Als Leseratte und Schreiberling erlebe ich eher, dass ich als
weltfremd, Traumsuse, in einer Fantasiewelt lebend eingeschätzt werde. Eingebildet und besserwisserisch? Als Leserin/Schreiberin? Nö, nicht, dass ich wüsste.
Womit ich jetzt nicht sagen will, dass mich niemand für eingebildet und besserwisserisch hält. Das tun sogar viele. Aber doch nicht deshalb, weil ich lese und schreibe ...?
Unter "eingebildet" fällt wohl auch
"Red doch nicht so geschwollen daher" oder
"Du hältst dich wohl für was Besseres" oder
"Du kommst dir wohl besonders gescheit vor". Mag sein, dass das indirekt mit exzessivem Lesen und Schreiben zu tun hat, insofern als man dadurch vielleicht einen irgendwie abartigen Wortschatz entwickelt. Z.B. hat mich mal eine Freundin (Dr. phil.!) beanstandet, weil ich das Wort "Sollbruchstelle" (in Bezug auf Bierflaschen) gebrauchte. Erst bemerkte sie halb lachend: Was du immer für Wörter kennst ...; als ich etwas verwundert erwiderte, das heiße nun einmal so, meinte sie, das möge schon sein, es wirke aber dennoch
affektiert.
Ich ging dann in mich und dachte darüber nach, woher ich das ungewöhnliche Wort denn nun kennen mochte, und kam zu dem Schluss: Ich muss es in der "Sendung mit der Maus" aufgeschnappt haben.
Wenn ich jetzt weiter überlege ... hm, mir scheint, die meisten Menschen finden es
überheblich, wenn jemand in einer alltäglichen Konversation Ausdrücke gebraucht, die ihnen nicht geläufig sind. Da exzessive Leserlinge und Schreiberlinge einen großen Wortschatz haben, passiert ihnen das vermutlich weitaus häufiger als Nichtleserlingen und Nichtschreiberlingen.