Die norwegische Autorin Sigrid Undset wäre am 20. Mai 2012 130 Jahre alt geworden. Bekannt ist sie im deutschsprachigen Raum vor allem durch ihren historischen Roman „Kristin Lavranstochter“ sowie dem Gegenwartsroman „Jenny“. 1928 erhielt sie den Literaturnobelpreis. Wir erinnern an eine große Autorin.
Viele Romane und Erzählungen von Sigrid Undset wurden ins Deutsche übersetzt, jedoch ist es meist der historische Roman um „Kristin Lavranstochter“, der mit dieser Autorin in Verbindung gebracht wird. Sie erzählt in drei Bänden die Geschichte der Großbauerntochter Kristin. Von ihrer Kindheit bis hin ins hohe Alter beschreibt Sigrid Undset darin die Welt des 13. Jahrhunderts mit allen gesellschaftlichen und moralischen Normen, Glaubenskonflikten und die Rolle der Frau. Für die „kraftvollen Schilderungen des Lebens im nordischen Mittelalter“ wurde sie 1928 mit dem Literaturnobelpreis geehrt.
Krisen und Lebensschicksale als Inspiration
Sigrid Undset verarbeitet in ihren Romanen vor allem Themen, die ihre eigene Gegenwart prägten und bestimmten: Religiosität, Emanzipation der Frau und die europäische Krise Ende des 19. Jahrhunderts und Beginn des 20. Jahrhunderts.
Sie war 17 Jahre alt, als sie ihre Stelle bei der norwegischen Niederlassung der AEG antrat. Als Sekretärin fühlte sie sich bald als „Bürosklavin“ und ließ sich durch die Schicksale ihrer Kolleginnen zu ihrem ersten Roman inspirieren. Dieser wurde allerdings abgelehnt, da er nicht modern genug war und im Mittelalter spielt. Sigrid Undset war wütend, gab aber das Schreiben nicht so schnell auf. 1907 veröffentlichte sie „Frau Marta Oulie“ und sorgte mit ihrem ersten Satz „Ich habe meinen Mann betrogen.“ für einen Skandal. Zudem begann ihre Hauptfigur eine außereheliche Affäre – unschicklich in dieser Zeit! Auch die folgenden Romane und Erzählungen stellen die romantischen Vorstellungen von Liebe und Partnerschaft in den krassen Kontrast der Realität.
1911 kam der Durchbruch mit dem tragischen Roman „Jenny“, in dem eine erfolgreiche Malerin die Liebe sucht und sie an den falschen Ecken findet. Eigene Erfahrungen und Erlebnisse verarbeitete Sigrid Undset, die sich wie ihre Hauptfigur auch, einige Zeit in Rom aufhielt und dort ihren späteren Ehemann, den norwegischen Maler Anders Castus Svarstad, traf. Das Paar bekam drei Kinder, zwei Söhne, die Tochter war geistig behindert. Zu Beginn der 1920er zerbrach die Ehe. 1924 konvertierte Sigrid Undset zum Katholizismus, was im protestantischen Norwegen wieder für einen großen Skandal sorgte.
Sigrid Undset: Eine Autorin geht ihren Weg
Auf dem Anwesen Bjerkebæk im nahegelegenen Lillehammer zog Sigrid Undset ihre Kinder alleine groß und arbeitete erfolgreich an ihren Romanen, darunter nun auch die historischen Romane, die das Publikum jetzt mit Freuden aufnahm. Vor allem ihre überzeugende Sachkenntnis, das sensible Einfühlungsvermögen in ihre Figuren und authentischen Beobachtungen ihres Umfeldes machen Sigrid Undset zu einer herausragenden Autorin. Besonders die Fähigkeit, ihren Erzählstil sowie den Inhalt ihrer Romane und Erzählungen, die sie mit den altnordischen Literaturtraditionen und moderner Prosa harmonisch verbindet, wird bei Kritikern stets lobend betont.
1940 musste Sigrid Undset ihre Arbeit vorerst aufgeben. Als aktives Mitglied im Widerstand gegen Hitler und die Nazis, musste sie aus Norwegen fliehen. Bis zum Kriegsende bliebt sie in den USA und kehrte dann in ihre Heimat zurück. 1949 starb sie in Mesnali, einem Dorf nur wenige Kilometer entfernt von Lillehammer. Dort können Literaturbegeisterte das Grab von Sigrid Undset besichtigen.






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