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Der Richter und sein Henker

Von Friedrich Dürrenmatt

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Der Richter und sein Henker

Von Friedrich Dürrenmatt

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Der Richter und sein Henker

  • Genres
  • Herausgeber
  • Ausgabe
  • Seiten
  • Sprache
  • ISBN-13
  • Preis
  • Belletristik, Klassiker, Krimis & Thriller
  • rororo
  • Juni 1955
  • 128
  • Deutsch
  • 9783499101502
  • EUR 4,99

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Friedrich Dürrenmatt - Der Richter und sein Henker

Von Traily, Freitag, 23. Mai 2008, 21:21

Guten Abend meine Klassikfans!

Ich habe es ja bereits öfters erwähnt und endlich habe ich meinen Plan, an der Klassikecke mitzumachen, umgesetzt.
Bisher habe ich von Dürrenmatt nur ,,Der Richter und sein Henker" gelesen, aber ,,Der Besuch der alten Dame" steht als nächstes auf dem Plan.
Hier zunächst mal eine Zusammenfassung des Inhalts von ,,Der Richter und sein Henker":

In der Schweiz, genauer gesagt in Lamboing, findet ein Polizist in einem Auto einen erschossenen Mann. Es ist der Polizeilieutnant Schmied. Kmissar Bärlach, der Protagonist dieses Romans, wird beauftragt den Fall zu lösen. Dieser fährt zunächst in die Wohnung des ermordeten und nimmt eine Mappe mit. Was diese Mappe enthält wird dem Leser nicht verraten.

Nachdem Bärlach die Mappe gelesen hat, redet er mit seinem Chef Dr. Lutz und bittet ihn, ihm den Polizisten Tschanz zur Seite zu stellen. Gemeinsam machen die zwei sich dann auch auf die Suche nach Hinweisen. Am Tatort findet Bärlach eine Pistolenkugel, die später noch sehr wichtig werden soll.

Am Abend fahren Bärlach und Tschanz dann nach Lamboing, denn in Schmieds Kalender steht für den Abend dort ein G eingezeichnet, was für Gastmann stehen muss. Dort wird Bärlach von einem Hund angegriffen, den Tschanz erschießt und Bärlach somit das Leben rettet. Die beiden reden dann mit einem Mann der bei Gastmann eingeladen war, mit Gastmann selbst reden sie jedoch nicht. Später, als Bärlach wieder alleine zu Hause ist, befreit er seinen Arm von Tüchern und legt seine Waffe auf den Tisch, obwohl er Tschanz gegenüber behauptet hatte, sie nicht mit zu haben.

Mehrere Seiten später kommt dann der Höhepunkt der Geschichte. Als Bärlach von Schmieds Beerdigung nach Hause kommt, findet er bei sich den bereits erwähnten Gastmann vor. Der Leser erfährt nun, dass sich die beiden schon seit 40 Jahren kennen. Damals hatten eine Lebenswette abgeschlossen. Gastmann behauptet, dass es möglich ist das ,,perfekte Verbrechen" zu begehen und Bärlach hält dagegen. Gastmann geht und nimmt die Mappe, die Bärlach in Schmieds Wohnung gefunden hat mit. Anschließend hat Bärlach einen heftigen Magenkrampf. Er hat nicht mehr lange Zeit, seine Wette zu gewinnen, da macht sein Magen nicht mit.

Dann bricht jemand nachts in Bärlachs Haus ein. Die Person sucht etwas und es ist ziemlich klar, dass das Tschanz sein muss. Auch versucht Tschanz Bärlach zu töten, indem er ein Messer wirft, doch er verfehlt ihn. Am nächsten Tag nimmt Bärlach ein Taxi und findet Gastmann in ihm auf. Dort sagt Bärlach folgendes zu Gastmann:,, Es ist mir nicht gelungen, dich der Verbrechen zu überführen, die du begangen hast, nun werde ich dich eben dessen überführen, das du nicht begangen hast."

