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Fliehe weit und schnell

Von Fred Vargas, Tobias Scheffel

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Fliehe weit und schnell

Von Fred Vargas, Tobias Scheffel

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Fliehe weit und schnell

  • Genres
  • Herausgeber
  • Ausgabe
  • Seiten
  • Sprache
  • ISBN-13
  • Preis
  • Krimis & Thriller
  • Aufbau-Verlag
  • Dezember 2002
  • 399
  • Deutsch
  • 9783351029708
  • EUR 22,00

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Fred Vargas - Fliehe weit und schnell

Von ChapaChupo, Freitag, 11. September 2009, 00:54

Ein bretonischer Seemann, der in Paris Montparnasse den alten Berufs des Ausrufers ausübt, seitdem ihm in weinseliger Nacht sein Urahn erschienen ist, verliest „spezielle“ Nachrichten, die aus einer früheren Zeit zu stammen scheinen.

Dann sind eines Tages in einem Pariser Viertel alle Türen eines Wohnblocks mit wenigen Ausnahmen mit spiegelverkehrten Vieren gekennzeichnet und schon bald gibt es die ersten beiden Toten. Sie sind geschwärzt und mit Flohbissen übersät. Ihre Türen waren nicht mit Vieren versehen. Ist tatsächlich die „Geißel Gottes“ zurückgekehrt? Die Bevölkerung gerät in Panik, die Medien wissen dies zu schüren. Aber die Toten sind erdrosselt worden. Haben wir es doch mit einem Massenmörder zu tun?

Ein unorthodoxer Kommissar begibt sich mit Hilfe eines alten Lehrers und eines Historikers auf die Suche und findet nicht nur einen Mörder, sondern fördert dabei noch eine haarsträubende Familiengeschichte zu Tage.

Fred Vargas hat hier eine sehr spannende Geschichte mit ziseliert beschriebenen Charakteren erzählt. Zusammen mit dem Kommissar Adamsberg tauchen wir in einen kleinen Kosmos im Montparnasse ein und lernen die Gestirne kennen, die diesen Kosmos bestimmen. Da ist einmal der Ausrufer Le Guern, der zu einer sozialen Institution geworden ist. Er übermittelt Meldungen und Annoncen von und für die Menschen, sie finden sich zusammen um seine Nachrichten zu hören und zu diskutieren und schließen Wetten ab bezüglich des Ausgangs der Schiffshavarien, mit deren Verlesung Le Guern jeden seiner Ausrufe beendet. In seinem
Postkasten findet er fortan diese eigenartigen in alter Sprache verfassten Nachrichten, die er nunmehr täglich verliest, und die von allerlei Getier handeln und wie biblische Offenbarungen anmuten. Und da ist Decambrais, ein alter Lehrer, der ein Geheimnis hütet. Er wird aufmerksam auf diese Nachrichten, die er die „Speziellen“ nennt und er beginnt sie zu sammeln. Wir lernen Damas kennen, den etwas beschränkten Inhaber eines Skater- und Rollershops und seine empfindsame, etwas rührselige Schwester Marie-Belle, und die Mitbewohner des alten Decambrais, der Zimmer in seiner Wohnung untervermietet. Und dieser
ganze Kosmos kreist um die Kneipe „Viking“ des Normannen Bertin, der über die Familie seiner Mutter direkt vom Donnergott Thor abstammt. Aus
diesem Milieu heraus begleiten wir die Ermittlungsarbeit Adamsbergs. Er ist unkonventionell, etwas eigenbrötlerisch und sehr intuitiv und schert sich nicht wirklich darum, was andere über ihn denken, weswegen er sich wahrscheinlich auch keine Namen merken kann. Das genaue Gegenteil zu seinem Partner Danglard, der sich am wohlsten mit seinen Statistiken und Datenbanken fühlt, und seine körperlichen Unzulänglichkeiten durch Kleidung versucht zu kaschieren.

Wichtigste Unterstützung und Enträtsler der kryptischen Nachrichten ist der arbeitslose Historiker Vandoosler, Spezialist für mittelalterliche Geschichte und äußerst bewandert in allen Fragen zur Pest, der in einer Wohngemeinschaft mit anderen arbeitslosen Akademikern lebt und sich mit Putz- und Bügelarbeiten über Wasser hält.

Es macht viel Spaß all diese etwas skurrilen Menschen kennen zu lernen, die filigran, humorvoll und mit dem Blick auf den Menschen beschrieben werden. Es macht viel Spaß in diese Geschichte einzutauchen, die so vielschichtig ist und überraschende Wendungen bereithält, und die nicht nur viele Informationen über ein geschichtliches Thema auftut, sondern uns auch erzählt über Urängste des Menschen und wie diese ihn dazu bringen, lieber das zu denken, was ihm leichter erscheint, als die Kraft des Verstandes einzusetzen um das Dahinter auszuloten. Und sie erzählt darüber, was der Mensch aus einem anderen Menschen machen kann.

Kleine Schwächen gibt es im Handlungsablauf, so hatte ich an manchen Stellen Schwierigkeiten den Intuitionen des Kommissar Adamsberg zu folgen. Aber alles in allem eine sehr lesenswerte Geschichte.

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