»Wer ist Don Winslow«?,
denken wohl viele.
Tja, Don Winslow ist derzeitig wohl der Thrillerautor schlechthin. Sozusagen der Michael ‘Air‘ Jordan der Crime Sektion oder der Bobby Fischer des Genres Hard Boiled.
Winslow wurde 1953 (in der Nacht zu Halloween) in New York City geboren. Entgegen vielen anderen Autoren ist Don Winslow da nicht mal eben so in den Autorenjob „reingerutscht“, sondern wollte schon seit frühster Kindheit Autor werden.
Die Geschichten des Vaters (war bei der Marine) und der Umstand, dass seine Großmutter Ende der 60er Jahre für den Mafiaboss Carlos Marcello gearbeitet hat, spiegeln sich thematisch in den Werken des Autors wieder:
Bandenkriege, Drogen, Gewalt und Mord gehören zur Tagesordnung in den Thrillern von Winslow.
Bevor es mit dem Schreiben klappte, war Winslow als Kinobetreiber, Fremdenführer auf afrikanischen Safaris oder chinesischen Teerouten, als Unternehmensberater und dazwischen auch als Privatdetektiv tätig.
So facettenreich seine bisherige berufliche Laufbahn war, so beharrlich schreibt Winslow auch an seinen Büchern.
Er schreibt immer an mindestens zwei Büchern gleichzeitig, steht morgens um 5 Uhr auf, schreibt dann bis in den Nachmittag hinein, reißt sieben Meilen ab und denkt dabei über seine verschiedenen Stories nach. Winslow selbst hat dazu einmal gesagt, dass ihn dies beinahe das Leben gekostet hätte. Als er gerade gedanklich in irgendeinen seiner Bücher war, wäre er beinahe eine Schlucht runtergejoggt.
Diese manische Schreiberei ist für Don Winslow eine Sucht und wohl nicht unbedingt die schlechteste Suchtform.
Der »geile« Lesestoff von Don Winslow: »Pacific Private«
Inhalt: Die Dawn Patrol ist eine Gruppe von Surfern, die den perfekten Wellen nachjagt und sich jeden Morgen trifft, um zusammen die Wellen zu bezwingen. An den kalifornischen Stränden gibt es jedoch nicht nur Wellen. Boone Daniels ist Privatermittler und muss sich mit den Schatten aus seiner Vergangenheit auseinandersetzen und das genau in dem Moment, als die Riesenbrecher auf Pacific Beach zurollen. Das Highlight für jeden Surfer. Doch anstatt die Wellen zu reiten, muss sich Daniels mit Korruption, Leichen und einer Spirale aus Gewalt auseinandersetzen, die vor nichts halt macht. Daneben gilt es noch eine vermisste Prostituierte zu finden, ein Schönheitschirurg, der nicht koscher ist, Dealer und Mordanschläge. »Pacific Private« ist ein grundsolider Thriller, der nicht nur spannend ist, sondern einen sommerlichen Flair versprüht, dass man am liebsten selbst zum Surfbrett greifen würde und ein paar Wellen jagen will.
Meinung: Winslow beschreibt atmosphärisch dicht die Surferwelt Kaliforniens, die Träume, denen Surfer nachhängen. Dabei spielen sowohl die Beziehungen untereinander, als auch die Lebensweise der California People eine erhebliche Rolle.
Die Antagonisten sind sind klar und klassisch gezeichnet und dennoch sind sie nicht durchweg unsympathisch beschrieben. Man kann nachvollziehen, wer warum so handelt und welche Motive dahinterstecken.
Letztlich ein wirklich guter Urlaubsthriller.
»Die Sprache des Feuers«
Inhalt: Jack Wade ist der beste auf seinem Gebiet. Bei der Versicherung »California Fire & Life« geht ein Fall ein, der Wade sein ganzen Können abverlangt. Nachdem er bei der Polizei rausgeflogen ist, weil er einen Zeugen decken und vor einer Ermordung schützen wollte (er wurde verpfiffen), arbeitet Wade jetzt bei der Versicherung.
Das Anwesen von Nicky Vale, seines Zeichens unsympathischer Immobilienmogul, ist abgebrannt, mitsamt seiner Ehefrau Pamela.
