Zum 100.Todestag von Karl May

Karl May; Urheber Erwin Raup

Indianer, Cowboys und Wüstensöhne – Karl May kennt sie alle. Sie spielen die Hauptrolle in seinen über 35 Werken. Die grünen Bände mit goldener Schrift prägen Bibliothekslandschaften oder das private Bücherregal und manch einer erinnert sich noch an die sonntäglichen Ausstrahlungen der Winnetou-Filme im Fernsehen oder die Hörspiele, denen man mit Spannung lauschte.

Am 30. März 1912 starb Karl Friedrich May im sächsischen Radebeul, wo er viele Jahre seines Lebens verbrachte. Besonders im Jahr 2012 ist das Interesse an seiner Person groß. Dabei könnte man meinen, seine Abenteuerromane seien längst von “Harry Potter” und “Twilight” überholt. Fehlanzeige! Karl May gehört auch heute noch zu den meist gelesenen deutschsprachigen Autoren, seine Bücher erreichen eine Auflage von 100 Millionen im deutschsprachigen Raum, erklärte der Leiter des Karl-May-Verlags Bernhard Schmid. Davon können selbst Goethe, Hesse und Schiller nur träumen. Zu den erfolgreichsten Werken zählen “Winnetou I”, “Der Schatz im Silbersee” und “Unter Geiern”. Allein der berühmteste Häuptling der Apachen geht jährlich 3.000 bis 4.000 Mal über den Ladentisch, so der Verlag. Auch international ist Karl May ein Renner. In 42 Sprachen wurde er bisher übersetzt, sogar Kurdisch und Albanisch ist dabei. Die weltweite Auflage liegt geschätzt bei 200 Millionen Büchern jährlich. Und das, obwohl Karl May mit dem Schreiben von Trivialliteratur begann.

Aber wo liegt genau die Faszination dieser Romane, wo doch Indianer und Cowboys von Vampiren, Dämonen und anderem mystischem Gelichter abgelöst wurden? Wobei hier zu bedenken ist, dass Karl May nicht nur von Jugendlichen gelesen wird, selbst Erwachsene lassen sich von Old Firehand und Old Surehand noch immer in den Bann schlagen.

Vielleicht ist es die Nostalgie und Abenteuerlust, die in diesen Büchern mitschwingt. Das Sichzurückdenken in den Wilden Westen, wo Männer noch echte Kerle waren und sich staubverdreckt Schießduelle zum High Noon lieferten oder mit Rothäuten paktierten. Abenteuer Wilder Westen oder Orient – bei Karl May erlebt jeder sie hautnah in seinem Kopf. Und dazu die üblichen literarischen Elemente für erfolgreiche Romane: mutige Helden, Freundschaft, Treue und Loyalität zwischen Blutsbrüdern, der gemeinsame Kampf gegen das Böse. Und nicht zu vergessen die lustigen Figuren, erinnern wir uns nur an Sam Hawkens, die schrullige Tante Droll und den abenteuerlustigen Lord Castlepool.

Faszinierend auch, wie Karl May den Wilden Westen zum Leben erweckt – ohne Amerika zu diesem Zeitpunkt überhaupt gesehen zu haben. Erst 1908 brach er zu einer sechswöchigen Rundreise auf, die ihn zu “Winnetou IV” inspirierte. Trotzdem gelang ihm eine realistische Darstellung der amerikanischen Ureinwohner, den Canyons, Greenhorns und Saloons. So verlieren die Romane Karl Mays auch nach seinem 100. Todestag nichts an Faszination und Beliebtheit bei den Lesern.

 

Mehr zu Karl May und seinem literarischen Schaffen gibt es in diesem ausführlichen Wikipedia-Artikel.

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