Poetik. Auf fast 600 Seiten schafft es Roehler das Sittengemälde eines ganzen Landes mit seinen Höhen und Tiefen zu zeichnen. Es ist aber vor allem auch die Leidensgeschichte des Ich-Erzählers: einer gequälten, gedemütigten Seele auf der Suche nach sich selbst. 2011 ist HERKUNFT beim Ullstein Verlag als Hardcover erschienen, passend zum Kinostart kommt es in einer Neuauflage als Paperback heraus. Egal, ob die Verfilmung zuerst geschaut wird oder nach der Lektüre: Diese Reise durch drei Generationen der Bundesrepublik sollten sich Literaturliebhaber nicht entgehen werden.
QUELLEN DES LEBENS zieht einen biografischen Bogen von den miefigen Nachkriegsjahren bis hin zu den späten 1970er Jahre. Beim Kinobesuch muss Zeit mitgebracht werden: Immerhin fast drei Stunden dauert die Geschichte um die drei Generationen einer Familie in der Bundesrepublik. Angefangen mit der Generation der Alten- der Kriegsheimkehrer übergehend in die Generation der Kinder und Kindeskinder. Alle mit ihren ganz eigenen Problemen, Sorgen, Hoffnungen und unerfüllten Träumen. Zugleich die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, von den braunen über die schwarzen und über die roten bis zu den Flower Power Zeiten. Die Rollen besetzt mit einem beeindruckenden Who‘s who an bekannten den deutschen Schauspielerinnen und Schauspielerinnen, die ihre Charakter fantastisch ausfüllen und der Literaturvorlage ihr filmisches Gesicht geben: Jürgen Vogel, Meret Becker, Moritz Bleibtreu, Lavinia Wilson, Lisa Smit, Leonard Scheicher, Kostja Ullmann, Sonja Kirchberger, Wilson Gonzalez Ochsenknecht und vielen anderen mehr.
Die epochale Familiengeschichte in wenigen Worten
Die Rückkehr von Roberts Großvater Erich aus der Kriegsgefangenschaft löst bei seiner Familie in der fränkischen Provinz der 1950er Jahre nicht nur Freude aus. Niemand hat mehr mit seiner Ankunft gerechnet. Schon bald aber wird er mit seiner Gartenzwerg-Fabrik ein Teil des deutschen Wirtschaftswunders. Sohn Klaus wiederum, literarisch eher mäßig begabt, träumt während des gesellschaftlichen Umbruchs der 60er Jahre von einer Schriftstellerkarriere. Er verliebt sich in die hochtalentierte und aus wohlhabendem Elternhaus stammende Gisela, die wiederum zu einer bedeutenden Schriftstellerin wird. Ihr gemeinsames Kind Robert will dabei nicht so recht in die Pläne und Träume der 68er Bohème, und so schicken die Eltern den kleinen Robert auf eine lange Odyssee durch die eigene Familie und in die unterschiedlichsten Orte der Republik. Sie ist erst zu Ende, als Robert als junger Erwachsener seine große Jugendliebe wiederfindet.
Der melancholisch-ironische Familienepos QUELLEN DES LEBENS von Oskar Roehler entstand parallel zu seinem autobiographischen Roman HERKUNFT und entführt den Zuschauer in sinnlichen Bildern in ein Westdeutschland, dass es so nicht mehr gibt, zwischen Gartenzwerg, Käseigel und Italienreise. QUELLEN DES LEBENS zeigt, wie wir wurden, was wir sind.
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