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debruma

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Donnerstag, 15. September 2011, 10:37

# 9 Ey du, good old deutsche Sprache, wohin gehst'e und wo stehst'e?

Es wird Herbst. Loriot ist von uns gegangen. Charlotte Roche liest dauernd aus ihrem neuen Buch vor und kann Eicheln nicht von Nüssen unterscheiden. Zeit, den Untergang des Abendlandes ausreichend zu würdigen.

Man spricht denglisch, allerorten. Darf man das? Oder wie der letzte sächsische König ausrief: Derfendiedndas?

Zumindest wird das Volk nicht daran zu hindern sein, zu quasseln wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Sinnsuche (neudeutsch: ob das Sinn macht ) oder gar Streit darüber, ob sich die Sprache nun zum Guten oder zum Schlechtem wendet, ist eigentlich überflüssig. Es bleibt schlicht mit Fassung zu tragen, dass in Getrud's Coffee Shop (formerly known as Gertrudes Stübchen) auf der Schiefertafel nimmer steht

„Draußen nur Kännchen!“

sondern

„Kaffee to go, auch zum Mitnehmen!“

Oder das Handy. Ja, das Handy, das nur in Deutschland dieses seltsamen scheinenglischen Namen trägt und keiner weiß, woher der stammt und wer daran Schuld ist. Die Deutschen machen sich mal wieder zum Deppen. Handy!

Finde ich aber völlig einleuchtend – es ist HANDlich, man hält es dauernd in derselben und muss freiHÄNDIg Auto fahren um eine SMS zu tippen - deshalb heißt das Ding Händi. Und damit es der Modernität des Gerätes gerecht wird, schreiben wir es eben Handy. Fertig.

Was mich dagegen fast zum Wahnsinn treibt, ist die Selber-Seuche. Dass man etwas selbst macht, wird im Deutschen nur in besonderen Ausnahmefällen betont:
Den Kuchen habe ich selbst gebacken!
Ich kann mir schon selber die Schuhe zubinden!

Aber man sagt nicht: Ich muss noch selber einen Kuchen backen für Samstag. Oder: Warte, ich muss mir nur noch kurz selbst die Schuhe zubinden.

Ich backe, ich binde – daraus wird völlig ersichtlich, dass ich das selber mache. By myself. With my own two hands.

Liebe ntv-Moderatoren, ihr macht mich wuschig mit eurem: „Obama selbst muss die Erklärung noch unterschreiben“. Natürlich ist mir bewusst, dass ihr nichts anders macht als CNN-Nachrichten übersetzen, aber das kann doch nicht euer Ernst sein. Ihr seid Journalisten, Sprecher, ihr ...

Was? Stimmt, mein Kreislauf. Danke.

Wobei Kreislauf ein sehr schönes Beispiel dafür ist, dass Sprache schon immer wunderbar lebendig war und jede Bewegung eine Gegenbewegung hervorbringt.

Den Kreislauf (also nicht das Rennen im Kreis, sondern den hübschen Begriff) verdanken wir Philipp von Zesen oder auch Ritterhold von Blauen (Pseudonym), denn dieser tat nichts weniger, als eine Vielzahl von ach so deutschen Worten zu erschaffen.
Der Kreislauf wäre ohne ihn noch immer die Zirkulation, der Augenblick ein Moment und das Weltall das Universum.
Nicht durchgesetzt haben sich seine Schöpfungen Weiberhof (Harem) oder Meuchelpuffer (Pistole). Letzteres finde ich sehr bedauerlich.

Von Zesen ist nur ein Vertreter des Sprachpurismus , aber wahrscheinlich der erfolgreichste. Die Idee, die Sprache von fremden Einflüssen zu säubern und Fremdwörter durch deutsche Äquivalente zu ersetzen, ist eben alles andere als neu.

Sprache ist Alltag und man gewöhnt sich an so einiges und meint dann, es sei schon immer so gewesen. Oder stört sich noch jemand am Fenster, dem Restaurant oder dem Keks?

Natürlich wird vorgeworfen und hie und da zurecht, dass der Einsatz von Anglizismen und englischer Sprache erfolgt, ohne dass das Volk weiß, was es da eigentlich redet, nutzt oder zu hören bekommt. Immer wieder schön die Missverständnisse bei Werbeslogans .