Nun geht Tschanz zu Gastmann. Er lässt sich von einem Diener von Gastmann anschißen, dann tötet er diesen, einen weiteren Diener und Gastmann. Für einen Außenstehenden sieht es aus wie Notwehr. Anschließend wird er von Bärlach zum Essen eingeladen. Bärlach erklärt ihm, dass er weiß, dass Tschanz der wirkliche Mörder ist anhand von zwei Beweisen. Einmal hat er die Patrone von dem erschossenen Hund und dann noch einen Beweis, den ich nicht so ganz verstanden habe. (Tut mir Leid, kann mir jemand helfan?)
Daraufhin geht Tschanz und begeht Selbstmord. Bärlach hat noch ein Jahr zu leben, ehe seine Magenkrankheit ihn umbringen wird.


So, ob ihr es glaubt der nicht, ich habe eine Stunde (!) für diesen Beitrag gebraucht. Ich musste nebenher noch ein wenig recherchieren. Und jetzt habe ich noch ein paar Fragen.

1. Was war Bärlachs zweiter Beweis?
2. Warum begeht Tschanz Selbstmord?
3.Warum taucht Gastmann bei Bärlach auf, wo er doch gar nicht der Mörder war?

Zudem würde ich mich über Ergänzungen und Verbesserungen freuen.

Gruß,
Eure neue Kollegin Ulrike

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Kommentare (7)

  • 7

    Von SchwarzeTinte (Dienstag, 3. Juni 2008, 21:09)

    Bärlach hat seine Wette aber nicht gewonnen, schlussendlich.
    Denn er begeht ja selber eine Kriminaltat, und es wird sicher nie herauskommen.
    Also hat Gastmann seine Wette gewonnen.

  • 6

    Von Traily (Dienstag, 3. Juni 2008, 20:35)

    Guten Abend!

    Also, ich möchte mal was zu eurem Kritikpunkt Zufall etwas sagen. Ihr meint es gibt zu viel davon. Aber besteht nicht unser ganzes Leben aus Zufällen. Ich habe schon so vieles dem Zufall überlassen und es hat öfters sogar geklappt. Jeder, der öfters mal pokert oder so weiß, wie unberechenbar das ganze ist. Und ich glaube, das wollte F.D. auch vermitteln. Denn, wir haben da die eine Seite mit Dr. Lutz, der viel von der modernen Kriminalistik hält und auf der anderen haben wir Bärlach, der vieles dem Zufall überlässt und der auf seine Eingebungen vertraut. Vielleicht hat Dürrenmatt ja damit die Kriminalistik kritisieren wollen.

    Jetzt mal meine Meinung zu dem Buch:

    Es ist der erste klassische Roman, der mir gefallen hat. ( Davor habe ich Der gute Mensch von Sezuan, Schimmelreiter und Kleider machen Leute gelesen. Bei Kleider machen Leuete war ich grad mal 12 und ich habe vieles nicht verstanden. Die anderen haben mir von der Handlung her nicht zugesagt)
    Ich fand es sehr interessant wie dieser Kriminalroman aufgebaut war, vor allem dass Bärlach nicht so wirklich ,,gut" war und das Ende die Auflösung enthielt, aber kein sonderlich gutes war hat mir zugesagt.

    Nur, ich glaube kaum, dass es realistisch ist, dass Tschanz sich gleich umbringt. So schnell bringt man sich doch nicht um. Doch, charly, er bringt sich ganz bestimmt um. Mein Lehrer hat das auch gesagt.

    Gabi hat noch gesagt, dass sie es lächerlich findet, wie Bärlach sich als Gerechtigkeitsfanatiker ausgibt. Aber tut er das wirklich? Mir kam es eher so vor, als wolle er nur seine Wette gewinnen und als er seinen Spruch mit ,,Ich bin dein Richter" und so wollte er doch nur Gastmann richten, weil er seine Wette nicht gewonnen hat. Ich glaube Bärlach wollte einfach nicht verlieren. Um Gerechtigkeit ging es ihm bestimmt nicht.

