Heute stelle ich kurz Susanne Ayoub und insbesondere ihr neu erschienenes Buch “Das Mädchen von Ravensbrück” vor. Die Autorin stand uns für ein Kurz-Interview zur Verfügung.
Susanne Ayoub wurde in Bagdad geboren und kam mit sechs Jahren nach Wien. Sie studierte Theaterwissenschaft, Philosophie und Kunstgeschichte und arbeitete danach unter anderem als Regisseurin, Dramaturgin.
International bekannt wurde Ayoub durch ihren Krimi „Engelsgift“ (2004) indem sie einen historischen Kriminalfall aufgreift. Weitere Romane von ihr sind „Schattenbraut“ (2006) und „Mandragora. Roman eines Verbrechens“ (2010).
Im April erscheint ihr neues Buch „Das Mädchen von Ravensbrück“ im Braumüllerverlag. In ihrem aktuellen Werk zeichnet Susanne Ayoub ein Bild der Schrecken des späten 2. Weltkrieges. Die 16-jährige Leni wird 1942 von der Gestapo verhaftet da sie für die verbotene „Rote Hilfe“ arbeitet. Sie wird schließlich in das Konzentrationslager Ravensbrück deportiert. Leni überlebt – fürs Leben gezeichnet.
Als sie 1945 heimkehrt, steht sie einer Gesellschaft gegenüber die nicht nur rasch vergessen will sondern die Geschehnisse auch zu leugnen versucht. Täter kommen ungestraft davon, Opfern widerfährt auch nach Kriegsende keine Gerechtigkeit sondern vielfach weitere Schmähung.
Wir haben Susanne Ayoub zu ihrem aktuellen Buch und zu ihrer schriftstellerischen Tätigkeit für euch befragt:
Literatur-Community: Liebe Frau Ayoub, wie sind Sie bei der Recherche für diesen Roman vorgegangen?
Susanne Ayoub: Ich habe mich in meiner Arbeit immer wieder mit dem Thema Zeitgeschichte beschäftigt, im Besonderen mit der Zwischenkriegszeit und der zweiten Republik, den Wurzeln und den Folgen des Nationalsozialismus.
Das Mädchen im Widerstand war ein Projekt, das ich über Jahre recherchierte, las Publikationen, sah Filmdokumente und Fotos, vor allem aber die Lebenszeugnisse der Ravensbrückerinnen.
Konnten Sie noch ZeitzeugInnen befragen und wie schwer oder leicht war es Zugang zu ihnen zu bekommen?
Ich habe mit einer Reihe von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen gesprochen – nicht erst, seit ich mich mit dem KZ Ravensbrück beschäftigte. Sie zu kennen, ihre Geschichten zu erfahren, gehört zu den besonderen Eindrücken meines Lebens. So habe ich etwa 1986 Rosa Jochmann während der Proteste gegen die Präsidentschaftskandidatur Waldheims persönlich kennengelernt. Die Stimmung, Aufbruch, Kampf und Widerstand in jenen Jahren haben mein politisches Engagement geprägt.
2004 machte ich ein Porträt der Franziskanernonne Schwester Maria Restituta, die als Hochverräterin hingerichtet wurde. Dieses Hörbild “Schwester Kafka” (ORF, Ö1 – auch eine Filmfassung ist geplant, aber immer noch nicht realisiert worden) führte weiter zu den im Landesgericht zur gleichen Zeit mitinhaftierten jungen Frauen im Widerstand. Ihre Geschichten waren ein erster Anstoß für den Roman, sie sollen nicht vergessen werden.
Was verbinden Sie mit Ihrem Charakter “Leni”?
Leni hat anders als viele Menschen in Zeiten der Diktatur nicht vergessen, was gerecht, was richtig und falsch ist. Und sie steht dafür ein.
Ich habe diesen Charakter nicht erfunden, Lenis Geschichte hat sich – in verschiedenen Biographien –so zugetragen. Das Mädchen von Ravensbrück ist ein dokumentarischer Roman. Die Figuren sind der Wirklichkeit nachempfunden.
Wie und wo finden Sie Inspiration zum Schreiben?
Für mich ist das Schreiben ein fortwährend sich weiter entwickelnder Prozess, nicht zu trennen von meinem Leben. Es sind Menschen, ihre Geschichten, die Motive ihres – oft extremen Handelns – die mich über lange Zeit beschäftigen, begleiten und aus denen der Stoff zu einem neuen Roman entsteht.
Herzlichen Dank an Frau Ayoub für ihre Bereitschaft unsere Fragen zu beantworten und an den Braumüller Verlag für das Rezensionsexemplar.
Meine Rezension zu “Das Mädchen von Ravensbrück” kann hier nachgelesen werden: Klick!
Von Susanne Ayoub sind bisher erschienen:
- Das Mädchen von Ravensbrück, (2012) Braumüller Verlag
- Mandragora (2010), Braumüller Verlag
- Schattenbraut (2006), Hoffmann und Campe
- Von der erfüllten, von der enttäuschten, von der vergangenen Liebe (2006), Lehner
- Engelsgift (2004), Hoffmann und Campe