Come In and Find Out – kommt rein und finde wieder raus
Broadcast Yourself – Mache deinen Brotkasten selbst
feel the difference – Fühle das Differenzial

Was ich echt gut an den Deutschen finde: Mag sein, sie können nicht sonderlich gut englisch, aber hey, sie wissen, was ein Differenzial ist.

Natürlich birgt der Sprachwandel auch Gefahren. Nehmen wir ... mich. Wer weiß, wohin das Leben mich geführt, wenn ich die Klappe gehalten und beim Kennenlernen eines attraktiven Junggesellen die Worte:

„Übrigens, ich bin Key Account Manager ...“

nicht mit

„Ach, du bist Pförtner?“ pariert hätte.

Man weiß es nicht.

Sprache ist Demokratie in Reinform. Es lässt sich nicht von oben bestimmen, welche Begriffe sich durchsetzen, welche Sprachgewohnheiten unseren Alltag so lange bestimmen, bis sie Einzug in die Normen und Gesetzmäßigkeiten halten. Und: Sprache ist Spiegel ihrer Zeit - wenn Anglizismen hier und heute stetig an Bedeutung gewinnen, dann hat das Gründe.

Sprache war schon immer im Wandel und wird es immer sein. Sprache drückt aus, was ist und zugleich sagt Sprache viel darüber aus, wer wir sein wollen. Also achtet auf eure Worte, liebe Leser.

debruma
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Mit Dank und Widmung an: mardii, lupus, soleatus, nihil, krea, seitenlinie, TET uvam.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Fabi« (16. September 2011, 18:14) aus folgendem Grund: Bildchen für debruma.


Melusine

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Freitag, 16. September 2011, 01:36

Danke für den Hinweis auf den ollen Philipp. Tse, der hat sogar den Beistrich erfunden. Weißt du jetzt wieder nicht, was das ist. In Österreich weiß dafür kaum wer, was ein Komma ist. Außer, dass man irgendwas in "Null komma nix" erledigen kann. "Null beistrich nix" klänge ja auch irgendwie blöd ...

Wobei mir einfällt: Ist eigentlich der Ausdruck "Strichpunkt" in Deutschland geläufig? Er steht für das hier: ";" (lateinisch: Semikolon). Vermutlich stammt das Wort auch vom ollen Philipp ...



Nachtrag zur "Rezension" von Roches Buch: Wenn ein calvinistischer "Bildungsbürger" mal so richtig loslegt ... jaja. Stimmt, "Vagina" zählt mit Sicherheit zu den 400 Wörtern im Wortschatz des durchschnittlichen Grundschulabbrechers. Vagina ist voll Unterschicht. Orgasmus auch, klar. Analverkehr sowieso.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Melusine« (16. September 2011, 02:19)


VIABLE KONSTRUKTION

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Freitag, 16. September 2011, 04:02

Zitat

Ist das jetzt nicht gerade etwas sehr übertrieben? Es handelte sich hier nur um ein paar Zeilen...


*ill* *ill* *ill* *ill* *ill* *ill* *ill* *ill* *ill* *ill* *ill* *ill* *ill* *ill* *ill* *ill* *ill* *ill* *ill* *ill* *ill* *ill* *ill* *ill* *ill* *ill* *ill* *ill* *ill* *ill* *ill* *ill* *ill* *ill* *ill* *ill* *ill* *ill* *ill*

Ich habe das Buch schon hier liegen - die Tage werde ich es mal lesen. Bei so einem blöden Gelaber juckt es mir jedenfalls in den Fingern, mich in dem Forum anzumelden :D

Dieser Beitrag wurde bereits 6 mal editiert, zuletzt von »VIABLE KONSTRUKTION« (16. September 2011, 21:32) aus folgendem Grund: Ergänzung des Zitats


Fabi

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Freitag, 16. September 2011, 06:01

Hi VK!

Könntest du mir einen Gefallen tun? Und zwar das Zitat löschen und stattdessen uns den betreffenden Link zum betreffendem Forum geben? :)

Grüße
Fabi
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debruma

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Freitag, 16. September 2011, 10:06

Hach, ich wusste, VK und Melu würde die Rezension gefallen ... hab ich extra so ausgesucht, weil die Frage des Basiswortschatzes sich ja fast und beinahe nahtlos in das Thema einfügt.

