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Die Henkerin

Von Sabine Martin

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Die Henkerin

Von Sabine Martin

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Die Henkerin

Historischer Roman

  • Genres
  • Herausgeber
  • Ausgabe
  • Seiten
  • Sprache
  • ISBN-13
  • Preis
  • Historische Romane
  • Bastei Lübbe (Bastei Verlag)
  • 16. März 2012
  • 560
  • Deutsch
  • 9783404166329
  • EUR 8,99

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Vom Henker mit unauffälligem rotem Haar

Von Jutta, Donnerstag, 17. Mai 2012, 14:18

Melisandes Familie fällt einem Raubritterüberfall zum Opfer. Verzweifelt muss das Mädchen mit ansehen, wie man ihren Bruder und ihre Schwester tötet. Ihrer sterbenden Mutter nimmt sie das Versprechen ab, die Familie zu rächen. Melisande kann sich retten, wird aber weiter von dem Drahtzieher des Überfalls, dem Grafen Ottmar de Bruce, verfolgt. Auf ihrer Flucht durch den Wald erhält sie unerwartete Hilfe des Henkers von Esslingen.
Raimund gewährt ihr Schutz und nimmt sie bei sich auf. Verkleidet als des Henkers stummer Neffe Melchior lernt sie das Handwerk des Henkers und schreitet selbst zur Tat. Doch manchem ist der stumme Henker ein Dorn im Auge. Um den Intrigen zu entkommen sieht Melisande nur eine Lösung: Flucht und eine neue Identität. Am Besten eine, die sie näher an ihre Rache bringt.

Der erste gemeinsame historische Roman des Autorenduos Sabine Martin beginnt spannend. Mit vielen Informationen zum Beruf des Henkers und einem lebendigen und flüssigen Schreibstil legen Martin Conrath und Sabine Klewe richtig los. Dabei ist "Die Henkerin" stellenweise nichts für schwache Nerven. Ein Henker verstand sich auch auf das Foltern, was die Autoren hier natürlich auch thematisieren und dabei weder etwas beschönigen noch zu drastisch darstellen.

Melisande ist eine willensstarke Persönlichkeit. Sie hat ihre Rache vor Augen und ist bereit, alles dafür zu tun, was nötig ist. Auch wenn sie sich manchmal das unbeschwerte Leben einer Kaufmannstochter zurückwünscht und gerne wieder Frauenkleidung tragen will. Ihre Wut wird zusätzlich entfacht, als sie immer wieder dem Grafen de Bruce begegnet. Meist durch Zufall und Melisande muss sich immer wieder beherrschen, nicht unüberlegt zu handeln, nur um endlich ihre Rache zu bekommen. Diesen Zwiespalt in Melisandes Gefühlen arbeiten die Autoren glaubwürdig heraus.
Auch alle weiteren Figuren agieren menschlich und nachvollziehbar. Sie passen gut in das 14. Jahrhundert und runden die Atmosphäre des Romans passend ab. Allerdings fällt auf, dass gerade die Nebenfiguren blass bleiben und eher den Klischees entsprechen als eigenständige Persönlichkeiten entwickeln.
Ein Kritikpunkt hier: Die Unterscheidung zwischen Gut und Böse ist sehr akkurat, es gibt nur gute und nur böse Menschen. Die klare Schwarz-Weiß-Zeichnung der Figuren macht diese ein wenig flach und schal. So sind ihre Handlungen vorhersehbar und man kann sie schnell in die Klischeekiste packen.

Die Handlung allerdings verlangt den Lesern einiges ab. Zwar passen die verarbeiteten Motive und Themen durchaus stimmig in den Roman, doch diverse Handlungsstränge sind weniger durchdacht als das Drumherum.
Melisande hat auffällig rotes Haar, das wird mehrfach angesprochen. Dennoch fällt sie in ihren Verkleidungen ihren Verfolgern und Personen, die sie als Melchior kennen, nicht auf. Sie kann ihnen mehrfach begegnen ohne, dass sie erkannt wird. Bei der Haarfarbe eigentlich verwunderlich. Und auch muss Melisande besondere Fähigkeiten haben, die ihre Gesichtszüge verändert. Oder wie kann es sein, dass ein und dieselbe Person mal als Henker, mal als Schreiber und dann wieder als Kaufmannstochter vor ein und derselben Person herumhüpfen kann, ohne dass die Ähnlichkeiten auffallen?
Nach Melisandes Flucht wird die Handlung immer abstruser und wirkt zusammengeschustert. Plötzlich geht es nicht nur um die Intrigen des Grafen de Bruce, eine Ketzerbibel taucht auf, die Melisande in große Gefahr bringt. Stadträte werden als aufmerksam beschrieben, dennoch fällt ihnen nicht auf, dass da ein anderer Henker am Richtblock steht.
Ich muss gestehen, dass mich diese Punkte so gestört haben, dass es mir nicht möglich war, den Roman weiter aufmerksam zu lesen. Ein konsequenter Handlungsstrang wäre bei dieser Geschichte sinnvoller gewesen, gibt sie doch genug Material her, um einen Roman zu füllen. Dass man dazu noch diverse unüberlegte Nebenplots hinzufügt, weckt den Eindruck des mutwilligen Seitenfüllens. Dabei hat das "Die Henkerin" gar nicht nötig.

Fazit

"Die Henkerin" gibt spannende Einblicke in das Leben des Henkers, das auf der einen Seite mit Folter und Tod verknüpft ist, aber auch die Heilkunde eine große Rolle spielt. Unter diesem Aspekt ist der Roman gelungen. Wer allerdings Wert auf eine durchdachte und logische Handlung legt, sollte von diesem Buch nicht viel erwarten.

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und wurde bereits 20 mal gelesen.

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