Kein anderer Autor machte die Science Fiction so salonfähig wie Ray Bradbury. Seine Endzeitvision “Fahrenheit 451″ zählt zu den Klassikern der Literatur, seine Mars-Chroniken begeisterten Millionen Leser. Am 05. Juni 2012 verstarb Ray Bradbury nach langer Krankheit in Los Angeles im Alter von 91 Jahren.
Der Schatten des Kalten Krieges
In den 1950er Jahren begann Ray Bradbury seine Autorenkarriere. Horror-, Science Fiction- und Fantasygeschichten gehörten zu seinem Repertoire. Seinen Durchbruch feierte er 1950 mit “Die Mars-Chroniken”. Thema des Buches: Die Besiedlung des Roten Planeten in den Jahren 1999 bis 2026. Die Begeisterung für dieses Buch ist noch immer ungebrochen, in über 30 Sprächen wurde es übersetzt.
Wie bei seinen Genrekollegen spiegeln sich auch in Ray Bradburys Werken die Ängste seiner Generation wider: Kalter Krieg, Fortschrittsglaube und die Eroberung des Weltalls mit seinen Folgen. Einflüsse früherer Science Fiction-Stories um Helden wie “Flash Gordon” oder “Buck Rogers” sind nicht von der Hand zu weisen, waren es doch sie, die Ray Bradbury schon in jungen Jahren zum Schreiben animierten. Seine Kurzgeschichten öffneten ihm die Tür für eine Karriere als freier Schriftsteller für diverse Zeitungen und Zeitschriften. Seine erste Auszeichnung erhielt er 1946 für “The Big Black and White Game”. Weitere Preise folgten im Laufe seines Lebens, darunter der World Fantasy Award für sein Lebenswerk 1977 und 2002 ein eigener Stern auf dem Hollywood Walk of Fame.
“Fahrenheit 451″ und die Science Fiction
Der Durchbruch kam mit einem Buch, das totalitäre Staatsformen porträtiert und kritisiert: “Fahrenheit 451″ ist die Temperatur, bei der sich Papier selbst entzündet, also etwa 230 Grad Celsius. Und die Feuerwehr, die eigentlich dafür da sein sollte, Brände zu löschen, erhält hier die Aufgabe, Bücher zu vernichten. Der Besitz von Büchern gilt als Verbrechen.
Sein Roman wird heute meist in einem Atemzug mit utopischer Literatur genannt, wie George Orwells “1984″ und Aldous Huxleys “Schöne Neue Welt”.
Was Ray Bradbury jedoch vom technischen Fortschritt hielt, erstaunt dann doch. Gegenüber Reuters gab er zu, er halte das Internet für Betrug und Computerspiele für reine Zeitverschwendung. Aber wie hält er es dann mit der Science Fiction und den Zukunftsvorstellungen? 1999 verriet er es in einem Spiegel-Interview: “Science Fiction hat überhaupt nicht das geringste mit der Zukunft zu tun, sie handelt nur von heute. Und das, womit man sich heute beschäftigt, das ändert das Morgen. Man kann die Zukunft nicht haben, wenn man nicht an ihr aktiv mit seiner Phantasie in der heutigen Welt arbeitet.”
Ray Bradbury und das Drehbuch zu “Moby Dick”
Ray Bradburys Gesamtwerk umfasst über 500 Werke, darunter der 2006 erschienene Roman “Farewell Summer”, die Kurzgeschichtensammlung “Der Illustrierte Mann” und die Drehbücher zur TV-Serie “Twilight Zone” und dem Film “Moby Dick” von 1956.
Ray Bradbury starb im Alter von 91 Jahren vergangenen Dienstag in L.A., Kalifornien.