Jetzt will ich nen Lob, für so viel Quergedenke - los!

*

Ich bedanke mich ganz arg für die grünen Punkte *schaem*

debruma

Melusine

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Freitag, 16. September 2011, 17:13

@Fabi: Das ist der zweite Absatz aus der von debruma in ihrem Artikel verlinkten Rezension. Ich glaube, ein Zitat dieses Umfangs (im Verlgeich zur Gesamtlänge der Rezi) ist zulässig, weil es ja zum Verständnis der Diskussion darüber dient. Korrekterweise hätte VK natürlich dazuschreiben müssen, dass die Hervorhebung von ihm stammt und nicht vom Autor.

Oder meinst du jetzt, weil das Zitat nicht jugendfrei ist? *Hmm*


@debruma: Die Kotz-Smilies gelten doch klar erkennbar der Roche-Rezi und nicht dir.
Ich nehme übrigens die Anführungszeichen zurück - der Autor hat sich wirklich und wahrhaftig ausführlich mit dem Buch beschäftigt. Deshalb müssen mir seine einbildungsbürgerlichen Auslassungen über "Unterschichtler" und debile Spastis aber noch lange nicht annehmbar erscheinen, oder?



Zu weiteren Aspekten deiner Kolumne:

Was mich echt nervt, Sprachverfall hin oder her, sind Deppenapostrophe wie in "Gertrud's Coffee Shop". Oder Business-Sprech ... eben sowas wie "Key Account Manager" oder "CEO", aber auch "Wir werden das outsourcen" oder "Wir müssen das unseren Kunden kommunizieren" usw.

Umgekehrt finde ich aber krampfhafte Eindeutschungsversuche auch nervig. Z.B. "Weltnetz" oder "Heimseite" oder "Elektronische Post". (Außer natürlich, wenn es ironisch gemeint ist.)
Nächstens kommt noch wer und übersetzt HTML (HyperText Markup Language) ins Deutsche. Textvernetzungsauszeichnungssprache vielleicht? Abkürzung: TVAS.


Was ich echt gut an den Deutschen finde: Mag sein, sie können nicht sonderlich gut englisch, aber hey, sie wissen, was ein Differenzial ist.

:D
Kunststück. Deutsche und Technik - das ist eine Liebesheirat.
(Zumindest vermute ich mal, dass der Durchschnittsdeutsche dabei nicht an höhere Mathematik denkt, sondern an seinen fahrbaren Untersatz.)

Fabi

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Freitag, 16. September 2011, 17:37

Mir ging es erst einmal um die Sache mit dem Urheberrecht. :)

Ob es jugendfrei ist, weiß ich ehrlich gesagt NOCH nicht, habe da aber vorerst kein Problem gesehen, da Kinder/Jugendliche diese Begriffe so oder so überall zu sehen bekommen.

Viel mehr finde ich die Verunglimpfung "spezieller Gruppierungen" unter aller Kanone.

Ich melde mich zurück...

VIABLE KONSTRUKTION

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Freitag, 16. September 2011, 22:21

@ Mel
Der Apostroph vor dem Genitiv 's', nämlich zur Erhaltung des Eigennamens, gilt mittlerweile nicht mehr grundsätzlich als Deppenapostroph. Das ist oftmals absolut sinnvoll, wie ich finde. Beispiel: Andrea’s Kiosk. Hier ist der Sinn natürlich sofort evident. Richtig wäre aber auch: Katharina’s Hundesalon. Ob man das hier bräuchte, sei mal dahingestellt. Grundsätzlich, denke ich, sollte auch der Apostroph das Verständnis erleichtern. Als Faustregel gilt eigentlich: Immer, wenn etwas mit dem Apostroph besser zu verstehen ist, kann man es benutzen.


