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Unterkühlt kam mir Lenz, im Gegensatz zu den Literaturkritikern, bei "Es waren Habichte in der Luft" vor. Wenn man aber bedenkt, dass der Krieg gerade zuende war, man also die Zeit berücksichtigt, liegt diese Kühle eher da versteckt, als dass man sie dem Autor vorwerfen sollte. Wie gesagt ist der Nordländer etwas wortkarg und stoffelig, was aber nicht heißt, dass er ein schlechterer Mensch ist als der Rheinländer, der ja offen und redselig sein soll

(Lenz hat sowieso eine Sonderbonus bei mir, ich mag ihn auch im Fernsehen, er symbolisiert für mich den "Opa", den ich gerne hätte

Also ich würde ihn sofort adoptieren!)
"Die Auflehnung" ist überhaupt nicht unterkühlt. Die kleinen Zärtlichkeiten die Frank seiner Frau zukommen lässt, als er ihr liebevoll den Rücken einreibt, oder sie aus der Badewanne herausholt, einfach toll! Das war für mich Liebe pur, und Liebe kann nie unterkühlt sein.
Diese geradlinige Weise empfinde ich als totalen Luxus in der heutigen hektischen Zeit. Das Leben ist doch Reizüberflutet genug, muss denn die Literatur genauso schnell und laut sein? Zudem, wenn man bei einem Thema bleibt, ob nun Auflehnung oder Pflichtgefühl, das ist doch wesentlich schwieriger zu beschreiben als wenn man durch die Themen rasst, was heute so in ist (nichts Halbes und nichts Ganzes).
Ich habe erst vier Werke von Lenz gelesen: "Deutschstunde", "Es waren Habichte in der Luft", "Die Auflehnung" und "Schweigeminute", und bin echt froh, dass es noch so viel Stoff von Lenz für mich gibt. Momentan lese ich Essays von ihm "Über den Schmerz"

, da ich auch seine Ansichten lesen möchte. Wie gesagt, Lenz interessiert mich als ganze Person, nicht nur als Autor
Krümel, die jetzt aber viel geschrieben hat