Murmel Clausen hat es endlich geschafft: Sein erster Roman “Frettsack” ist endlich erschienen. Zwar handelt es sich nicht um ein Fachbuch über Frettchenhaltung, wie der Einband vielleicht vermuten lassen würde, wir haben es aber trotzdem gelesen und unsere Meinung in eine Rezension verpackt. Aber nicht nur das. Murmel Clausen stand uns im Interview Rede und Antwort.
Lita.Com: Mit „Frettsack“ ist im Mai Dein Romandebüt erschienen. Was für ein Gefühl war das?
Murmel Clausen: Zunächst mal ein ganz neues. Bisher war es in der Regel so, dass ich etwas geschrieben und es aus der Hand gegeben habe, um dann ein halbes oder ein Jahr später den fertigen Film oder Sketch zu sehen. Das war dann immer die Interpretation von Regie, Ausstattung und Schauspielern – zum Glück war ich auch meistens sehr glücklich damit. Beim „Frettsack“ gab es bis auf zwei Tippfehler keine Überraschungen…
In Deinem Blog schreibst du, dass du regelmäßig Deinen Amazon-Rang checkst. Hat sich Dein Leben sonst durch Dein Buch in irgendeiner Form verändert?
Nein, eigentlich nicht. Natürlich sind die Lesungen etwas ganz Neues, aber die sind momentan noch eher selten. Auf lange Sicht kann das Buch aber der Grundstein für weitere Romane und Erzählungen sein. Ob und wie sich diese Arbeit dann auf mein Leben auswirken wird, kann ich nicht einschätzen. Ein Traum wäre es, etwas unabhängiger vom Film- und Fernsehgeschäft zu sein, um in Zukunft mehr mit meiner Frau Caren und meiner Tochter Charlotte reisen zu können.
Du hast vorher viel fürs Fernsehen gemacht, darunter die „bullyparade“ und „Ladykracher“, dann hast du am „Schuh des Manitu“ mitgeschrieben und mit Christian Tramitz zusammengearbeitet. Woher kam die Idee, einen eigenen Roman zu schreiben?
Eigentlich hatte ich schon vor Jahren beschlossen, irgendwann einen Roman zu schreiben. Eine Geschichte, bei der mir nicht Produzenten, Regisseure und Redakteure reinreden, sondern die ich von Anfang bis Ende so erzähle, wie ich mir das vorstelle. Das Problem war nur, dass ich dafür nie Zeit hatte, bis dann drei Fernsehprojekte weggebrochen sind und ich vor einem großen Problem stand: Ein leeres Konto und keine Aufträge. Dazu war meine Frau Caren schwanger. Ich hatte den Frettsack schon ein paar Monate vorher begonnen, aber weggesperrt, weil ich Angst davor hatte, die ersten 50 Seiten und das Exposé jemandem zu zeigen. Mir blieb dann aber keine andere Wahl – und es war tatsächlich innerhalb weniger Tage verkauft…
In „Frettsack“ hört Hauptfigur und Single Jens Fischer seine biologische Uhr ticken und überrascht mit dem Ausruf: „Ich will ein Kind von mir!“ Das kennen Leser ja aus den klassischen Frauenromanen. Was wolltest du damit zum Ausdruck bringen? Gibt es Männer mit Torschlusspanik?
Natürlich gibt es die. Vor allem, wenn man in einer funktionierenden Beziehung ist, bei der das mit dem Kind nicht funktionieren will. Bei meinem Protagonisten Jens fehlt allerdings auch die funktionierende Beziehung. Den Kinderwunsch hegt er im Stillen schon seit seiner Zeit als Skilehrer – durch seine überraschende Sterilisation steht er dann jedoch wieder ganz oben auf Jens’ Prioritätenliste.
Der Frettchenbiss tat schon allein beim Lesen weh. Hast Du selbst Erfahrungen mit Frettchen und der Frettchenzucht?
Nein, ich bin Hasenhalter. Und ich kann auch nicht erklären, warum Jens gerade von einem Frettchen kastriert werden musste. Die Idee war einfach da und klang derart einleuchtend, dass ich nie ein anderes Tier in Erwägung gezogen habe.
In „Frettsack“ tauchen allerhand skurrile Figuren auf, beispielsweise Hondo, der Balkanhüne oder Jens’ Mitbewohner Sven. Wie stark sind die von Deinem direkten Umfeld beeinflusst? Gab es Menschen, die dich zu diesen Figuren inspiriert haben?
Ich hatte in der Grundschule einen Freund, der ebenfalls Hondo hieß und dessen Eltern Jugoslawen waren. Mehr Parallelen gibt es zum Hondo im Buch aber nicht. Ich kann auch nicht aus einem eigenen Schatz an WG-Geschichten berichten, da ich lediglich ein Jahr in einer Wohngemeinschaft mit einer sehr netten, ordentlichen und unkomplizierten Mitbewohnerin verbracht habe. Sven ist einfach das „Worst of WG-Mitbewohner“, das ich mir vorstellen konnte.