    LG Ulrike

  • 5

    Von Leserin (Montag, 2. Juni 2008, 22:39)

    Hey charly!

    Ich habe deine Einleitung gerade sicher 5 Mal gelesen, denn ich konnte meinen Augen nicht trauen! Schon das dritte Mal stimmen wir überein! 8| Wo soll das noch hinführen?! :S Am Schluss halten uns die Leute hier noch für austauschbare Klone. :D

    Also, warum sollte Tschanz "zufällig" von einem Zug erfasst werden? Das passt nicht in die Handlung und würde auch nicht dem durchdachten Strukturprinzip von Dürrenmatt entsprechen. Du wirst gemerkt haben, dass seine Werke immer streng formal und inhaltlich komponiert sind (Vgl. Dramenform), so dass ein Ehrgeizling wie Tschanz nicht einfach sang- und klanglos getötet wird, sondern sich praktisch umbringen muss, da er der Verlierer im Duell mit Bärlach war. Er "henkt"sich also von eigener Hand, da er zuvor von Bärlach "gerichtet" wurde.

    [quote]Nun schreibt wikipedia, dieses Buch soll Kritik am Kriminalroman erzeugen. Was hälst Du davon? Ich selbst finde nichts dergleichen. Es war einfach nur ein schlecht geschriebener Krimi.
    [/quote]



    Also, wir hatten uns doch schon einmal über "unwissenschaftliche Quellen" unterhalten, nicht wahr? Kannst du dich dann erinnern, wozu Wikipedia zählt? Genau! ;) Kein seriöser Kritiker bzw. Literatrfreund verlässt sich auf bzw. zitiert dieses Lexikon, weil es lückenhaft, streckenweise inhaltlich falsch und quellentechnisch nicht nachvollziehbar ist. Also: Finger weg! ;)

    Dürrenmatt verwendet in seinem Krimi viele Aspekte, die dem klassischen Krimi entsprechen: Wir haben einen kauzigen Polizisten, einen Verdächtigen, den Mörder, Nebenfiguren, Spuren, falsche und richtige Hinweise und die klassische Auflösung am Schluss. Soweit unterscheidet sein Werk nichts von anderen Werken. Gleichzeitig gibt es aber tatsächlich Elemente, die nicht zu einem typischen Krimi gehören, so dass man sie als Kritik/Ironie an selbigem auffassen kann. Folgendes wäre zu erwähnen:

    a) Bärlach ist nicht der typische Kommissar, der aus Liebe zum Beruf verbissen an einem Fall arbeitet, sondern ihn interessiert die Jagd, das Spiel mit dem Verdächtigen. Er überschreitet zudem seine Kompetenzen und schwingt sich zum Richter auf, der aber selbst eine befleckte Vergangenheit hat. Er ist also eher der "Anti-Held" und somit kein "guter" Polizist, wie man ihn erwarten würde.

    b) Groteske Elemente überdecken die realistische Handlung (Bsp. Der Tod wird als Witz dargestellt; als Clenin mit dem Toten über die unebene Landstraße fährt, wird das Kopfnicken des Toten mit dem Nicken eines weisen Chinesen verglichen) und weichen folglich vom klassischen Krimischema ab.

    c) Im Gegensatz zum klassischen Krimi, weiß Bärlach schon zu Beginn, dass Tschanz der Mörder war/ist.

    d) Obwohl das grundsätzliche Handlungskonstrukt den Krimi-Regeln entspricht, schleicht sich mitten in die Handlung die Wette von Gastmann und Bärlach ein und wird so quasi zum Motor der Handlung. Das ist ein weiterer "Verstoß" gegen die Krimi-Regeln.

    e) Des weiteren ist das offene Ende natürlich ein deutliches Zeichen für die Abkehr vom klassischen Krimi. Statt am Schluss die heile Welt vorzufinden, sind nur "Verlierer" übriggegblieben. Bärlach wird bald sterben und hat seine Kompetenzen überschritten, Gastmann ist tot, Taschanz stirbt.