Das mit dem Deppenapostroph finde ich an dieser Stelle sehr lustig, weil sich oft Leute zum 'Deppen' machen, die andere ganz wichtig über das Deppenapostroph bei den Eigennamen belehren wollen :)

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »VIABLE KONSTRUKTION« (17. September 2011, 01:21)


Fabi

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9

Freitag, 16. September 2011, 22:27

Ist das jetzt nicht gerade etwas sehr übertrieben? Es handelte sich hier nur um ein paar Zeilen...
Ich habe das Zitat doch nicht gelöscht? ?( Dabei habe ich mir so viel Mühe gegeben... ;)

Melusine

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Freitag, 16. September 2011, 23:14

@VK: Ich gebrauche sonst eigentlich eh nicht den Ausdruck "Deppenapostroph" für den fälschlichen Gebrauch des säschischen Genitivs im Deutschen. Schon gar nicht habe ich die Angewohnheit, Leute über ihre Schreibfehler in Forenkommentaren zu belehren - sowas finde ich voll daneben.
Falsch ist es dennoch. Der sächsische Genitiv hat in der Deutschen Sprache (jedenfalls derzeit noch) nichts verloren. "Charlie's Pub" ist richtig (weil englisch). "Katharina's Hundesalon" ist eindeutig falsch. (Andrea's Kiosk ebenfalls, auch wenn "Andreas Kiosk" irrtümmlich so gelesen werden könnte als sei der Ladenbesitzer ein Mann, der mit Vornamen Andreas und mit Nachnamen Kiosk heißt. Dann muss sich Andrea halt was anderes einfallen lassen.)

Ein Genitiv-Apostroph wird im Deutschen meines Wissens nur verwendet, wenn ein Eigenname auf -s endet, z.B. "Jens' Auto" oder "Lars' Herzschrittmacher".

"Echte" Deppenapostrophe wären z.B.: Ich sah dem Arbeitgeber meines Manne's beim Waschen seines Auto's zu, während unsere Kid's mit ihren Gameboy's spielten.
:D

(ad Zitat: Fabi hatte das doch inzwischen eh einfach bisschen aufgehübscht ...? Hast du wohl überlesen. Diese Urheberrechtssache ist ein Hund, da muss man als Forenbetreiber aufpassen wie ein Haftelmacher. Zitierregeln in Seminararbeiten oder Fachartikeln sind nix dagegen!)

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Melusine« (16. September 2011, 23:19)


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Samstag, 17. September 2011, 00:59

Nee, das weiß ich doch, dass du das anderen Leuten nicht aufs Butterbrot schmierst – so habe ich das auch nicht gemeint. (Schreibt man ‚aufs‘ mit oder ohne Apostroph? ;))


Nein, das stimmt so nicht ganz – da machst du es dir zu einfach. Ich zitiere mal aus der „amtlichen Regelung“ (§ 97 E): „Von dem Apostroph als Auslassungszeichen zu unterscheiden ist der gelegentliche Gebrauch dieses Zeichens zur Verdeutlichung der Grundform eines Personennamens vor der Genitivendung –s oder vor dem Adjektivsuffix -sch: Carlo’s Taverne, Einstein’sche Relativitätstheorie.“

Das „Große Handbuch Deutschgrammatik“ schreibt dazu: „Achtung: Zur Verdeutlichung der Grundform von Eigennamen kann der Apostroph auch vor der Genitivendung „s“ […] stehen. Beispiel: Peter’s Bar.“

Der DUDEN (26. Auflage) dazu: „Nicht als Auslassungszeichen, sondern zur Verdeutlichung der Grundform eines Personennamens wird der Apostroph gelegentlich in folgenden Fällen gebraucht: a) vor der Adjektivendung –sch. b) vor dem Genitiv-s.“ Als Beispiele nennt der DUDEN: „Andrea’s Blumenecke“und „Willi’s Würstchenbude“.