Thema Samenbank: Selbst schon einmal dort gewesen?
Nur zur Recherche, Hand habe ich dort nicht an mich gelegt. Allerdings war ich in einer Praxis, in der nur Väter mit unerfülltem Kinderwunsch ihre Spermien abgeben, um sie untersuchen zu lassen. Ein Spenderzentrum habe ich noch nicht von Innen gesehen – es soll aber ziemlich genau so aussehen, wie ich es beschrieben habe. Nur dass die Untersuchungsstühle für Frauen in der Regel nicht in Richtung Tür stehen.
Du schreibst Sketche für Anke Engelke und Christian Tramitz. Woher holst Du die Ideen?
Bei Sketchen ist das Prinzip eigentlich immer dasselbe: Man sucht Alltagssituationen, um diese auf eine skurrile, überraschende Weise zu drehen oder zu überspitzen. Lustigerweise fällt es mir aber schwer für andere Sketch-Formate zu schreiben. Das sind dann solche Witzbuchsendungen wie Knallerfrauen oder Sechserpack, über die ich auch nicht lachen kann.
Ist es nicht anstrengend einen Beruf zu haben, wo man täglich lustig sein oder sich lustige Dinge einfallen lassen muss? Beeinflusst das Deinen Humor?
Es ist doch ein Privileg, jeden Tag lustig sein zu dürfen und damit auch noch genug Geld für den Unterhalt einer Familie zu verdienen. Wobei ich zugeben muss, dass ich inzwischen auch sehr viel Freude daran habe, wenn es nicht ganz so humorig zugehen muss.
Worüber lacht Murmel Clausen? Was für einen Humor bevorzugst Du privat?
Am meisten lache ich zur Zeit über Louie CK, einen amerikanischen Stand-up Comedian, der eine eigene Fernseh-Serie („Louie“) hat. Sein Humor ist unglaublich intelligent, offen und ehrlich. Larry David ist ebenfalls sensationell komisch, ich liebe die Aggressivität in seinen Serien („Seinfeld“, „Curb Your Enthusiasm“). Mir gefällt Humor, wenn er weh tut.
Welche Filme schaust Du gerne privat? Gibt es Lieblingsfilme?
Ich bevorzuge eigentlich Serien, und da auch Amerikanische. In den letzten Jahren waren das vor allem „Breaking Bad“, die erste Staffel „Prison Break“, „Lost“, die ersten Staffeln „Dexter“… Das ist eine Erzählkunst, mit der wir hier einfach nicht mithalten können. Es fehlen die Budgets, um entsprechende Autorenteams zusammen stellen zu können.
Mit wem möchtest Du gerne einmal zusammenarbeiten?
Da fällt mir spontan niemand ein. Es gibt so oder so nur einen sehr kleinen Kreis an Menschen, mit denen ich sehr gut arbeiten kann – wenn mir die erhalten bleiben, bin ich schon glücklich. Wobei… eine Zusammenarbeit mit Ralf Husmann wäre sicher mal sehr interessant.
Könntest Du Dir vorstellen auch etwas ernstes zu schreiben?
Das werde ich sicherlich irgendwann versuchen. Gerade im Drehbuchbereich drifte ich schon langsam von der Comedy ins Krimifach, wobei es mir sicherlich niemals gelingen wird, ein humorfreies Buch zu verfassen. Aber das bedeutet ja nicht, dass es nicht trotzdem ernsthaft sein kann.
Dein derzeitiges Lieblingsbuch ist…?
“Sand” von Wolfgang Herrndorf. Seine Art des Erzählens ist unglaublich sensibel, präzise und humorvoll, dass jede Seite des Buches ein Grund zur Freude ist.
Hast Du schon eine Idee für dein nächstes Projekt, Vielleicht eine Fortsetzung zu „Frettsack“?
Es ist in der Tat eine Fortsetzung angedacht, da das Ende von „Frettsack“ nach einer Katastrophe schreit. Was sich da angebahnt hat, kann auf lange Sicht nicht gut gehen – zumindest nicht mit den Charakteren. Vielleicht tröstet das die Leser, denen das Ende von „Frettsack“ etwas zu dick aufgetragen scheint.
Und zum Abschluss hast Du jetzt Gelegenheit Deinen Lesern irgendwas mitzuteilen.
Tja, viel mitzuteilen habe ich eigentlich gar nicht. Ich hoffe nur, dass Euch mein Roman gut unterhält und Ihr ihn Euren Freunden und Bekannten weiterempfehlen könnt. Falls Ihr aber noch irgendwelche Fragen an mich habt, schickt mir einfach eine Email – die Kontaktdaten findet Ihr unter murmelclausen.de
Ach, und Danke für Eure Zeit!
Danke! Das geben wir gerne zurück. Danke für dieses tolle Interview.
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