    Diese Merkmale weichen also von der traditionellen Krimigeschichte ab, lassen Dürrenmatts Werk individuell erscheinen und können als bewusste Abkehr bzw. Ironisierung verstanden werden.

    Grüße von Gabi

  • 4

    Von SchwarzeTinte (Montag, 2. Juni 2008, 22:17)

    Ach, der gute alte Bärlach.

    Ich war vor 6 Jahre eine Woche in Ligerz, das Nachbardorf von Twann, wo der Mord zustande kommt.
    Die Umgebung ist von Dürrenmatt natürlich treu wiedergegeben, und es hat sich von damals nicht viel geändert, die Twannschlucht ist klein aber eindrücklich.

    Der Roman, wenn man über die Geschichte wegsieht ist eine Kritik an der Geschellschaft, vorallem die von meinem Land, ich denke sie ist heutzutage mehr denn je aktuell.
    Wirtschaftliche Interesse kommen immer noch vor der anderen, und unsere ach so hochgelobte demokratie ist immer noch von Freundenkreisen kontrolliert, wehe man Untersucht das Umfeld eines Wohlhabenden und Wohlschaffenden Freund von einer der oberen.

    Dürrenmatt schafft es solche Themen leicht zu verpacken, und man sieht diese Kritik auf den ersten Blick sicher nicht.

    Sorry, wenn mein kommentar so kurz geworden ist, aber übermorgen eine weitere Abiprüfung, und da brauche ich genügend Schlaf *g*

    Und gabi, sorry wenn ich dich wiederspreche, aber Dürrenmatt hat sich in diesem Roman ganz und gar nicht vergaloppiert, es ist natürlich gewollt wie Bärlach denkt, und ich denke nicht dass F.D. diese Gedanken teilt, das ganze ruft einfach zum nachdenken auf.

  • 3

    Von charly (Montag, 2. Juni 2008, 20:18)

    Hallo Gabi,
    ich stimme Dir hier weitestgehend zu. Ja, Du hörst richtig. :D
    Außer der Sache mit dem Selbstmord. Er wurde von einem Zug erfasst, aber das kann ja schon mal vorkommen. Es könnte ein Unfall gewesen sein, Selbstmord wäre eine mögliche Variante, doch so lange er nicht beim Namen genannt wurde, kann man höchstens spekulieren. ;)

    Nun schreibt wikipedia, dieses Buch soll Kritik am Kriminalroman erzeugen. Was hälst Du davon? Ich selbst finde nichts dergleichen. Es war einfach nur ein schlecht geschriebener Krimi.

    Gruß,
    charly

  • 2

    Von Leserin (Montag, 2. Juni 2008, 17:32)

    [color=#000000]Hallo meinen beiden Hobbydetektive Traily und charly! :) [/color]

    [color=#000000]Zuerst natürlich noch einmal offiziell: Herzlichen Willkommen bei uns Klassikern, Traily bzw. Ulrike, und ich freue [/color][color=#000000]mich, dass du dich hartnäckig durch die Lektüre gearbeitet und nicht vorher die Waffen gestreckt hast.! :thumbsup: [/color]

    [color=#000000]Bevor ich meine eigenen Anmerkungen und Fragen anbringe, versuche ich, zur Lösung des Falles beizutragen. ;) [/color]

    [color=#000000]1. Was war Bärlachs zweiter Beweis?[/color]

    [color=#000000]Die Antwort hat charly schon angerissen. Tschanz und Bärlach fahren nach Lamboing, um dort etwas über die [/color][color=#000000]Tätigkeiten Schmieds zu erfahren. Tschanz wählt die ungewöhnliche Route über Kerzers-Erlach; im Gegen[/color][color=#000000]satz zu Schmied ist er ein schnellerer Fahrer und liefert Bärlach somit den Beweis, dass Schmied am Mittwoch[/color][color=#000000] ebenfalls über Kerzers-Ins gefahren ist. Tempo und Sicherheit entlarven also Tschanz. [/color]

    [color=#000000]2. Warum begeht Tschanz Selbstmord?[/color]