Außerdem ergänzt der DUDEN: „Normalerweise wird vor einem Genitiv-s kein Apostroph gesetzt. Das gilt auch für Genitiv-s und Plural-s bei Initialwörtern und Abkürzungen.“


Nun, was heißt schon „normalerweise“ und was "gelegentlich"? Es heißt zumindest, dass man das Genitiv-s bei Eigenamen apostrophieren darf, wenn es zu Verwechslungen kommen könnte. Ansonsten muss man das gut begründen können - aber was ist schon gut? Das DUDEN-Beispiel „Willi’s“ zeigt das Problem bereits auf. Denn mit was sollte man den Eigennamen hier verwechseln, etwa mit dem Nachnamen (Bruce) ‚Willis‘? Aber würde man das dann nicht als Kompositum schreiben, nämlich beispielsweise: Willis-Bar oder eben mit Apostroph im Genitiv, weil der Name auf einem 's' endet und kein Artikel davor steht, nämlich Willis' Bar, womit in beiden Fällen eine Verwechslung ausgeschlossen wäre? Bei „Peter’s Bar“ ist es nun noch blöder: Mit was sollte man denn hier verwechseln, etwa mit dem Nachnamen 'Peters'? Dann würde man das aber, wie schon bei Willis, anders schreiben.

Ich würde dir aber zustimmen, das sagte ich ja auch schon vorher, dass ‚Katharina‘ ein Fall ist, bei dem mir das auch suspekt vorkommen würde - würde ich so nie schreiben. Denn letztlich ist eine Verwechslung, auch in der Schreibung ohne Apostroph, eigentlich ziemlich ausgeschlossen, oder? Aber wie gesagt: Als Fehler ginge das Beispiel 'Katharina's Sallon' meiner Meinung nach – und zwar auf der Grundlage der amtlichen Regeln - nicht durch. So könnte man das Apostroph an dieser Stelle etwa damit begründen, dass Katharina die Besitzerin ist, was man besonders betonen möchte. Um diesen Besitz anzuzeigen, etwa auf Firmenschildern, würde ich mir das auch noch gefallen lassen.

Solche Fälle mögen schwierig sein. Ganz eindeutig ist aber: Andrea’s Kiosk. Da muss sich Andrea auch nichts anderes einfallen lassen ;), denn Andrea ist eben nicht Andreas. An dieser Stelle ist eine Apostrophierung einfach sehr sinnvoll.


Das letzte Beispiel von dir stimmt nur begrenzt: Wenn ein Name im Genitiv auf einem S-Laut endet, dann apostrophiert man ihn nur, wenn kein Artikel davor steht, welcher den Genitiv anzeigt. Beispiel: Aristoteles' Werke, aber: des Aristoteles Werke.

Dieser Beitrag wurde bereits 5 mal editiert, zuletzt von »VIABLE KONSTRUKTION« (17. September 2011, 01:27)


Melusine

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12

Samstag, 17. September 2011, 01:27

Ah, okay, dann bin ich da wohl nicht auf dem neuesten Stand. Das ändert sich ja ständig. Danke für die Info. Wie du siehst, lasse ich mich gern auch eines Besseren belehren. :)

"Ins", "aufs" usw. schreibt man aber schon immer noch ohne Apostroph, oder? Nicht, dass ich das noch wem falsch sage, wenn ich Texte korrigiere.

Was ist eigentlich mit "Andrea's Pizzeria"? Kann/soll/muss DER Andrea seinen Namen dann mit diesem netten kleinen Phallussymbol (Kreis mit Pfeil aufwärts) kennzeichnen, damit keiner denkt, er sei ein Mädchen? ?(

13

Samstag, 17. September 2011, 01:38

Ich bedanke mich ganz arg für die grünen Punkte

oooch... gern geschehen :) allerdings bekommt deine Aussage vor dem Hintergrund, dass VK kurz vorher all die netten, kotzenden Smilies gepostet hat, nochmal eine ganz andere Bedeutung *schildLOL*
ich lebe in meiner eigenen Welt -
das ist in Ordnung... man kennt mich dort.

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Samstag, 17. September 2011, 01:57

Nee, hehe, muss er/sie nicht. Man muss den Apostroph auch in solchen Zweifelsfällen nicht verwenden – man kann aber. Ansonsten fällt doch in den Amtlichen Regeln und im DUDEN vor allen Dingen eins auf: Unsicherheit – man legt sich eben nicht fest, spricht von „normalerweise“ und „gelegentlich“. Nun, was ist schon normal und was heißt gelegentlich? Wie gesgagt, auf Firmenschildern sieht man das mittlerweile ständig. Das Beispiel ‚Willi’s Würstchenbude‘ wäre hier anzusiedeln. Ansonsten würde ich auch ‚Kant’s Werke‘ etc. NICHT als Fehler anstreichen. Persönlich würde ich es aber dennoch nicht so schreiben – ist aber mein ‚Problem‘. :)