Die nicht unerhebliche Schadenssumme für Frau Pamela und das abgefackelte Anwesen beträgt mehrere Millionen Dollar und Wade ist von der Erklärung »zu viel Wodka und eine Zigarette« nicht sonderlich überzeugt. Und Jack Wade erkennt schnell, dass die Sprache des Feuers schnell tödlich werden kann.
Meinung: Ob natürliche Brandenstehung oder Brandstiftung, alles wird erklärt.
Daneben sind ist der Fall klassisch aufgebaut. Held findet kriminelles Problem, versucht es zu lösen und gerät dabei in Gefahr. Doch wie das hier geschieht ist wirklich klasse gemacht und gelöst. Alleine die Brände, das Feuer an sich, wird wunderbar erklärt und der Leser wird zum pyromanischen Leser/ Experten, der fasziniert die Worte liest, die sich in sein Hirn einbrennen. Ob Spannung oder gewaltige Wortkombination, Winslow brennt hier alles ab.
Deutscher Krimipreis 2011: »Tage der Toten«
Inhalt: Der unbeschönigte mexikanische Drogenkrieg zeigt sich Art Keller, Drogenfahnder, jeden Tag. Doch als sein Mitarbeiter von einem Kartell brutal aus dem Weg geräumt wird, wird aus dem »Kriegsjob« ein privater Rachefeldzug.
Der Drogenepos erstreckt sich über dreißig Jahre, hinterlässt eine Schneise aus Brutalität, Drogen und Mord quer durch die USA, Mittelamerika und Mexiko.
Sechs lange Jahre hat Winslow für diesen Roman recherchiert und dabei nicht nur mit Opfern geredet, sondern auch Täter kennengelernt und einen Roman geschaffen, der einen mitten in den blutigsten aller Kriege treibt: Dem mexikanischen Drogenkrieg. Und dann eskaliert alles völlig.
Meinung: Man kann ja darüber streiten, ob das jetzt totaler Splatter ist, oder nicht. Aber eines ist es: verdammt nahe an der Realität. Wer sich einige Berichte über den aussichtslosen Kampf der USA gegen die Drogenkartelle durchgelesen hat, der kann in etwa erahnen, was da wirklich abgeht. Und was da abgeht, das zeigt Winslow hier ziemlich deutlich.
Sprachlich versteht es Winslow den Leser hier einen Buchfilm zu offenbaren, der die verstörende Thematik, ohne Humor, dem Leser zeigt.
Neben den verschiedenen mafiaähnlichen Clans, Folter und Mord, zeigt sich letztlich auch eines: Extremer Stoff, der extrem gut umgesetzt wurde.
Deutscher Krimipreis 2012: »Zeit des Zorns (Savages)«
Inhalt: Wenn Oliver Stone dein Buch verfilmt, dann hast du eine Menge richtig gemacht. Wenn sich dann noch Stars wie John Travolta um eine Rolle reißen, dann hast du nicht nur eine Menge, sondern alles richtig gemacht.
»Zeit des Zorns« ist die Geschichte von Chon, Ben und O(phelia). Und die Geschichte von DEM Gras schlechthin.
Dieses Triumvirat des Erfolges, zeichnet sich vor allem durch die Unterschiedlichkeiten aus. Während Chon ihnen den Ärger vom Hals hält, investiert Ben in Hilfsorganisationen und O? O setzt den theoretischen Wirtschaftskreislauf praktisch in Schwung (Shopping). Ein Dreiecksbeziehung aus Liebe und Erfolg. Doch der Erfolg wird getrübt:
Das mexikanische Baja-Kartell findet es ganz und gar nicht lustig, dass die drei
- Hydrodope verticken
- erfolgreich sind
- das Kartell selbst nicht so geiles Dope hat,
- dafür aber die drei das geile Zeug, haben.
Was macht man da? Richtig gewaltigen, blutigen Ärger.
Meinung: Der Stil: Wahnsinnig gut.
Die Umsetzung: Wirklich sprachlich stark und die Charaktere kommen einem oftmals seltsam bekannt vor, auch wenn man nicht benennen kann woher.
Der dunkle Beat des Buches, vermischt mit einem Stakkato-Stil, Drehbuchanweisungen, Kapitel, von ungeheurer Kürze und derbst guten Dialogen, bomben dem Leser förmlich in das Hirn. Lesedope schlechthin!
»Kings of Cool«
Das Prequel zu »Zeit des Zorns.« Der Beginn dieser verfahrenen Story.