    [color=#000000]Tja, charly, da hast du nicht genau gelesen, denn auf Seite 118 (in meiner Ausgabe) heißt es [er wird] „unter[/color][color=#000000] seinem vom Zug erfassten Wagen tot aufgefunden.“ Bärlach hat Tschanz zu diesem opulenten Abendessen[/color][color=#000000] eingeladen, um ihn zu überführen. Dabei sagt er ihm, dass er ihn schon von Anfang an in Verdacht hatte und[/color][color=#000000] ihn als Köder für Gastmann benutzt hat. Bärlach wird zum Richter, weil er Gastmann nicht auf rechtlichem[/color][color=#000000] Weg belangen kann, und gibt Taschanz die Chance (das ist also ein offensichtlich „sprechender Name), zur [/color][color=#000000]letzten tödlichen Konfrontation. Dieser erwidert: „Da haben Sie mich und Gastmann aufeinander gehetzt wie[/color][color=#000000] Tiere!“ – „Bestie gegen Bestie“ (S. 116) Tschanz kann rechtlich nicht belangt werden, aber Bärlach weiß, dass [/color][color=#000000]er ein eifersüchtiger, kleinbürgerlicher Geist ist, dessen Ego[/color][color=#000000] die moralische Niederlage nicht ertragen kann. [/color][color=#000000]Der Selbstmord ist also eine unausgesprochene Tatsache. [/color]

    [color=#000000]3. Warum taucht Gastmann bei Bärlach auf, wo er doch gar nicht der Mörder war? [/color]

    [color=#000000]Du meinst die Szene am Abend nach Schmieds Beerdigung? Gastmann erscheint, um die gemeinsa[/color][color=#000000]me Vorgeschichte zu rekonstruieren. Beide trafen sich vor 40 Jahren „in irgendeiner verfallenen Ju[/color][color=#000000]denschenke am Bosporus“ (S.65) und nach einer trinkreichen Nacht gehen sie die Wette ein, ob der[/color][color=#000000] Zufall die Aufklärung von Verbrechen verhindern kann. Diese Wette lässt beide Männer schuldig wer[/color][color=#000000]den, denn Gastmann fühlt sich durch Bärlach’s Ablehnung seiner These provoziert und tötet den dt. [/color][color=#000000]Kaufmann, Bärlach muss damit leben, Gastmann zu dieser Tat herausgefordert zu haben, ohne ihn [/color][color=#000000]später verhaften zu können. Diese Überlegenheit will Gastmann erneut demonstrieren, indem er den[/color][color=#000000] Kommissar aufsucht, an die Wette erinnert und mit Bärlachs Schlangenmesser knapp an diesem vor[/color][color=#000000]bei in den Lehnstuhl schleudert. [/color]

    [color=#000000]Soweit zu den Fragen. Ich habe schon einmal bei einem anderen Gespräch – es ging um den Krimi „Der [/color][color=#000000]Verdacht“ gesagt, dass ich Dürrenmatt zwar nicht seine literarischen Fähigkeiten absprechen will, ihn al[/color][color=#000000]lerdings gleichzeitig nicht zu meinen Lieblingsautoren zählen würde. Warum...[/color]

    [color=#000000]1. Mir sind seine typisierten Figuren (jede Figur bekommt ein Merkmal und verhält sich dem entsprech[/color][color=#000000]end) und die klare Handlungsführung zu durchschaubar bzw. eintönig. Man liest 2-3 von seinen Wer[/color][color=#000000]ken, erkennt das Muster und kann es wie eine Folie über die nachfolgenden Stücke legen. Das zeugt[/color][color=#000000] für mich nicht von Spannung.[/color]

    [color=#000000]2. Um Spannung zu erzeugen, werden auch gerne einmal Adjektive attributiv benutzt („unendlicher [/color][color=#000000]Hunger“, “ein unheimliches Schauspiel“, „eine übermenschliche Überlegenheit“), doch bei mir ent[/color][color=#000000]stand leider keinerlei Neugier bzw. Spannungseffekt. Es war mir einfach zu plakativ und gleichzeitig [/color][color=#000000]künstlich. [/color]