Ja, bei den Verschmelzungen von Präposition und Artikel setzt man in der Regel kein Apostroph. Aber was ist denn etwa mit ‚aufm‘ (auf dem)? Hier würde ich natürlich ein Apostroph setzten, weil dann für mich die Regel greifen würde, welche besagt, dass ein Apostroph gesetzt werden kann, wenn Wörter der Umgangssprache ansonsten schwer verständlich sind; ich würde also schreiben: auf’m. Es wäre aber auch nicht falsch, wenn man bei ‚aufm‘ bliebe.

Das Beispiel zeigt also abermals, dass die Regelungen zur Apostrophierung nicht so eindeutig sind, wie man sich das gerne wünscht. Deshalb sagte ich ja anfangs: Es gilt die Faustregel: Immer, wenn ein Apostroph das Verständnis erleichtert, sollte man ihn benutzen. Eigentlich kann man dann mit etwas Überlegung nicht viel falsch machen.

Dabei hilft es auch, ein Gespür für Konventionen zu haben. Ich finde z. B., dass 'Schiller'sche' durchaus Sinn macht. Allerdings ist 'Marx'sche' zwar nicht falsch, aber komisch, denn 'marxistische' entspricht eben dem allgemeinen Gebrauch eher.

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Samstag, 17. September 2011, 02:01

Ich bedanke mich ganz arg für die grünen Punkte

oooch... gern geschehen :) allerdings bekommt deine Aussage vor dem Hintergrund, dass VK kurz vorher all die netten, kotzenden Smilies gepostet hat, nochmal eine ganz andere Bedeutung *schildLOL*




*schildLOL* So war das aber nicht gemeint :D

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16

Samstag, 17. September 2011, 02:17

Ich halt's da auch mit Sprachgefühl, nur das mit dem sächsischen Genitiv war mir neu. Dass der Duden sich da nicht festlegt ist kein Wunder - die passen sich ja nur dem eingebürgerten Sprachgebrauch an. Wenn wir uns über Apostrophe unterhalten wollen, sollten wir dafür vielleicht lieber einen extra Thread aufmachen, um uns nicht debrumas Groll zuzuziehen. ;)

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Samstag, 17. September 2011, 02:56

Hm, warum? Das hat doch mit dem Thema der Kolumne zu tun, wie bereits die Überschrift sehr deutlich zeigt, oder? :)

Der DUDEN erhebt aber schon den Anspruch, auf dem Stand der amtlichen Regeln zu sein. Aber die sind ja auch nicht eindeutiger… Ich würde fast mal unterstellen, dass die Amtlichen Regeln eigentlich nur ‚Zweifelsfälle‘ meinen sollten. So, wie sie jetzt festgehalten sind, müsste man aber im Grunde alle apostrophierten Genitiv-s in Eigennamen akzeptieren, weil damit immer ‚die Grundform verdeutlicht wird‘. Aber, wie gesagt, dem Konsens entspricht das sicherlich noch nicht. Bei Firmennamen begegnet mir das gelegentlich und natürlich bei offensichtlichen Zweifelsfällen - ansonsten sieht man es doch noch eher selten, oder?

Jutta

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Samstag, 17. September 2011, 12:54

Hallo debruma,

du triffst es wieder auf den Punkt! Danke für diesen Beitrag! :thumbup:

Die neumodischen Jobbezeichnungen nerven mich total! Da stell ich doch immer wieder fest, dass mir stellenangebote entgehen, weil ich nicht weiß, dass sich hinter dem XY Manager auch eine Tätigkeit für meine Qualifikationen verbrigt. Da muss man erst mal drauf kommen... :wacko:
"I love deadlines. I like the whooshing sound they make as they fly by." Douglas Adams

debruma

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Montag, 19. September 2011, 09:48

Zitat

um uns nicht debrumas Groll zuzuziehen


Muss das nicht debruma's Groll heißen?
Passt zum Thema, wie die Überschrift schon zeigt, genau VK - das Depp' ist typisch für das, worauf ich hinaus wollte. Es ist egal, ob das nun schön, klug oder wasauchimmer ist - es wird sich durchsetzen. Weil es offensichtlich als stimmig empfunden wird, wenn da der Rudi nicht zu mehreren wird, nur weil er eine Kneipe hat. Und die nächste Generation wird dies als Norm empfinden und sich über etwas anderes furchtbar ärgern. *Pardon*

