Es ist ihre letzte gemeinsame Nacht, aber sie weiß nichts davon. Er hat seine Heimatstadt verlassen, seine Frau und vergnügt sich mit einer Prostituierten. Ein Hundebesitzer setzt auf der Rennbahn alles auf eine Karte, um eine teure Operation bezahlen zu können. Sie will es allen zeigen, die junge Frau, nachdem sie vom Flüchtlingsschiff gestiegen ist. Er ist ein Arbeitsloser, der den „kleinen Tod“ stirbt...
Clemens Meyer, der 1977 in Halle an der Saale geboren wurde, gewann 2001 den MDR-Literaturwettbewerb und wurde für seinen ersten Roman „Als wir träumten“ mehrfach ausgezeichnet. In seinem aktuellen Erzählband „Die Nacht, die Lichter“ erzählt er von der Hoffnung, einmal im Leben den großen Gewinn einzustreichen, von dem Willen, etwas aus sich zu machen, von der verpassten Liebe.
Meist sind es kleine Krisensituationen, in denen sich seine Protagonisten befinden, und Clemens Meyer beleuchtet sie mit blitzlichtartiger Schärfe. Das Ambiente, das Woher und Wohin, spielen dabei eigentlich keine große Rolle, nur die Situation, die Krise eines Augenblicks und der Seelenzustand der Figuren steht im Fokus. Der Untertitel, „Stories“, ist bewusst gewählt, denn er soll die einzelnen Miniaturgeschichten in die Nähe der klassischen amerikanischen bzw. englischen „short story“ rücken.
Rein inhaltlich würde ich Clemens Meyer mit einem Harold Pinter vergleichen, denn beide verströmen in ihren Geschichten eine suggestive Wirkung, das Anklingenlassen von Unausgesprochenem, die rätselhaften Situationen und mehrdeutigen Facetten einer Aussage. Der Autor selbst sagte in einem Interview: „Ich will Geschichten schreiben, die leuchten.“ und das ist ihm meines Erachtens gelungen. Die einzelnen Figuren werden in ihren Stärken und Schwächen, Hoffnungenund Nöten, Ängsten und Glücksmomenten gezeigt, die aber alle im Wandel bzw. Ruin begriffen sind. Als Leser entsteht beinahe sofort die Nähe zu diesen vermeintlichen Loser-Typen, denn wer träumt nicht von der einen großen Chance im Leben – beruflich und/oder privat- ?!
Sprachlich kommt Clemens Meyer ohne unnötige Effekthascherei bzw. übertrieben stilisierte Sätze aus, denn seine Stärke ist die Beobachtung und Wiedergabe einer Momentaufnahme und das tut er plastisch, mitunter grell und doch facettenreich.
Ich würde seine Geschichten jedem Leser empfehlen, der generell Kurzgeschichten mag und sich zudem für die realitätsnahen bis pittoresken und leicht absurden Alltagsbeobachtungen erwärmen kann. Von diesem Nachwuchsschriftsteller wird man sicher noch mehr hören und das zu recht.