    [color=#000000]3. Der Zufall als thematisches Vehikel ist, hier stimme charly absolut zu, interessant, aber die inhaltliche[/color][color=#000000] Erklärung zahlreicher Situationen mit dem „Zufall“ ist für mich nur mit den Genre-Gesetzmäßigkeiten [/color][color=#000000]zu begründen. Im 19. Jh./Anfang des 20. Jh. erschienen zahlreiche Handbücher, wie ein Detektivro[/color][color=#000000]man konzipiert sein soll. Mit diesem „Schlüssel“ ließen sich dann Poe, Glauser, Doyle, Chandler oder[/color][color=#000000] Simenon lesen/verstehen und der „Zufall“ wird dabei zu einem festen Bestandteil innerhalb der Ro[/color][color=#000000]mans. Entweder er füllt handwerkliche Lücken auf, fungiert als Spannungsmarker oder stellt eine[/color][color=#000000] Verbindung zwischen Figuren her. Die Kunst liegt nun natürlich darin, den Zufall clever und weitest[/color][color=#000000]gehend „realistisch“ in die Geschichte einzubetten, aber genau das schafft Dürrenmatt für mich nicht. [/color][color=#000000]Für mich wirkt es eher wie der offensichtliche Versuch, Lücken zu füllen/zu erklären. [/color]

    [color=#000000]4. Bärlachs Darstellung soll natürlich mittels der grotesken Beschreibung Brecht’s Verfremdungstechnik [/color][color=#000000]ihren Tribut zollen, aber ich finde es fast schon im negativen Sinne lächerlich, wie sich der Kommissar [/color][color=#000000]als Gerechtigkeitsfanatiker ausgibt, sich zum Richter erhebt und auch ein Todesurteil legitimiert. Der[/color][color=#000000] restliche Polizeiapparat ist natürlich inkompetent, blind und reagiert immer falsch (noch ein Klischee[/color][color=#000000] mehr und man würde einen Orden dafür verleihen) - nur Bärlach ist unerbittlich, kompetent und wen[/color][color=#000000]det den Vers aus dem Alten Testament an: „Auge um Auge, Zahn um Zahn“. Richtig peinlich wird es[/color][color=#000000] dann, wenn die legalen Rechtsmittel ausgeschöpft sind und er zu Gastmann sagt: „Der Henker, den [/color][color=#000000]ich ausersehen habe, wird heute zu dir kommen. Er wird dich töten, denn das muss nun eben ein[/color][color=#000000]mal in Gottes Namen geschehen.“ (S. 100). Bei so viel Pathos und ungewollter Ironie zuckt man[/color][color=#000000] doch innerlich zusammen und denkt: „Da hat sich der Autor aber ordentlich vergaloppiert.“ Vor allem,[/color][color=#000000] wenn man sich dann noch die Anfangsszenen in Erinnerung ruft, als Bärlach zu Tschanz sagt, er [/color][color=#000000]sei ein großer alter Kater, der gerne Mäuse frist und mit ihnen spielt. Es geht also nicht um einen re[/color][color=#000000]ligiösen Akt der Gerechtigkeit, sondern um Bärlachs Vorliebe für das Spiel. [/color]

    [color=#000000]Wenn ich an diesem Krimi etwas Gutes finden sollte, würde ich sagen, dass es die grotesken Elemente [/color][color=#000000]waren, die die realistische Handlung „aufgelockert“ haben (z.B. Begräbnisszene), und das offene Ende. [/color][color=#000000]Offiziell ist der Fall abgeschlossen, doch es endet nicht mit einem Schwenk zurück in die heile Welt, [/color][color=#000000]denn Bärlach hat eine moralische Schuld zu tragen und Tschanz begeht Selbstmord. Als unterhalten[/color][color=#000000]den Krimi kann man das Stück schon empfehlen, aber wenn man ein wenig tiefer schürft, tun sich doch [/color][color=#000000]einige Löcher auf und das Werk erscheint fadenscheinig. [/color]