Anfangs denkt man, dass man da wieder »Zeit des Zorns« liest. Doch das samtige Cover, in kontrastierten schwarz und weiß, mit schwarzen Seitenrändern überzeugt einen dann doch, dass es das coole Königsbuch ist. Und auch die Story überzeugt nach den ersten Seiten.
An sich ist diese recht simpel gehalten:
Chon, Ben und O sind wieder mit von der Partie (alles andere bei einem Prequel wäre ja auch selten dämlich).
Es wird wie schon in »Zeit des Zorns« gemordet, gebumst, gedealt, gerächt und neben den Anfängen des Drogengeschäfts, kommen auch noch die Vergangenheit der eigenen Familien, den Anfängen des Dopedeals bei den Surfern, neoliberalistische Kälte zur Zeit Reagens und und und… .
Um was geht es? Die California boys, zusammen mit O, bringen das Superdope unter die Leute, doch das ruft die Cops und die Drogenmafia auf den Plan.
Während Chon zu den Navy Seals zurück muss, versucht Ben die Katastrophe zu verhindern und er beginnt die Parteien auszuspielen. Ein Spiel, das so riskant, wie tödlich ist.
Dabei findet der Rückblick in die Vergangenheit der einzelnen Familien statt: Etwas Dope verticken, Hippies und den Aufbau des Untergrunds von Laguna Beach. Die beinahe vierzig Jahre im Buch, werden hierbei immer stärker mit der Geschichte von Laguna Beach 2005 verwoben. Am Ende hat man ein Spinnennetz aus Intrigen, Mord und Gewalt.
Stil: Stilistisch nehmen sich »Zeit des Zorns« und »Kings of Cool« kaum etwas. Der Stil an sich ist aber sehr speziell. Neben den extrem kurzen Kapiteln, Drehbuchbeschreibungen, minimalistischen Sätze, Wörter die nur rausgehauen werden, schafft es Winslow die Sprache sehr hart und direkt klingen zu lassen. Alle Protagonisten kommen auf den Punkt. Anstatt lange um das heiße Dope zu reden, haut Winslow es direkt raus.
Man kann über das Buch schreiben, was man will. Ob „zweiter Aufguss, Abklatsch pi pa po“. Dennoch bleibt Kings of Cool eine eigenständige Geschichte, die letztlich im selben fiktiven Universum wie »Zeit des Zorns« spielt. Der Grundtenor bleibt der Kampf um die Drogen, der Stil ist identisch, was die einzigen Gemeinsamkeiten sind.
»Kings of Cool« ist einfach nur cool. Mehr muss man darüber nicht sagen, das sagt schon alles aus. Absoluteres must have für diejenigen, die auf Thriller, harte Kost und einen außergewöhnlichen Stil stehen. Weedstock für jeden Fan.
Und noch eine gute Nachricht zum Schluss:
Der neue Thrill von Don Winslow, Glamour erscheint am 20.05.2013 in den heimischen Buchläden und darum geht’s (Quelle: www.Suhrkamp.de):
Weihnachten 1958 in New York: Die künftige First Lady und ihr Mann halten Hof in der Stadt, beglücken die Presse und beleben die Partylandschaft. Für ihre Sicherheit ist Walter Withers verantwortlich. Der Ex-CIA-Mann blickt tiefer hinter die Kulissen des Traumpaars, als ihm lieb ist – und findet sich bald im Zentrum einer Verschwörung wieder …
Walter Withers kündigt seinen einträglichen Job bei der CIA und kehrt als Personenschützer aus Schweden zurück in seine Herzensstadt New York. Es ist Weihnachten 1958, ein gutes Jahr vor der nächsten Präsidentschaftswahl gilt der junge Senator Joe Keneally als heißester Anwärter der Demokraten auf den Posten. Ihn und seine Frau Madeleine soll Withers während ihres Aufenthalts in New York beschützen. Er kommt ihnen so nahe wie kaum ein anderer, flaniert mit ihnen über den Broadway, trifft auf Beat-Poeten und die High Society der Stadt, ist von Stars und Sternchen umgeben. Bis Marta Marlund tot in Withers’ Hotelzimmer gefunden wird – und er alle Hände voll zu tun hat, seine Unschuld zu beweisen …












One Comment on "Don Winslow – Geiler Autor – Coole Bücher"
Trackbacks for this post