*

Nochmal zur Rezi - der TH.Walker lässt ganz gern mal was raus- oder rumhängen. Streitbar finde ich aber gut, spannend auch, wie solches wahrgenommen wird. Ich meine, das trieft dezent ironisch und ist weniger ein Tritt gegen die Unterschicht, als gegen Verlagsmarketing, dass den ach so einfach strukturierten Leser zu Tode fürchtet zu überfordern. Superseller mit einem Wortschatz ü 2000 - huuuh.
Aber vielleicht ist er auch wirklich nur ein Depp ohne ' - man weiß es nicht. Unterhaltsam ist's allemal.

*

Fettes Dankeschön nochmal an alle Leser und die grünen Punkte, denen nicht schlecht ist 8| natürlich!! Menno.

d.

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20

Montag, 19. September 2011, 16:33

Ach so, entschuldige, ich hab wohl das Bewertungssystem noch nicht so ganz inhaliert, daher das Missverständnis. (Ich weiß, das heißt eigentlich internalisisiert, aber das versteht dann wieder keiner aus dem tumben Volke ... ;))

Kann schon sein, dass Th. Walkers Rezi ironisch gemeint ist. Aber wenn man den Autor kennen muss, um das zu kapieren, dann funktioniert der Text nicht. Als Provokation funktioniert er - keine Frage. Auf die billige Tour. Sarrazinoid. So à la "Die deutsche Literatur schafft sich ab".

Muss das nicht debruma's Groll heißen?

Gib dir keine Mühe - du kriegst mich nicht dazu, deinen Groll zu apostrophieren. *Miffy*

Fürs Protokoll: Sollten sich Apoströpher wie "gehst'e", "meine Kid's", "nicht's Gutes" etc. zu meinen Lebzeiten durchsetzen, dann wandere ich aus, lerne Urdu oder begehe Harakiri. Oder auch alle drei zusammen.

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21

Montag, 19. September 2011, 18:36

Ach, gegen Provokation habe ich bekanntlich nichts. Aber ich muss dennoch nicht jede Provokation gut finden. Und einfach ausgelutschte Klischees abkauen, das überzeugt mich nun wirklich nicht. Ist doch immer die gleiche Leier: Unterschichtenbla hier, Unterschichtenbla dort – gut, dass ich so ein gebildeter Kulturwächter bin. - Das ist ja jetzt nichts, was mich zu einer ausgedenhten Debatte veranlasst, sondern einfach nur zu einem müden Schulterzucken und kurzweiligem Brechreiz. Für mich also keine gelungene Provokation.

22

Montag, 19. September 2011, 18:38

Oder auch alle drei zusammen.

Dann aber Obacht bei der Reihenfolge :D
ich lebe in meiner eigenen Welt -
das ist in Ordnung... man kennt mich dort.

debruma

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23

Montag, 19. September 2011, 21:19

Zitat

Dann aber Obacht bei der Reihenfolge :D


Wie ich Melusine kenne, macht sie eh den Wiedergänger. :S

Zitat

Das ist ja jetzt nichts, was mich zu einer ausgedenhten Debatte veranlasst,

Zitat

Auf die billige Tour. Sarrazinoid.


Ja, nu, habt ja Recht - und den Rest der Rezi war mir auch lieber. Aber damit wird der Genosse THW leben können und wir werden's müss'en. Aber gerade beim Thema 'schreibende Frauen' dürften VK und der Herr Rezensent dicke Freunde werden. :P
So nun genug der Werbung für fremde Foren!

Daheme is daheme!

d'ebruma

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24

Montag, 19. September 2011, 21:23

Na ja, wenn ich verkehrt rum anfange, spar ich mir den Rest. Auch nicht das Schlechteste. Das Ersparte spende ich dann posthum dem Euroschirm. Ein entsprechendes Testament ist in Arbeit. Muss mich nur noch über die Legalitäten (oder wie das heißt) informieren. *Read*

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