    [color=#000000]So ihr beiden – was sagt ihr nun dazu? Bin ich zu kritisch, habe ich etwas falsch gesehen oder hattet ihr [/color][color=#000000]auch Bedenken?[/color]

    [color=#000000]Es grüßt euch Sherlock Gabi ;) [/color]


    [font='Times New Roman'][/font]

  • 1

    Von charly (Samstag, 31. Mai 2008, 08:21)

    Hallo Kollegin Traily,

    Vorab, meine Rezi kann ich wohl nicht vor Montag schreiben, aber ich kann verraten, dass sie nicht so positiv ausfallen wird. Ich bin nicht der große Krimifan. Jedes Wort muss im Hinterkopf bleiben, um die Pointe zu verstehen. Außerdem war das Büchlein zu schmal, die Handlung zu knapp erzählt. Vieles wurde nur angedeutet. Die größte Enttäuschung jedoch war Dürrenmatts ständige Bedienung am Zufall. Ich mag keine Zufälle in der Literatur, weil sie in mir meist das Gefühl erzeugen, der Autor hängt fest und muss mit solchen Tricks arbeiten, um eine Sackgasse zu verlassen. Oder er versucht durch Allheilmittel "Zufall" einen wichtigen Punkt zu erklären. So stößt Bärlach wie durch Zufall mit dem Fuß gegen die Patrone, ein wichtiger Fund. Mal im Ernst: Wie groß ist so ein Ding? Und das ist nur mal als Beispiel genannt.
    Das Grundkonzept hingegen fand ich genial. Auch hier spielt der Zufall eine Rolle, jedoch nicht als Ausweichmethode, sondern als Leitmotiv. Auch den Showdown fand ich gelungen. Tschanz wird hier als Schachfigur benutzt.

    Ich versuche mal Deine Fragen zu beantworten.
    [quote]1. Was war Bärlachs zweiter Beweis?[/quote]
    Du meinst sicherlich den "blauen Charon". So nannte das Opfer seinen Wagen, den er auch so nannte, als Tschanz mit Schmied fuhr und an der Tankstelle hielt. Den Hinweis findest Du am Anfang des Buches. Bärlach wusste ja, laut eigener Aussage, von Anfang an, wer der Mörder war. Sicherlich hat auch der Fehler Tschanz' dazu beigetragen, als er anfangs meinte, die Strecke über Ins liebe er. Und das hohe Tempo weist darauf hin, dass er die Strecke sehr gut kannte. Naja, Vermutungen, aber so ist das bei Krimis. ;)
    Bärlach hat nun per Telefon herausgefunden, dass Tschanz einen Wagen gemietet hat und an besagtem Abend die Strecke über Ins gekommen ist.

    [quote]2. Warum begeht Tschanz Selbstmord?[/quote]
    Von Selbstmord war nie die Rede, aber es würde mich nicht wundern, da in Klassikern am Ende fast immer einer stirbt bzw. Selbstmord begeht. Das erhöht die Dramatik. :D Jedenfalls war er so geschockt, so "bleich im Gesicht" und außer sich, dass er wohl auf der Flucht einen Unfall erlitt. Außerdem siegt somit doch die Gerechtigkeit und alle leben glücklich und zufrieden ... :)

    [quote]3.Warum taucht Gastmann bei Bärlach auf, wo er doch gar nicht der Mörder war?[/quote]
    Und nun muss ich passen! Wann war Gastmann bei Bärlach? Bärlach hat doch ihn aufgesucht. Später dann hat Bärlach mit dem Schriftsteller gesprochen und davon hat Gastmann Wind gekriegt. Daraufhin geht Gastmann zu Bärlach, mit der Drohung, dass man nie lange lebt, wenn man sich zuviel mit ihm, Gastmann, beschäftigt. Er wollte ihm somit klar machen, dass B. ihn in Ruhe lassen soll.

    Die Theorie erfolgt dann, sobald Leserin wieder erscheint :thumbsup:

    Gruß,
    charly